
Einer der Wahlwerbeslogans der Piratenpartei (PIRATEN) ist „'1984' war nicht als Anleitung gedacht“; der bekannte Roman von George Orwell hat eine nicht allzuferne Zukunft zum Thema, die wir heute, was die technischen Möglichkeiten der Überwachung anlangt, schon lange hinter uns gelassen haben. Was für George Orwell 1946/47 eine negative Utopie war, ist für uns heute, sechzig Jahre nach der Entstehung des Romans, „normaler“ Alltag. Aber auch abseits von Dystopien wie „Blade Runner“ und anderen düsteren endzeitlich anmutenden Szenarien machen sich Menschen immer wieder Gedanken über die Gegenwart in der Zukunft.
„Jedermann wird sein eigenes Taschentelefon haben, durch welches er sich, mit wem er will, wird verbinden können. Die Bürger der drahtlosen Zeit werden überall mit ihrem Empfänger herumgehen, der irgendwo, im Hut oder anderswo, angebracht sein wird …“ „phantasierte“ Robert Sloss vor hundert Jahren („Das drahtlose Jahrhundert“, aus: „Die Welt in 100 Jahren“, Berlin 1910). Nun sind heute richtige Kopfbedeckungen für Frauen und Männer mit Ausnahme von Mützen oder Sportkappen eher selten geworden, stattdessen wird eifrig darüber nachgedacht und auch schon daran gearbeitet, das „Taschentelefon“ zum „Kopftelefon“ umzugestalten, dem vernetzten Menschen Sender und Empfänger gleich in seinen Schädel zu implantieren.
Auch die Gegenwart des Printjournalismus oder überhaupt der gedruckten Information in der Zukunft ist aktuell ein Dauerthema: Ist das „iPad“ die Zukunft des Lesens, wird es gedruckte Zeitungen, Zeitschriften und gar die Bücher ablösen und die Medienarten Text, Ton, Bild und Film auf einem Träger vereinen? Ist das iPad vielleicht sogar die Zukunft Internets und wird es, wie bisweilen schon in Feuilletons gemunkelt wurde, das „alte, unzivilisierte“ world wide web ablösen? Verändert das world wide web unsere Gesellschaft und unsere Organisation, beispielsweise durch e-Petitionen, „liquid democracy“ und dem „direkten Draht“ zu unseren politischen Repräsentanten – und, wenn ja, wie? Welche Veränderungen können kollaborative, horizontale Mechanismen, wie sie im und durch das Internet gefördert werden, soziales und ökonomisches Miteinander verändern?
Im neuesten Roman von Neil Stephenson, „Anathem“, gibt es auf einem Planeten „Arbre“ klosterähnliche Wissenschaftsgemeinschaften, die sich je nach Übereinkunft nur alle Jahre, nur jedes Jahrzehnt, jedes Jahrhundert oder gar jedes Jahrtausend der Welt öffnen und Informationen nach außen geben und von außen aufnehmen; in den Jahren dazwischen haben sie keinen Kontakt zu ihrer Umwelt. Die Ausstellung „Die Welt in 100 Jahren“ im Ars Electronica Center in Linz ist eine solche Öffnung, eine „Apert“, in der wir einen Blick auf die Zukunft der Menschen im Jahr 1910 werfen – eine Zukunft, die unsere Gegenwart ist. Welche Vorstellungen heute vom Leben im Jahr 2110 entwickelt werden, wird gleichfalls uns zur Prüfung vorgelegt und so ein Zeitraum von zweihundert Jahren Zukunft umspannt. So ist es auch, wie in der Ankündigung zu lesen ist, „eine Hommage an die Kreativität, den Mut und den Einfallsreichtum jener Menschen, die sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit, ihrem Können und Wissen für eine Vision der Zukunft eingesetzt haben oder einsetzen“.
Der Schwerpunkt liegt in Zeugnissen des französischen Schriftstellers, Zeichners und Karikaturisten Albert Robida (1848–1926) und des belgischen Visionärs Paul Otlet (1868–1944), Themen sind die Vernetzung der Menschen untereinander und mit Maschinen, Bevölkerungsexplosion und damit verbundene Nahrungsmittelprobleme, Architektur- und Verkehrskonzepte, aber auch die Universalbibliothek und eine erste „analoge“ Suchmaschine, „lange vor Google, Wikipedia und Amazon“. Nicht Phantasien oder Phantasmagorien, sondern technische wie soziale Utopien, die in je eigener Art und Weise in hundert Jahren von der Möglichkeit zu – greifbaren – Wirklichkeit wurden.
Die so genannten „Next Ideas“ des Prix Ars Electronica: künstlerische, soziale, technologische oder wissenschaftliche Innovationen, „ungewöhnlichen Ideen für unsere Zukunft“ bilden den dritten Schwerpunkt der Ausstellungen. Konzepte für eine – bessere – Zukunft der Menschen, die durch ein Kunst- und Technologiestipendium, dem voestalpine Art and Technology Grant gefördert werden.
Zwischen dem 16. Juni und 19. September 2010, also auch noch während des berühmten Ars Electronica Festivals vom 2.-11. September, lohnt sich also (nicht nur deshalb) ein Besuch in der niederoberösterreichischen Landeshauptstadt. Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Freitag:09:00 – 17:00 Uhr; Donnerstag: 09:00 – 21:00 Uhr; Samstag, Sonntag, Feiertag: 10:00 – 18:00 Uhr
Montag geschlossen - außer an Feiertagen. Während der Umbauarbeiten für das Festival ist das Center vom 23.8. bis 1.9.2010 geschlossen. Eintritt 7,- €, ermäßigt 4,- €. Ö1-Club-Ermäßigung.
Quelle: Ars Electronica; Bilder: Ars Electronica (cc-by-nd, für Presseverwendung cc-by)
Joachim Losehand am Donnerstag, 17.06.2010 18:46 Uhr
..."niederösterreichischen Landeshauptstadt." Linz ist die Oberösterreichische Landeshauptstadt ;-) ( http://de.wikipedia.org/wiki/Linz ) :confused: OMG natürlich, urpeinlich. Danke. (Ich war erst 2x in meinem Leben da, was wohl ebensoschlimm ist.) ...
..."niederösterreichischen Landeshauptstadt." Linz ist die Oberösterreichische Landeshauptstadt ;-) ( http://de.wikipedia.org/wiki/Linz ) ...
Ein Bild fehlt noch in der Bilderreihe eures Artikels... http://www3.pic-upload.de/17.06.10/sg5lcuibfzhq.jpg ...
Gegenwart ist die Zukunft der Vergangenheit.- Im Zentrum der Ausstellung stehen „Zukunftsentwürfe, die vor rund 100 Jahren für unser Jetzt erdacht wurden und Visionen, die momentan für die nächsten 100 Jahre entwickelt werden“ [url=http://www.gulli.com/news/-die-welt-in-100-jahren-im-ars-el ...
Lars Sobiraj am 10.05.2012, 13:17 Uhr
Zoe.Leela ist Sängerin und eine engagierte Kritikerin der GEMA, die sich aus ihrer Position als Kreative heraus in der Urheberrechtsdebatte zu Wort meldet. In ihren "vier Thesen" behandelt sie unter anderem die mangelnde Transparenz, den undemokratischen Aufbau und die ungerechte Verteilung der Einnahmen der GEMA. Künstler, kleine Labels und Käufer seien die Verlierer, kritisiert sie.
Lars Sobiraj am 10.05.2012, 17:25 Uhr
Der Anbieter "TIME for kids" bezeichnet sich selbst als "langjähriger Vorreiter im Kinder- und Jugendschutz in Deutschland". Die Software des Unternehmens blockiert derzeit an diversen Schulen von Nordrhein-Westfalen den Zugang zum Wahlprogramm der Piraten. Die Webseite wurde von der automatischen Filtersoftware als möglicher Marktplatz illegaler Drogen ausgemacht und gesperrt.
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