
Es ist keine Sensation, wenn irgendwo irgendwer eine illegale Kopie eines Films betrachtet. Etwas anders sieht es jedoch aus, wenn es sich bei den Personen um Abgeordnete einer Partei handelt. Manche von diesen werden im Laufe ihrer politischen Karriere womöglich mit der Thematik Urheberrechte konfrontiert. Man kann nur hoffen, dass sie sich dann an dieses Ereignis erinnern, das vor einer Woche stattgefunden hat.
In einem indischen Hotel treffen sich Dutzende Abgeordnete der "Bharatiya Janata Partei" (BJP). Ein rein politisches Treffen - jedoch mit einem besonderen Ereignis. Auf dem Programm steht eine DVD-Vorführung des Films "Raajneeti" (dt: Politik). Bei dem Film handelt es sich um einen Polit-Thriller, der in Indien durchaus vernünftige Einnahmen erzielen konnte. Aktuell schätzt man die Einnahmen an den Kinokassen auf eine Milliarde Rupien (etwa 17 Millionen Euro). Dies umfasst jedoch noch nicht alle Einnahmen.
Die Ursache dafür ist relativ simpel: Der Film kam erst am 28. Mai in die indischen Kinos. Er läuft dort auch gegenwärtig noch. Auf Video oder DVD ist er gegenwärtig nicht legal im Handel zu erwerben. Dies hinderte das Hotel und die zahlreichen Parteimitglieder jedoch nicht daran, den Kinostreifen anzusehen. Man mag ihnen zugutehalten, dass sie den Kinofilm nicht kannten. Dass ihnen unklar war, dass dieser nicht legal im Handel verfügbar ist. Vielleicht hätte eine bedenkliche Aufnahmequalität die anwesenden Gäste irritieren sollen. Nichts dergleichen geschah.
Die Sache wäre wohl völlig im Sand verlaufen. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass man die Parteigäste kaum rechtlich belangen kann, ohne Gesetze zu biegen. Doch wo Politiker sind, ist bekanntermaßen auch die Presse. Diese hatte einige Bestandteile des Treffens gefilmt. Darunter auch die Videovorführung. Während diese läuft, kommentiert ein BJP-Mitglied in die Kamera: "Wir sehen uns diesen Film an, weil er den Titel [Politik] trägt. Das ist der neueste Film in der Stadt [...]."
Der Regisseur des Streifens, Prakash Jha, bekam Wind von der Sache. Nachvollziehbarerweise zeigte er sich völlig ungehalten: "Jede rechtliche Regressforderung, die gegen die Leute, die diesen Film verfügbar gemacht oder ihn angesehen haben genutzt werden kann, wird genutzt werden. Niemand wird verschont, alle sind beteiligt. Egal ob es [der frühere Staatsminister] Vasundhra Raje ist oder die Hotelleitung. Alle werden bestraft."
Ein Seitenhieb auf die Politik war ihm jedoch nicht genug: "Es ist lustig zu sehen, dass die Ersten, die Gesetze machen, sich gegen diese stellen. Es ist einfach lächerlich. Sie haben eine illegale Kopie eines Films gezeigt! Wie kann man nicht wissen, dass eine Originalversion des gerade erst veröffentlichten Films niemals auf dem Markt verfügbar sein kann?"
Ein BJP-Parteimitglied zeigte sich von den harschen Anschuldigungen eher unbeeindruckt: "Man macht hier aus einer Mücke einen Elefanten. Das ist nicht gut. Reden Sie mit Prakash Jha, was er für Schritte einleiten will. Wir haben nichts Falsches getan."
Für Prakash Jha ist das eigentliche Problem dabei weniger, dass sein Film illegal vorgeführt wurde. Wie er erklärte, hätte er gerne eine Kopie zur Verfügung gestellt. Aber man hätte fragen müssen.
Der Regisseur hat entsprechende rechtliche Schritte eingeleitet. Die Strafermittlungsbehörden kümmern sich seit vergangenen Donnerstag um den Fall.
Quelle: torrentfreak
Klaus Müller am Dienstag, 22.06.2010 18:09 Uhr
Tja, in Deutschland ist halt eine andere Mentalität. Lass hier mal zu oft "Fünfe gerade sein"... In Deutschland wird man von der Wiege auf darauf getrimmt nicht "Fünfe gerade sein" zu lassen. Genau das ist auch eins der großen Probleme in Deutschland... ...
Tja, in Deutschland ist halt eine andere Mentalität. Lass hier mal zu oft "Fünfe gerade sein"... ...
Vielleicht hätte eine bedenkliche Aufnahmequalität die anwesenden Gäste irritieren sollen. Wir reden hier noch immer von Indien, oder? Eine "bedenkliche" Qualität irritiert dort niemanden auch nur ansatzweise. Meine Erinnerungen lassen sich durch die 3 Haupteigenschaften wiedergeb ...
Die haben dort auch ein völlig anderes Verständnis von arm und reich. Ich auch. Ich kenne den Unterschied. Abgeordnete mögen ebenfalls Raubkopien Ich auch. Oder: Ich kann/darf leider nicht Anders. ...
Die haben dort auch ein völlig anderes Verständnis von arm und reich. Da gabs doch auch Probleme wegen des Films "Slumdog Millionaire"...über die Slums wird sich totgeschwiegen in der Oberschicht, das machen sogar diejenigen, die im Slum lebten und mit Glück etwas geworden sind. ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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