
Das geplante ORF-Gesetz hat konkrete Auswirkungen auf den Qualitätsjournalismus und die Informationsvielfalt im deutschsprachigen Internet: „Futurezone“ wird es dann nicht mehr geben. Aber auch alle anderen Angebote, die nicht „sendungsbegleitend“ sind, werden abgeschaltet – und das, was noch übrig ist, wird auch nach sieben (7) Tagen vom Netz genommen.
Wie schon in Deutschland setzen auch die Presseverleger in Österreich damit ihre eigene Interpretation über das Wesen und die Aufgabe des Internets durch – und bestimmen so letztlich, wer Informationen im Netz anbieten darf: „commercial first“ ist ihre, grundsätzlich natürlich verständliche Haltung. Allerdings ist das Internet nicht als content-Plattform für unternehmerische Initiativen entwickelt worden, als Erlösmodell für Presseverleger, sondern als zunächst wissenschaftlicher Kommunikationsraum, der durch die Öffnung zum gesellschaftlichen, zum öffentlichen Raum wurde.
Die Beschränkung öffentlich-rechtlicher Angebote im Internet auf „das Wesentliche“ im Sinne von sendungsbegleitenden Informationen, die zudem nach einer Woche mitsamt der Diskussion aus dem Kommunikationsraum Internet verschwinden muss, ist schon heute anachronistisch und falsch. Für die Zukunft der öffentlichen Grundversorgung mit regionalen, (inter-)nationalen und fachspezifischen Informationen wird diese Entscheidung jedoch gravierende Folgen haben: Die enge Definition von „Rundfunk“ auf die Sendungsarten Fernsehen und Hörfunk wird sicherlich in Zukunft im Internet integriert sein. Schon heute können wir Radioprogramme aus aller Welt sowie „Bewegtbilder“ aller Art im world wide web senden und empfangen. Mit dem Ausbau der Breitbandverbindungen und nicht-drahtgestütztem Internet („Freifunk“ bzw. mobiles Internet) werden in nicht allzu ferner Zeit Radio und Fernsehen im Internet aufgehen und bisherige Übertragungsarten obsolet machen.
Das „Aus“ für „Futurezone“ ist damit exemplarisch für das „Aus“ des öffentlich-rechtlichen Angebots im Internet. Es ist natürlich zu früh, heute über die zukünftigen Weichenstellungen des ORF und anderer öffentlichen Sender zu sprechen. Trotzdem sollten sich alle Beteiligten und Verantwortlichen darüber im Klaren sein, dass die Zukunft der Informationsversorgung im Internet liegt. Alle anderen Medien, ob gedruckt oder gesendet, werden nur mehr flankierende Instrumente sein. Darum werden die mit einem gesellschaftlichen Auftrag versehenen öffentlichen Medienanstalten sich zur Erfüllung ihres Auftrages auch im Internet weiterentwickeln müssen, wollen sie sich nicht Stück für Stück selbst isolieren und dann auflösen.
Die „Haushaltsabgabe“ in Deutschland ist ein richtiger Schritt zu Integration und Weiterentwicklung des Internetangebots, denn ein von allen Bürgern über eine „Quasi-Steuer“ finanziertes Angebot ist ja keinesfalls kostenlos, auch wenn der einzelne Zugriff gratis ist. Mit der Haushalt-bezogenen Gebühr erwerben die Deutschen auch einen Anspruch auf eine mediale Grundversorgung im Internet, die in ihrer Präsentation technisch dem Internet entspricht.
Der Österreichische Rundfunk mit seinem Flaggschiff „Ö1“ (Disclaimer: Der Autor ist seit rund zwei Jahrzehnten Mitglied im Ö1-Club) hat im deutschsprachigen Raum nicht zuletzt auf seiner konsequent hohen Qualität einen hervorragenden Ruf und erfüllt seine Aufgabe beispielhaft (Ausnahmen im Angebot bestätigen die Regel). „Futurezone“ steht in dieser Tradition eines Qualitätsjournalismus, der über die Phrase hinaus diese Bezeichnung verdient.
Auch wenn heute im Nationalrat das neue ORF-Gesetz verabschiedet werden wird hat und Futurezone vielleicht als Genossenschaft weitergeführt wird: Der Österreichische Rundfunk muss sich trotz der ihm auferlegten Beschränkungen weiterentwickeln und die gesellschaftliche Diskussion über die Zukunft der von der Öffentlichkeit getragenen Medienanstalten muss weitergeführt werden.
Die 70. Sitzung des Nationalrats kann konnte hier ab 9 Uhr als Live-Stream verfolgt werden.
Update: @jgodany: "ORF-Gesetz wurde mit Stimmen von ÖVP, SPÖ und FPÖ angenommen."
Quellen: Die Presse, Der Standard (1), Der Standard (2), Die Zeit Online
Bild: denis.todorut cc-by 2.0
Joachim Losehand am Donnerstag, 17.06.2010 08:31 Uhr
...und was kommt raus? Soap-Scheisse und vorgekaute Gedankenwelten... Yep, das is wahr. Diese Medienhysterie in der heutigen Zeit ist einfach nur zum Kotzen. Wenn ich mich aus seriösen Quellen informieren will, kaufe ich eine gute Zeitung, zB. FAZ, Abendblatt, SZ, S ...
Es leben die Blogger, Menschen und Individuen, die sich der allg. Volksverdummung entziehen wollen. :beer: Spätestens jetzt wird's lächerlich. Mit solch erbärmlichen Individuen kann man eigentlich nur Mitleid haben. Fühlen sich toll, weil sich denken, sich alt ...
Auch wenn ich den Verlust von futurezone genauso traurig finde. Das Netz lebt von atomisierten Quellen. Verlage, kommerzielle (schrottige & verdummende) Medienindustrie und ÖRs verlieren ihre Macht. 7 Milliarden (!!!) in D. alleine für die GEZ und was kommt raus? Soap-Scheisse und vorgekaute Gedan ...
Schön, dass man was für seine Gebühren geboten bekommt. Weiter so :T ...
Wenn die Redakteure einfach privat weitermachen würden? Das gäbe einige Besucher, da die Futurezone oft zitiert und verlinkt wird. Paar Euro wird das schon abwerfen. Es finden sich bestimmt Wege und Möglichkeiten. Im Internet ist niemand mehr von großen Sendeanstalten abhängig um Inhalte zu ver ...
Lars Sobiraj am 10.05.2012, 13:17 Uhr
Zoe.Leela ist Sängerin und eine engagierte Kritikerin der GEMA, die sich aus ihrer Position als Kreative heraus in der Urheberrechtsdebatte zu Wort meldet. In ihren "vier Thesen" behandelt sie unter anderem die mangelnde Transparenz, den undemokratischen Aufbau und die ungerechte Verteilung der Einnahmen der GEMA. Künstler, kleine Labels und Käufer seien die Verlierer, kritisiert sie.
Lars Sobiraj am 10.05.2012, 17:25 Uhr
Der Anbieter "TIME for kids" bezeichnet sich selbst als "langjähriger Vorreiter im Kinder- und Jugendschutz in Deutschland". Die Software des Unternehmens blockiert derzeit an diversen Schulen von Nordrhein-Westfalen den Zugang zum Wahlprogramm der Piraten. Die Webseite wurde von der automatischen Filtersoftware als möglicher Marktplatz illegaler Drogen ausgemacht und gesperrt.
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