
Ohne Zweifel befindet sich die Medienwelt nach wie vor in einer unglaublichen Umbruchphase. Der Journalismus ist davon so intensiv betroffen wie eigentlich noch nie zuvor. Neue Erlösmodelle sollen die Rettung bringen. Die größte Hoffnung setzen zahlreiche Verlage dabei auf Paid-Content, also bezahlte Nachrichten im Netz. Andere sehen in Tablet-PCs die Zukunft ihrer Branche. Insbesondere Apple soll hier eine führende Rolle übernehmen. Weitere Ansätze enden bei Social-Micropayment Diensten.
Die Federal Trade Commission (FTC) in den USA hat sich der Problematik nun ebenfalls angenommen. In einem ersten Entwurf, der klar als nicht final gekennzeichnet wird, bespricht man die Problematik und sucht Lösungswege. Diskussionswürdig sind deren Gedanken auf jeden Fall.
Die FTC hält anfänglich fest, wie die aktuelle Situation bei Zeitungen aussieht. Erfasst werden dabei primär Print-Zeitungen die über einen Online-Auftritt verfügen, aber auch reine Online-Nachrichtenportale. Wie die FTC festhält, hätten sich die Verlage im 20. Jahrhundert zu einem Großteil aus Werbung finanziert. Insgesamt 80 Prozent der Einnahmen seien dadurch generiert worden. Nur 20 Prozent der Gelder kamen von Lesern. Seit dem Jahr 2000 sind die Werbeeinnahmen um 45 Prozent eingebrochen.
Die Werbeeinnahmen lagen im Jahr 2000 noch bei 19,6 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2008 sind sie auf 10,9 Milliarden US-Dollar eingebrochen. Schätzungen für 2009 gehen von 6 Milliarden US-Dollar aus. Trotz dieser massiven Einbrüche werden jedoch nach wie vor 90 Prozent der Werbeeinnahmen im Printbereich generiert. Online-Werbeanzeigen nehmen die verbleibenden zehn Prozent ein. Ein reiner Umstieg auf den Online-Bereich wäre folglich sinnlos. Zwar würden die Zeitungen dann 50 Prozent ihrer Kosten einsparen, doch die Einnahmen würden dennoch nicht ausreichen. Von den sonstigen wirtschaftlichen Folgen einmal ganz abgesehen.
Die FTC behandelt zahlreiche Lösungsansätze, wie der Journalismus wieder Fahrt aufnehmen könnte. Viele davon sind politischer Natur. Einige der Diskussionspunkte:
Insbesondere der Aspekt einer finanziellen Unterstützung durch den Staat umfasst einen umfangreichen Katalog an Möglichkeiten, denen man sich separat widmen sollte. Von der Idee eines "Unterstützungsfonds" für den Lokaljournalismus, über geförderte Non-Profit Medienorganisationen, bis hin zu Steuervergünstigungen für Verleger, die Journalisten fest einstellen, ist alles vertreten.
Besonders interessant sind jedoch die eingereichten Ansätze eines "Medienfonds der Bürger". Dieser subventionierende Geldtopf soll durch zusätzliche Steuereinnahmen gefüllt werden. Diese werden dann an Verleger vermittelt. Im Diskussionspapier benennt man fünf Besteuerungsoptionen konkret:
Das Diskussionspapier ist trotz seines umfangreichen Informationsgehalts durchaus lesenswert. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass noch viele weitere Ideen von der FTC benannt wurden. Wir freuen uns selbstverständlich darüber, wenn auch unsere Leser in den Kommentaren ihre Ideen und mögliche Lösungsansätze mitteilen.
Bild: flickr by DRB62 unter CC-BY-SA
Klaus Müller am Samstag, 05.06.2010 17:08 Uhr
Schon interessant, wie wenig Leute sich für dieses wichtige Thema interessieren... Wie dem auch sei - was mir bei der anhaltenden Debatte um die journalistische Zukunft immer wieder auffällt, ist die Tatsache, dass zwar immer wieder gerne das Internet als böser Mordbube an der Zeitungslandschaft ...
Mich wundert ja, dass Obama nicht gleich die (extrem erfolgreichen) Einnahmen von FoxNews, Limbaugh und co beschlagnahmt, um "politische korrekte" Presse (die keiner liest) zu fördern. ...
:confused:? Oder, vereinfacht und mit korrekter Groß-/Kleinschreibung ausgedrückt: Wir zahlen nicht mehr für die Propagandamedien, weder auf Papier noch im Netz. ...
ah-ha subventionen sollen nun der heilsbringer sein für eine industrie die zu dämlich ist, sich auf neue zeiten einzustellen von jedweder zwangsabgabe wird der verbraucher nicht profitieren mag sein das der content dann evtl. for free ist, aber er ist teuer erkauft ...
Jaja - Jahrelang durfte der Neoliberalismus durch den Trichter der Zeitungen einem Sprachrohr gleich die Freiheit der Märkte Lobpreisen und als Alternativloses Allheilmittel proklamieren ... Und nun schmecktet die bittere Medizin doch nicht wohlfeil nachdem man sie selber verzehren soll ? Hach wi ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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