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Wird Assange vom Pentagon gejagt?

Die Behauptung, US-Army-Whistleblower Bradley Manning habe auch geheime diplomatische Nachrichten abgefangen und weitergegeben, sorgt weiter für Unruhe bei der US-Regierung. Angeblich wird nun WikiLeaks-Gründer Julian Assange vom Pentagon verfolgt.

Bradley Manning soll angeblich für den Leak eines spektakulären Videos über den Tod mehrerer Zivilisten im Irak durch Beschuss eines Apache-Helikopters - veröffentlicht unter dem Titel "Collateral Murder" - verantwortlich sein. Das gelangte an die Öffentlichkeit, als Manning sich im Internet Ex-Hacker Adrian Lamo anvertraute. Ihm erzählte der Army-Analyst, er habe nicht nur das Video, sondern auch noch große Mengen weiterer Geheimdaten entwendet und an die Whistleblowing-Website WikiLeaks weitergeleitet. Lamo ging zu den Behörden und berichtete ihnen von Mannings Aussagen. Seitdem sitzt Manning in der Nähe von Kuwait in Haft (gulli:News berichtete).

Für besonderes Aufsehen sorgte Mannings Behauptung, unter anderem auch rund 260.000 geheime Telegramme der US-Botschaften geleakt zu haben. Diese Nachrichten sollen angeblich unethische, teilweise sogar rechtswidrige Geheimabsprachen in der Irak- und Afghanistan-Politik der USA dokumentieren. Auch Einzelheiten von Geheimdienst-Aktivitäten lassen sich angeblich aus den Dokumenten ableiten. Die US-Regierung zeigte sich sehr besorgt über diese Behauptungen Mannings und gab an, auf WikiLeaks einwirken zu wollen, um eine Veröffentlichung des Videos zu verhindern. WikiLeaks bestritt bisher, die entsprechenden Dokumente erhalten zu haben. Trotzdem zeigte man sich bei der Whistleblowing-Website besorgt und deutete an, Verfolgung durch die US-Behörden zu befürchten (gulli:News berichtete). 

Nun häufen sich die Medienberichte darüber, dass die US-Behörden WikiLeaks-Gründer Julian Assange verfolgen. Angeblich sollen sie derzeit versuchen, den Aufenthaltsort des Australiers festzustellen. Dieser allerdings hat jahrelange Übung darin, derartige Details über sein Leben geheimzuhalten. Er hat keinen festen Aufenthaltsort und soll über mehrere streng geheimgehaltene Unterschlüpfe verfügen.

Julian Assange

Julian Assange

Angeblich ist den Behörden selbst klar, dass sie, selbst wenn sie Assange in ihre Gewalt bekommen würden, womöglich machtlos gegen eine Veröffentlichung der Dokumente wären - vorausgesetzt, WikiLeaks hat diese Dokumente überhaupt. Davon allerdings scheinen die US-Behörden auszugehen. Angeblich sind Pentagon-Ermittler "überzeugt, dass Assange im Besitz wenigstens einiger [dieser Dokumente] ist". Sie halten anderslautende Aussagen offenbar für ein reines Ablenkungsmanöver. "Es sieht aus, als würden sie eine Art Sprachspiele spielen. Vielleicht haben sie keine 260.000 Telegramme, aber sie haben vermutlich genug Telegramme, um Ärger zu machen," so ein Behördensprecher.

Aufgrund dieser Befürchtungen wollen sie Behörden, so ein US-Offizieller, "wissen, wo er ist; wir hätten gerne seine Kooperation in dieser Sache." Ob und wie allerdings gezielt nach dem Australier gesucht wird, bleibt das Geheimnis der Beteiligten. Auch darüber, was genau man mit dem WikiLeaks-Gründer machen will, wenn man seiner wirklich habhaft wird, schweigt man sich aus. Von offizieller Seite hieß es lediglich, es gäbe "zahreiche rechtliche Möglichkeiten", falls sich Assange nach wie vor in den USA aufhalte.

Assange geht offenbar auf Nummer sicher. Eine für den gestrigen Freitag geplante Beteiligung an einer Podiumsdiskussion in Las Vegas sagte er aufgrund von nicht näher spezifizierten "Sicherheitsbedenken" ab. Angeblich sollen ihm seine Anwälte von einer Einreise in die USA abgeraten haben. Wo er sich jedoch sonst aufhält, darüber kann momentan nur spekuliert werden. Unterstützer der Whistleblowing-Website werden vermutlich hoffen, dass das so bleibt. 

Quelle: The Daily Beast

Bild: Julian Assange auf dem 26C3 (2009), Wikimedia Commons unter CC-BY 2.0 Generic

Annika Kremer (g+) am Samstag, 12.06.2010 19:32 Uhr

Tags: julian assange manning

 
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38 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Hasron am 14.06.2010 09:27:55

    Btw: Wann stellt man die USA eigentlich vor das UN-Kriegsverbrecher-Gericht? Niemals. Warum? Weil es die USA wahrscheinlich nicht sonderlich interessieren dürfte was dabei herauskommt. Wirtschaftlich gehts ihnen eh relativ schlecht außerhalb der Waffenindust ...

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