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DRM? - „Ich liebe es!“

In einem leicht skurrilen Interview mit dem Branchenmagazin „Buchreport“ bricht der frühere Phonoverband-Vorsitzende Michael Haentjes des Labels „Edel“ eine Lanze für DRM bei E-Books.

Die Buchverlage [sind] gut beraten, die Fehler der Musikindustrie nicht zu wiederholen und ihre Geschäftsmodelle rechtzeitig auf den digitalen Fortschritt einzustellen,“ gab Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gestern in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften der Branche mit auf den Weg. Dass die Musikindustrie nach wie vor nicht zur Gänze in der Wirklichkeit ihrer Kunden angekommen ist, macht ein Gespräch deutlich, das „Buchreport“ mit dem Chef des Musiklabels „Edel“, Michael Haentjes, geführt hat.

Darin preist Haentjes die Vorzüge eines Kopierschutzes für den Vertrieb und die Rechteinhaber: geschlossene Systeme wie bei Apple bieten sowohl Produzenten wie dem Anbieter selbst große Vorteile, denn es sei „absolut notwendig, dass digitale Ware, egal ob Musikdateien oder Bücher, kontrollierbar bleiben und nicht einfach frei im Markt herumwandern können.“ Darum ist der frühere Vorsitzende des Deutschen Phonoverbands auch gegen die fortschrittliche Technik des „digital watermarking“, gegen Digitale Wasserzeichen: „Das digitale Wasserzeichen nützt mir als Rechteinhaber gar nichts im Hinblick auf die Vergütung. Ich kann mit seiner Hilfe zwar erkennen, dass eine Datei von mir stammt, aber davon habe ich nichts, wenn die Datei kostenlos im Netz kursiert.

Herr Haentjes könnte, wenn er sich informiert hätte, nicht nur erkennen, dass eine Datei von „ihm“ stammt, sondern auch, an wen „er“ diese Datei zur Nutzung lizenziert hat. Denn ohne Beeinträchtigung von Qualität und Benutzung werden Informationen in Bildern, Videos oder Musikdateien hinterlegt, die individuell Auskunft über die Herkunft geben. Damit ist natürlich nichts darüber ausgesagt, dass der Nutzungsrechteinhaber auch der Verbreiter ist, dass eine Abmahnung also in jedem Fall erfolgreich sein wird. Jedoch bieten Digitale Wasserzeichen eine psychologische Hemmschwelle ohne Einschränkung und Gängelung des Nutzers, urheberrechtlich geschütztes Material im Internet zu verbreiten.

Auch auf mehrfache Nachfrage hin ist Michael Haentjes überzeugt, dass die Vorteile von DRM für Rechteinhaber nicht als Nachteile von den Nutzern wahrgenommen werden: Ein „Kopierschutz für digitale Musikdateien [...] wird [...] in Internetstores sehr erfolgreich eingesetzt“, „der erfolgreichste Internetstore iTunes beweist doch [...] da arbeitet Apple mit Kopierschutz und es ist für die Kunden gar nicht kompliziert, dort Musikdateien oder E-Books herunterzuladen. Daran sieht man, dass es beim Kopierschutz entscheidend darauf ankommt, dass man über eine geeignete Technik verfügt“.

Zum Nachteil, dass sich kopiergeschützte Dateien nicht auf beliebige Geräte übertragen lassen, sagt Haentjes, das sei „aus Sicht von Apple nicht kritisierenswert, denn es hält den Kunden im eigenen System. Auch aus Sicht der Rechteinhaber ist das zu begrüßen. Zugegeben:?Aus Sicht der Kunden könnte das ein Nachteil sein, aber der Erfolg von iTunes legt nicht gerade den Schluss nahe, dass das für die Mehrzahl der Käufer eine große Rolle spielt.

Das Gespräch fand im Rahmen der Buchtage 2010 in Berlin statt, nicht etwa im Jahr 2005. Darum ist es mehr als verwunderlich, wenn Haentjes, der nun auch ins Buchgeschäft eingestiegen ist, völlig ignoriert, dass Apple, noch nie ein Befürworter von DRM, inzwischen sein Angebot ohne DRM-Schutz vertreibt. „Dass gewisse Tracks ohne DRM in den Markt gegeben werden“, ist also keineswegs „eine 'Marketing-Maßnahme' , wie Haentjes noch 2007 prognostizierte. Im Gegenteil, immer mehr Plattformen haben erkannt, dass „kostenpflichtige Musik-Download-Services [...] erst dann erfolgreich sein [werden], wenn sie mindestens genauso komfortabel und attraktiv sind wie vergleichbare illegale Angebote“, so der Hamburger Anbieter finetunes 2009 auf Spiegel Online.

Einer der Gründe für den blühenden kostenlosen Schwarzmarkt im Internet ist das Versagen der Anbieter, den Kunden und Nutzern die Angebote zu unterbreiten, die sie sich wünschen. Wenn Buchverlage mit einem kopiergeschützten e-Book-Angebot im Internet reüssieren zu können glauben, wiederholen sie die Fehler der Musikindustrie und bereiten illegalem Filesharing den Boden und stärken praktisch die Privatkopie. Schließlich konnte und kann jeder Nutzer legal und ohne technischen Aufwand und Hilfe den DRM-Schutz von iTunes einfach umgehen, denn im Grunde kennt jeder jemanden, der weiss, wie's geht.

Überhaupt: Warum sollte man für teueres Geld ein e-Book erwerben, das man nur ansehen, mit dem man aber nicht arbeiten, es nicht nach eigenem Ermessen nutzen kann? „Interoperabilität“ ist eines der wichtigen Stichworte und Vorteile der digitalen Mediennutzung. Die Vorstellung, e-Books nur auf ein paar wenigen Geräten oder gar nur auf einem bestimmten Gerät zur Nutzung freizugeben, keine Ausdrucke und keine Übernahme von Passagen per Copy'n Paste zu erlauben, geht völlig an der Wirklichkeit der Nutzer vorbei. Starker Kopierschutz schützt das Werk nicht nur vor illegalem Kopieren, sondern auch vor legalem Kaufen. Die Foren und die Kommentare zu den Berichten über DRM sind voll mit wütenden, aber auch höhnischen wie resignierten Reaktionen der Konsumenten auf negative Erfahrungen mit technischem Kopierschutz. Legal erworbene Musik oder Videos bereiten den Nutzern mehr Schwierigkeiten als illegal angeeignete Dateien.

Mit dem Auftakt zum Dritten Korb des Urheberrechts wurde die Selbstbestimmung des Urhebers in den Vordergrund gerückt. Was aber ist mit der Selbstbestimmung des Nutzers? Es ist strafbar, einen technischen Kopierschutz zu umgehen oder dazu anzuleiten. Für viele Nutzer ist es ein stiller Protest gegen die Ignoranz und Arroganz der Rechteinhaber, sich um Recht und Gesetz nicht zu kümmern, zumal es wie in diesem Fall für den nicht Filesharing betreibenden Privatmann völlig zahnlos und irrelevant ist - „das entschuldigt nichts, aber das erklärt vielleicht doch manches“, wie Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gestern sagte. Ein legaler und sicherlich wirkungsvollerer Protest wäre, DRM-geschützte Angebote einfach nicht nachzufragen und stattdessen jene Plattformen zu unterstützen, die Medien ohne Kopierschutz anbieten. Denn: „DRM lieb' ich nicht, kann's auch nicht gebrauchen“.

Quelle und Text des Interviews: Buchreport.de

Graphik: irights.info cc-by-nd 2.0

Joachim Losehand am Dienstag, 15.06.2010 15:10 Uhr

tagsTags: drm-frei drm

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59 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • vga am 18.06.2010 13:13:30

    Bittschön: danke dir! ...

  • Killigan am 18.06.2010 12:49:53

    Bittschön: http://board.gulli.com/thread/1568074-drm-ich-liebe-es/2/#post12992072 Im Übrigen legst du ja auch nicht deine Identität frei. Bist du also auch ein unverschämter Lügner? ...

  • notnecessary am 18.06.2010 11:44:53

    dann liest dir bitte meine posts durch, wo ich begründe warum ich den link hier nicht posten werde. Welchen Post meinst du? Ich sehe kein einziges gutes Argument... Ich verdächtige dich jetzt einmal als Lügner, der sich selbst als gutes Beispiel darstellen will, obwoh ...

  • vga am 18.06.2010 11:40:23

    Ich hätte gerne kostenlos deine Gedichte, deine Musik und deine Bilder. Link? dann liest dir bitte meine posts durch, wo ich begründe warum ich den link hier nicht posten werde. ...

  • notnecessary am 18.06.2010 11:37:24

    Wozu brauchst du ein Beispiel was ich an Content produziere? Aber bitte, ich habe bisher Gedichte geschrieben, Musik produziert, Bilder gemalt, animationen erstellt und Software programmiert. Ich hätte gerne kostenlos deine Gedichte, deine Musik und deine Bilder. Link? ...

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