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Gewalt gegen Polizisten: Splittersprengsatz gezündet

Auf der gestrigen Demonstration vor dem Roten Rathaus in Berlin explodierte ein Sprengsatz. Mehrere Polizisten mussten im nächsten Krankenhaus ambulant oder sogar stationär behandelt werden.

Der SpOn berichtet, bis zu 20 000 Menschen sollen sich gestern auf einer Demonstration gegen das Sparpaket der Bundesregierung auf den Straßen Berlins befunden haben. Während der Demo wurden die Einsatzkräfte von Autonomen mit Feuerwerkskörpern, Flaschen und Steinen beworfen. Das unten stehende Video zeigt sehr eindrucksvoll, welche Sprengkraft dabei zum Einsatz kam, um die Beamten zu verletzen. Fünf Personen wurden verletzt, die in einem nahegelegenen Krankenhaus notoperiert werden mussten. Mit einem harmlosen Silvesterkracher hatte das Szenario nichts gemeinsam.

Den Polizisten war unter anderem im Tagesspiegel vorgeworfen worden, dass sie Teilnehmer anlasslos aus der Menge der Demonstranten rausgegriffen hätten, um diese zu verhaften. Die Organisatoren warfen den Einsatzkräften zudem ein unverhältnismäßig hartes Vorgehen vor. Das Mitführen scharfer Hunde mit Maulkorb, der "Diebstahl" von politisch motivierten Fahnen und diverse Festnahmen, die alles andere als friedlich abgelaufen sind, dürften nur die Spitze des Eisberges darstellen. Schaut man sich die Bilder im freien Politikforum an, so ist die Stimmung sehr stark von Aggressivität bestimmt. Im Forum wird die Eskalation verurteilt. Die Schuld gibt man aber den Polizisten. Es wäre dazu nicht gekommen, „wenn die Bullerei sich nicht mit aller Gewalt in die Demo gequetscht hätte“. Diverse Einsatzkräfte hatten zuvor versucht, einen Block von antikapitalistischen Demonstranten von der restlichen Menge abzutrennen.

Für die Bloggerin annalist könnte dies auch ein vorgetäuschter Angriff gewesen sein, das Bild würde gut in die Strategie der Spannung passen. Wo es keine gewalttätigen Linksextreme gebe, würden welche gemacht. Linke hätten bei Auseinandersetzungen bisher im Extremfall Steine geworfen. „Molotow-Cocktails auf Personen zu werfen, scheidet meines Wissens schon deutlich aus. Vielleicht täusche ich mich auch oder habe auf meine älteren Tage den Bezug vollständig verloren, aber eigentlich kann ich mir schlecht vorstellen, dass sich an dieser Grundlinie viel geändert hätte. Grob lässt sich das so beschreiben: Gewalt gegen Sachen ist ok, Gewalt gegen Menschen nicht, es sei denn zur Selbstverteidigung. (...) Und jetzt sollen Linke in einer Demo durch eine 'Explosion', 'explodierende Wurfkörper' oder einen 'Splittersprengsatz' PolizistInnen verletzt haben? Es fällt mir schwer, mir das vorzustellen. Es passt allerdings hervorragend ins Bild der gemeingefährlichen Linksextremisten.

Der Verfassungschutz sei schon häufiger damit aufgefallen, die Taten der Autonomen überspitzt darzustellen. Die taz spricht sogar von 13 Polizisten, die nach dem Anschlag ambulant behandelt werden mussten. Nach zahlreichen Provokationen sollen sogar Gewerkschaftsvertreter „Haut ab!“ gerufen haben. Zu demonstrieren sei ein demokratisches Grundrecht und das müsse man auch durchsetzen, sagte der Vertreter der IG BAU. Offiziell ist von den Gewerkschaften aber nicht zur Teilnahme aufgerufen worden. Wer dabei war, kam rein privat.

Ohne Beweise ist schwerlich nachvollziehbar, ob gestern nachgeholfen wurde. Gelder gegen Linksextreme kann man aber nur dann mit Zustimmung der Bevölkerung einsetzen, wenn sie sich auch extrem genug verhalten. Wenn wie in diesem Fall so viele Menschen so schwerwiegend verletzt werden, so können Politiker daran diverse Forderungen nach härteren Maßnahmen und nach einem höheren Budget knüpfen. Der bundesdeutsche Gefühlstaumel in der Zeit der Fußball-WM würde sich dafür geradezu anbieten. Wenn sich der deutsche Michel mit den im Fernsehen dargebotenen Brot & Spielen beschäftigt, wird er sich kaum um derlei Belange kümmern wollen. Zumindest der Zeitpunkt zu Beginn der WM in Südafrika scheint ideal zu sein.

Fest steht: Gewalt in einem solchen Ausmaß ist niemals akzeptabel, egal, von wem sie ausgehen mag oder wodurch sie entstanden ist. Angeleinte Kampfhunde als Drohgebärde sollten die Beamten tunlichst zu Hause lassen. Auch das unfreiwillige "Einsammeln" der Beamten von roten Fahnen erscheint höchst deplatziert, solange diese von den Demonstranten nicht als Waffe eingesetzt werden.

Für sachdienliche Hinweise wären auch wir dankbar. annalist ruft alle Zeugen auf, ihre Beobachtungen so nüchtern und sachlich wie möglich bei ihr einzureichen. Wir würden diesen Aufruf gerne an dieser Stelle unterstützen. Wie sagt Anne so treffend: "Die Realität ist scheußlich genug und reicht damit für eine kritische Betrachtung der Welt völlig aus."

Bilder: Freies Politikforum für Demokraten und Anarchisten.

Sollte der neue Mitschnitt wie bereits geschehen erneut von YouTube gesperrt werden, hier ist ein Link auf das Videoportal metacafe.

Video: Explosion bei der Demo am 12. Juni 2010.

Update:
Einige Dinge erscheinen bei genauerer Betrachtung merkwürdig. In keinem der verfügbaren Videos ist zu sehen, dass ein Gegenstand auf die Polizisten geworfen wurde. Dennoch kommt es plötzlich zur Detonation. Die in unmittelbarer Nähe stehenden Autos weisen keine Schäden auf. Im Fall einer Splitterbombe wären die Scheiben zerstört worden. Auch hätten die Splitter alle in der Nähe befindlichen Demonstranten verletzt. Egal was es war, die Wirkung eines solchen Sprengsatzes ist in jedem Fall kontraproduktiv.

Blogger Fefe schrieb: "Was zur Hölle ging denn bitte in den Leuten vor, die diese Bombe geworfen haben? Im Fernsehen haben sie dazu ein Youtube-video gezeigt. Wenn das einen Meter weiter links hochgegangen wäre, dann hätten wir jetzt zivile Todesopfer. Die Polizisten hatten eine fette Rüstung an und sind trotzdem lebensgefährlich verletzt. Krasse Kacke, wer macht denn bitte sowas? Das ist doch klar, dass ab jetzt auf Demos NOCH mehr Oppression stattfinden wird! Das war ja wohl ein Bärendienst. Und der Sprengsatz war gefährlich genug, dass ich auch nicht an eine False Flag Operation denken will. Meine Güte, da hab ich ja gleich gar keine Lust mehr, überhaupt noch mal auf eine Demo zu gehen, wenn man da so um sein Leben fürchten muß."

Lars Sobiraj am Sonntag, 13.06.2010 20:27 Uhr

tagsTags: polizeigewalt

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260 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • joemalik am 19.06.2010 10:15:12

    Dann bist Du im wesentlichen traurig, daß die falschen Leute die Schäfer sind. Nee, ich bin "traurig" dass die Schafsherde nicht aufwachen und zu Menschen mit eigenem Kopf werden will. Dann bräuchten sie auch keinen Schäfer. ...

  • Hasron am 18.06.2010 21:47:30

    Schonmal den Arbeitsmarkt im Auge gehabt? Der schönste Vergleich ist glaube ich Hartz4, ein Sozialgesetz, ausgearbeitet von einem verurteilten Kriminellen der die Rechte der Siemens-Arbeitnehmer einschränkte. Aha. Hast du dir mal angeschaut wie Hatz4 entst ...

  • Mordechai am 18.06.2010 21:08:54

    Nein, was ich sagen wollte ist das die deutsche Bevölkerung eine Herde Schafe ist und dort hingeht wo der Schäfer es will. Wenn nötig mithilfe des Schäferhundes (ja, das soll die Polizei sein). Dann bist Du im wesentlichen traurig, daß die falschen Leute die S ...

  • joemalik am 18.06.2010 18:27:06

    ich bin sicher, dass das ganze hätte auch viel blutiger ablaufen können, wenn man damals nicht soviel politischen druck gemacht hätte. diesen druck gibt es heute nicht mehr. Ja, besonders wenn nicht Gorbi sondern wer anders in der Sowjetunion Staatschef wäre. Dann hà ...

  • vga am 18.06.2010 15:03:51

    und zum thema widerstand und co, guck dir mal ost berlin vor 20 jahren an. sicherlich kamen dort viele faktoren zusammen aber unterm strich kann man sagen dass es eine friedliche revolution war. naja, viel wahl hatte die ddr auch nicht. sie war pleite und der politi ...

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