
Die EU-weite Einführung von Netzsperren zur Bekämpfung der Verbreitung von dokumentiertem Kindesmissbrauch ("Kinderpornographie") im Internet ist schon seit einer ganzen Weile im Gespräch. Insbesondere EU-Justizkommissarin Cecilia Malmström gilt als entschiedene Befürworterin der Sperren, was ihr unter Aktivisten schon den wenig schmeichelhaften Namen "Censilia" einbrachte.
Befürworter sind der Ansicht, dass nur so ein wirksames Vorgehen gegen derartige Straftaten möglich ist. Dagegen befürchten die Gegner von Netzsperren eine Einschränkung der Informationsfreiheit, teilweise ist sogar von der Gefahr einer Zensur die Rede.
Das Team der Whistleblowing-Website WikiLeaks, die sich die Förderung von Transparenz und Informationsfreiheit auf die Fahnen geschrieben hat, gelten seit Langem als entschiedene Gegner von Netzsperren (gulli:News berichtete). Diese Position bekräftigte Assange nun noch einmal. Anlässlich einer Anhörung der liberalen Fraktion im EU-Parlament (ALDE) in Brüssel sprach er sich nachdrücklich gegen die Einführung einer Netzsperren-Infrastruktur in der Europäischen Union aus. Er betonte, mit dem Vorstoß für eine Richtlinie, die alle EU-Staaten zur Einrichtung von Netzsperren gegen Kinderporno-Websites verpflichten würde, liefe Europa in Gefahr, ein unkontrollierbares geheimes Zensursystem einzurichten.
Julian Assange
Assange bezeichnete es als prinzipielles Problem, dass die Sperrlisten von einer staatlichen Behörde zusammengestellt werden. So könne niemand kontrollieren, was genau auf den Listen lande; eine gesellschaftliche Kontrolle sei unmöglich. "Das führt automatisch zur Ausweitung der Listen und zu Korruption, sogar in einer gefestigten Demokratie wie Australien. Die Sperrlisten würden in ganz Europa ein Echtzeit-Zensursystem einführen," zeigte sich der gebürtige Australier überzeugt.
Für Assange war es der erste öffentliche Auftritt, seit er von den US-Behörden wegen der Aktivitäten des angeblichen Whistleblowers Bradley Manning gesucht wird. Dieser soll angeblich für den Leak des "Collateral Murder"-Videos verantwortlich sein. Darüber hinaus soll er WikiLeaks noch zahlreiche weitere geheime Materialien - darunter rund 260.000 diplomatische Telegramme, die angeblich unethische oder gar kriminelle Geheimabsprachen der US-Diplomaten belegen - zugespielt haben. WikiLeaks bestritt, diese Dokumente zu besitzen. Trotzdem wollten die Behörden Assange befragen. Dieser tauchte daraufhin aus Sorge um seine Sicherheit unter (gulli:News berichtete).
Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch über andere Themen im Bereich der Informationsfreiheit, unter anderem die kürzlich verabschiedete Icelandic Modern Media Initative sowie die Vorratsdatenspeicherung, gesprochen.
Update:
Mittlerweile ist die ganze Veranstaltung, darunter Mr. Assanges Beitrag, als Video im Internet verfügbar und kann hier angeschaut werden.
Quelle: futurezone
Bild: futurezone
Annika Kremer am Donnerstag, 24.06.2010 14:20 Uhr
So Leute, sorry für den Doppelpost, aber ich habe neue Infos: Diejenigen, die nach dem Video gefragt haben, werden beim neuesten Update fündig. Wenn Julian Assange bei diesem Panel müde war, dann will ich ihn unbedingt erleben, wenn er mal ausgeschlafen ist ...
So Leute, sorry für den Doppelpost, aber ich habe neue Infos: Diejenigen, die nach dem Video gefragt haben, werden beim neuesten Update fündig. ...
Danke, Fehler korrigiert. ...
Für Assange war es der erste öffentliche Auftritt, seit er von den US-Behörden wegen der Aktivitäten des angeblichen Whistleblowers Bradley Manning gesucht wird. Ansonsten: Super Leistung von Assange - weiter so! ...
NAIN, wirklich?Da wären wir ja alle NIE drauf gekommen. Dummerweise wird allerdings seine Aussage auch nichts ändern. und jeder, der die listen checkt, oder gar in anderen foren verlinkt, um authentische informationen zu präsentieren, ist dann ein möglicher sexualstraf ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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