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US-Außenministerium besorgt wegen angeblicher Leaks

Die US-Behörden sind offenbar höchst besorgt über angebliche Aussagen des als Whistleblower inhaftierten Army-Analysten Bradley Manning. Dieser soll, so seine Kontaktperson Adrian Lamo, behauptet haben, zahlreiche Informationen über US-Außenpolitik zu besitzen.

Manning wird verdächtigt, das unter dem Titel "Collateral Murder" veröffentlichte Video über den Angriff eines Apache-Helikopters veröffentlicht zu haben. Zudem soll er zahlreiche weitere Geheimdokumente gesammelt und der Whistleblowing-Website WikiLeaks zugespielt haben. Er vertraute sich im Internet dem Ex-Hacker Adrian Lamo an. Dieser jedoch gab die Informationen über Mannings angebliche Aktivitäten an die US-Behörden weiter (gulli:News berichtete). Grund für die Entscheidung, zu den Behörden zu gehen, war nach Lamos eigenen Aussagen einerseits Sorge um die nationale Sicherheit, andererseits die Angst, im Falle eines Stillschweigens selbst strafrechtlich verfolgt zu werden (gulli:News berichtete). Manning sitzt seitdem in der Nähe von Kuwait im Gefängnis. 

Für Aufsehen sorgten auch Mannings Behauptungen, weitere Dokumente geleaked zu haben. Insbesondere die Angabe Mannings, rund 260.000 geheime Telegramme zur US-Außenpolitik abgefangen und weitergegeben zu haben, führte offenbar zu massiver Besorgnis bei den US-Behörden. Manning erklärte, die Telegramme belegten unethische, teils sogar kriminelle Geheimabsprachen zwischen den Staaten.

WikiLeaks bestritt bisher, entsprechende Daten erhalten zu haben. Dies hält jedoch offenbar die US-Autoritäten nicht davon ab, sich deswegen Gedanken zu machen. "Wenn er wirklich Zugang zu diesen Telegrammen hatte, haben wir eine schreckliche Situation," sagte ein US-Diplomat, "Wir versuchen noch immer, herauszufinden, worauf er Zugriff hatte. Viele meiner Kollegen sind wegen dieser Sache besorgt angesichts der Tatsache, was diese Telegramme enthalten könnten." Derselbe Diplomat deutete an, dass die Nachrichten US-amerikanische Diplomatie- und Geheimdienstaktivitäten im Zusammenhang mit dem Irak und Afghanistan zum Inhalt haben. Angeblich suchen Außenministerium und Ermittlungsbehörden momentan nach Wegen, an WikiLeaks heranzutreten, um die Seite von einer Veröffentlichung der Daten abzuhalten angesichts "des Schadens, den durch eine Veröffentlichung die diplomatischen Bemühungen der USA und ihrer Alliierten erleiden könnten."

Bradley Manning

Bradley Manning

Philip J. Crowley, Sprecher des US-Außenministeriums, sagte am vergangenen Montag, dass momentan eine vom Pentagon geleitete Untersuchung läuft. Diese soll feststellen, welche Nachrichten Manning von den Army-Rechnern gestohlen haben könnte. "Dies sind geheime Dokumente. Wir nehmen ihre Veröffentlichung ernst," erklärte Crowley. Er fürchtet eine Gefährdung der nationalen Sicherheit, da womöglich "Quellen und Methoden" der US-Geheimdienste offengelegt werden könnten. Zudem fürchten Diplomaten, dass ausländische Machthaber negativ darauf reagieren könnten, wenn die geheime Kommunikation über sie - unter anderem über ihre Persönlichkeit, Intelligenz und Ehrlichkeit - veröffentlicht wird. Ein Diplomatie-Experte der Tufts University sagte, das Außenministerium solle "sehr nervös" sein angesichts einer möglichen Veröffentlichung dieser Kommunikation. 

Nach Angaben des Außenministeriums könnte es sogar sein, dass WikiLeaks die Nachrichten tatsächlich nicht hat, sie aber von Manning heruntergeladen und irgendwo versteckt wurden. Dementsprechend werden momentan Mannings Datenträger und E-Mail-Konten durchsucht.

Der Fall um Mannings Verhaftung wird offenbar immer unübersichtlicher und verwirrender. Ist der 22-Jährige wirklich der Whistleblower hinter dem "Collateral Murder"-Video? Hatte er Zugang zu den genannten Nachrichten, und wenn ja, was ist damit passiert? Wer der Beteiligten sagt die Wahrheit? Welche Dokumente hat WikiLeaks erhalten? Über all diese Fragen kann momentan nur gemutmaßt werden. WikiLeaks jedenfalls nimmt die offensichtliche Besorgnis der US-Behörden offenbar nicht auf die leichte Schulter. Auf Twitter schrieb ein Mitarbeiter, man befürchte, "mit allem angegriffen zu werden, das die USA haben." Mannings Taten werden also offenbar noch erhebliche Auswirkungen haben.

Quelle: The Daily Beast

Annika Kremer (g+) am Mittwoch, 09.06.2010 17:40 Uhr

Tags: irak adrian lamo

 
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13 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • petipenner am 10.06.2010 04:22:24

    So sehe ich sie gerne. Ängstlich. Verzweifelt. Sie zeigen ihr wahres Gesicht. Sie haben Angst, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Sicher nicht ohne Grund. Nur dieser Manning tut mir etwas leid. Möge dieser Judas, der ihn verraten hat, lange leben. Lange genug, um zu sehen, was diese Regierung, die ...

  • NinjaTurtle am 10.06.2010 00:41:12

    Selbst ein Regenwurm hat mehr Rückgrat als dieser Lamo! Vielleicht wirds ja trotzdem noch was. Kann natürlich ein Bluff sein, wer weiß. Aber wenn das stimmt, dann, um Himmels Willen, veröffentlicht den Schriftverkehr! ...

  • Juuichi am 09.06.2010 21:07:52

    Eine schreckliche Situation, weil die Menschen die Wahrheit erfahren, ich fasse es nicht, Sätze wie diese bringen mich innerlich zum kochen +1 Besser hätte ich das auch nicht sagen können. ...

  • Mitglied am 09.06.2010 20:44:36

    Da könnt ihr lange warten. So wie auf die Klage gegen Scholz wg. Hochverrat.:D Wie weit bist du denn damit, irgendwas solltest du besser in Wege leiten, damit du nicht als grosskotzige Luftnummer dastehst. verändert kann man die Situation nur, ...

  • Nexus1111 am 09.06.2010 20:08:24

    Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant. Dieser Judas Lamo hat da wo andere ein Rückgrat haben nur Kaugummi. Und dann noch diese scheinheilige Aussage er sehe es als "echte Gefahr für die nationale Sicherheit der USA". "Ich hätte das nicht getan, wenn keine Leben in Gefahr ...

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