
Ganz ähnlich wie I2P ist Freenet ein dezentralisiertes, Zensur-resistentes Netzwerk, um Dateien auszutauschen. Die Software wird bereits seit zehn Jahren entwickelt. Es begründet sich auf Open Source Software und bietet den Usern eine starke Verschlüsselung und das Maximum an Redefreiheit. Wir haben uns mit dem Projektmanager Ian Clarke unterhalten, der uns erklärt, welchen Stellenwert freie Meinungsäußerung und Datenschutz für ihn haben.
gulli.com: Hallo Ian! Möchtest du dich unseren Lesern zunächst kurz vorstellen?
Ian Clarke: Mein Name ist Ian Clarke, ich bin 33 Jahre alt und lebe zusammen mit meiner Frau und zwei Katzen zusammen in Austin, Texas. Ich genieße es (ganz offensichtlich) zu programmieren. Ich gehe gerne schwimmen und wandern und interessiere mich außerdem für Politik und selbst gebaute fliegende Hubschrauber.
gulli.com: Du arbeitest seit dem Jahr 1999 an Freenet. Warum ist das Thema Privatsphäre so wichtig für dich?
Ian Clarke: Die steht gar nicht so sehr im Mittelpunkt für mich, die Freiheit zu kommunizieren aber schon. Die Möglichkeit anonym zu sein ist sehr wichtig für eine uneingeschränkte Kommunikation.
Mir fiel auf, dass anonyme Kommunikation sehr eng mit der Privatsphäre zusammenhängt. Das Aufrechterhalten der Intimsphäre kollidiert manchmal mit der Freiheit zu kommunizieren. In solchen Fällen bin ich absolut gegen Privatsphäre und für die Kommunikation. Ein Beispiel dafür sind Datenschutz-Gesetze. Ich glaube, die Regierungen sollten mir nicht vorschreiben dürfen, was ich mit den Daten anstelle, die ich gesammelt habe.
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Ian Clarke: Freenet wurde erstellt, um eine anonyme Veröffentlichung und Konsum von Informationen zu ermöglichen. Es ist wie eine Bücherei, wo Menschen Bücher ungesehen einreichen und abholen können. Dem hingegen funktioniert Tor wie eine Weiterleitung, um anonym Informationen einholen zu können, die anderswo im Internet gespeichert wurden. Freenet ist selbst ein Speichermedium. Du greifst praktisch mit deinem Browser auf Freenet zu, wie du dich auch im Internet bewegst. Allerdings kann es einige Sekunden dauern, um den Inhalt einer Website von Freenet zu laden. Es ist langsamer als das Internet, wir arbeiten an einer Verbesserung der Geschwindigkeit.
Genauer gesagt erlaubt Tor jemandem, eine Website wie Wikileaks zu besuchen, ohne Spuren zu hinterlassen. Aber wenn die Regierung Wikileaks schließt, wäre sie nicht mehr länger erreichbar, weder über Tor noch mit einem anderen Weg. Bei Freenet werden die Informationen von Wikileaks bei Freenet selbst gespeichert und es gäbe keinen Weg mehr diese zu entfernen.
Ich kenne mich mit I2P nicht so sehr aus, aber glaube, es ist auch eher eine Weiterleitung wie Tor und weniger ein Datenspeicher wie Freenet. Ich glaube aber einige Aspekte im Design von I2P wurden durch unser Projekt inspiriert.
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Ian Clarke: Nun, ich würde nicht so sehr auf die Versionsnummern schauen. Einige ausgereifte Applikationen haben noch immer nicht 1.0 erreicht ;-)
Das größte Defizit derzeit ist, dass es zu kompliziert ist, Freenet anzuwenden. Wir haben daran im Laufe der letzten Jahre bereits hart gearbeitet und die Software hat sich schon deutlich verbessert. Aber es ist noch immer ein weiter Weg.
Das nächste große Feature, an dem wir arbeiten, sind Diskussionsforen. Es nennt sich „Free Talk“. Ihr könnt mehr darüber unter http://wiki.freenetproject.org/FreeTalk lesen. Dessen Architektur ist sehr interessant, weil wir das Problem von unerwünschten Spammails bekämpfen müssen, das in einem anonymen System sehr herausfordernd ist.
gulli.com: Wie leicht beziehungsweise kompliziert ist die Anwendung denn jetzt wirklich?
Ian Clarke: Einfacher als es in der Vergangenheit war, aber noch immer komplizierter als es sein sollte. Wer schon mal Software auf seinem Rechner installiert hat, dürfte nicht allzu viele Probleme haben. Es ist aber nicht so final wie Software wie Firefox oder Skype.
gulli.com: Wie viele Personen sind an der Entwicklung beteiligt, womit beschäftigen sie sich?
Ian Clarke: Wir haben einen hauptamtlichen Entwickler, dessen Lohn von den Spenden bezahlt wird. Daneben gibt es vielleicht zehn bis fünfzehn andere Personen, die auf unterschiedliche Art einen Beitrag leiste. Manche arbeiten an der Website, andere an der Software selber oder auch indem sie uns wertvolles Feedback geben.
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Ian Clarke: Freenet wird schneller und einfacher in der Anwendung sein. Auch die eben erwähnten Diskussionsforen werden neben anderen Features implementiert.
gulli.com: Es gibt Gerüchte die besagen, dass solche Netzwerke auch als Obdach für illegale Aktivitäten dienen wie beispielsweise den Vertrieb von kinderpornografischen Werken. Gibt es Wege das zu unterbinden? Ist überhaupt geplant, die Inhalte auf irgendeine Weise zu kontrollieren?
Ian Clarke: Es ist leider wahr, dass solche Systeme, die Freiheit gewährleisten, auch Leuten Schutz bieten, die Dinge tun, mit denen ich nicht einverstanden bin. Das betrifft auch Kinderpornografie. Leider ist es unmöglich das zu unterbinden, ohne den gesamten Zweck von Freenet zu zerstören.
gulli.com: Wenn sich jeder komplett anonym im Internet bewegen kann, so kann auch niemand mehr von Geheimdiensten aufgespürt werden. Seid ihr jemals von derartigen Institutionen kontaktiert worden oder dauert das, bis die erste offizielle Version herausgekommen ist?
Ian Clarke: Wegen Freenet gab es bisher keinerlei negativ behafteten Kontakt. Tatsächlich unterstützt die US Regierung einige Projekte wie Freenet finanziell. (Ich glaube, die US Navy nutzt Tor.) Trotzdem sind wir deswegen bisher nie angesprochen worden.
gulli.com: Wie sieht für dich die Zukunft des Internets aus? Wird es ein komplett regierungskontrolliertes System sein, pure Anarchie oder irgendetwas dazwischen?
Ian Clarke: Wahrscheinlich irgendwas dazwischen. Es hängt davon ab, in welchem Land man lebt. Länder wie Australien bewegen sich derzeit in eine gefährliche Richtung mit ihren aktuellen Internet-Zensurgesetzen. Glücklicherweise kann Freenet stets als letzter Rückzugsort benutzt werden.
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Weitere Informationen sind auf der offiziellen Website oder dem Wiki von Freenet verfügbar. Es gibt dort auch zahlreiche Übersetzungen, so auch eine kurze Installationsanleitung für Anfänger. Die deutsche Übersetzung ist hier verfügbar. Auf der Website howsoftwareisbuild.com wurde vor einem halben Jahr ein weiteres ausführliches Interview mit ihm veröffentlicht.
Bilder: Foto von Ian Clarke von Joshua Baer, by-sa/3.0, Das Internet verschlüsselt von eff.org, power through anonymity & bloody hand von amatororis
Lars Sobiraj am Donnerstag, 24.06.2010 16:58 Uhr
Dann bitte ich doch mal die Moderation, den Fehler zu beheben. Danke. ...
Ist es nur bei mir so oder kommt Ihr auch nicht auf Seite 2 des Interviews? Würde es ganz gerne lesen. :D Es geht nicht nur dir so. Seite 2 und 3 gehen weder durch anklicken der Nummer, noch über "weiter". Gruss Moses ...
http://board.gulli.com/images/redesign/misc/replytooldwarn.gif Ist es nur bei mir so oder kommt Ihr auch nicht auf Seite 2 des Interviews? Würde es ganz gerne lesen. :D ...
Du hast Darknet nicht verstanden. Das Darknet stellt ein Vertrauensnetzwerk dar bei dem AUSGEZEICHNETE Mitglieder DIREKT kommunizieren. Alle anderen kommunizieren INDIREKT. D.h. über ein Darknet und die Small-World-Theorie kommst Du trotzdem an aberhundertausen ...
@TRON2: Okay, ich denke jetzt sind wir auf einen Nenner gekommen. Wir sind und werden uns nie einig. Selbst mit uns selber nicht. Deine Argumente kann ich verstehen und befürworte diese auch irgendwo. Natürlich will ich kein Bewohner von Big Brother sein und überall beobachtet werden. @titus_sh ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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