
Joseph Andrew Konrath erwähnte auf seinem Blog, er wurde innerhalb eines Tages mehrfach von anderen Autoren darüber in Kenntnis gesetzt, dass man seine Werke online für lau anbieten würde. Konrath hat damit kein Problem. Das Internet wurde erschaffen, um darüber Daten auszutauschen. Das wäre der Grund für dessen Existenz. Natürlich würde das auch urheberrechtlich geschützte Werke betreffen. Was auch immer man alles digitalisieren wird, wird man auch untereinander austauschen.
Es erstaunt ihn immer wieder, wie sehr sich seine Kollegen darüber aufregen. Der Gedanke daran, dass jemand deren Bücher austauscht, ohne dafür zu bezahlen scheint einige dazu zu provozieren so zu reagieren, als hätte man deren Bankkonten geplündert. Google zeigt auf einen Blick fast 9000 verschiedene Websites und andere Stellen im Web an, wo man Konraths Bücher illegal beziehen könnte. Der Autor geht davon aus, dass die Zahl der Downloads von Filehostern noch größer sein dürfte, als was über die P2P-Tauschbörsen verteilt wird. "Na und? Ich habe keine Angst. Derzeit verkaufe ich 220 E-Books am Tag. Es gibt keine Anzeichen für sinkende Verkaufszahlen." Jeder sollte einen großen kollektiven Atemzug lang darüber nachdenken, warum man sich deswegen keine Sorgen machen sollte.
Ähnlich wie die Piratenpartei so glaubt Konrath, dass man das Copyright in der digitalen Welt schlichtweg nicht durchsetzen kann. In keinem Abschnitt der Geschichte hätte es auch nur einen Moment gegeben, wo die Industrie in der Lage gewesen wäre Filesharing mit Erfolg zu unterbinden. Kein Land und keine Technologie hätten das Phänomen aufhalten können. Er glaubt auch, dass die Menschen einfach den Austausch durchführen wollen. Der Kampf dagegen ist aussichtslos, weil es schlichtweg ihrem Wunsch entspricht. Man wird Kriege, den Hunger oder Krebs eher besiegen können als illegales Filesharing. Auch gäbe es keine verlässlichen Beweise dafür, dass der unbezahlte Austausch der Daten die Absätze drosseln würde. Man könne nicht einfach einen Download wie einen versäumten Verkauf rechnen. Dann müsste man das auch in dem Fall tun, wenn sich jemand etwas in der Bücherei oder bei einem Freund ausleiht.
Der Science-Fiction Autor geht aber noch einen Schritt weiter. Was er an E-Books über diverse US-amerikanische Portale verkauft, bietet er umsonst auf seiner Website an. Nur weil man sie umsonst herunterladen kann, würde dies den Verkauf nicht total unterbinden. „Umso mehr Menschen dich und deine Werke kennen, umso besser.“ Filesharing kann dabei sehr unterstützend sein. „Und das Beste: Dafür musst du als Autor nichts tun.“ Konrath würde sich gerne einen einzigen Autor zeigen lassen, der wegen der Tauschbörsen Konkurs gegangen sei.
Auch müsse man dabei bedenken, dass die meisten Piraten nicht finanziell vom Filesharing profitieren. Bei einem reinen Austausch macht niemand einen Profit. Und wer die Anzeigen in den BitTorrent-Portalen verteufelt, muss Google und jede andere Website auch gleich mit an den Pranger stellen.
Seine Schlussfolgerung lautet: Wer als Autor verhindern will, dass man ihn kopiert, muss aufhören etwas zu veröffentlichen. So einfach ist das.
J.K. Rowling hat sich unzählige Summen entgehen lassen, weil ihr Harry Potter nie offiziell als E-Book erscheinen sollte. Aber die illegale Konkurrenz hat sie in genau dieser Form veröffentlicht. Wer seine Fans nicht bedient, so bedienen sich die Leser selbst. Wenn sie es mit ihren Millionen und ihrem Heer an Anwälten nicht schafft, das aufzuhalten, so wird das niemand tun können.
Konrath argumentiert weiter, der Begriff Diebstahl sei nur bei physischen Dingen anwendbar. Wer jemals einen Song im Radio gehört, ein Buch im Buchhandel ausgeliehen oder ein Werk an einen Freund verliehen hat, der hat den Urheber genauso um sein Geld gebracht wie der böse Filesharer. Als Konsument ist man so schnell im Graubereich angelangt. Auch neue Techniken zu erfinden macht seiner Meinung nach keinen Sinn. Es wäre kein Zufall, dass iTunes so erfolgreich wurde, nachdem man das DRM von den Musikdateien entfernt hat. Warum? Ganz einfach: Die Leute wollen keinen Kopierschutz haben oder sogar Geld dafür bezahlen. Für solche Dinge hätten sich von Anbeginn immer nur Firmen, Verwerter und Urheber eingesetzt und nie die Konsumenten selbst. Die Urheberrechtsproblematik sei nicht lösbar. Man könne den Tag viel besser damit verbringen, als ständig darüber nachzudenken, wie man den Markt kontrollieren könnte. Bessere Bücher zu schreiben wäre dagegen schon mal ein Anfang.
Wer als Autor feststellt, dass seine Werke auf den Torrent-Sites landen, sollte nicht schreien: „Oh nein, ich wurde beklaut!“. Er sollte sich denken: "Hey klasse, meine Sachen werden gelesen." Das ist zumindest, was Herr Konrath erreichen möchte. Man müsse auch bedenken, dass der eigene Name ohne Filesharing viel seltener bei vielen Kunden aufgetaucht wär. Wem die Schwarzkopie gefallen hat, der wird sich eventuell auch weitere Bücher vom gleichen Autor kaufen wollen.
Niemand kann beweisen, dass die Piraterie ihm geschadet hätte. Er glaubt, bei ihm wäre das nie der Fall gewesen. Um das zu beweisen, müsste man jeden einzelnen Downloader befragen, ob er das Werk auch so gekauft hätte. Nur mit Bequemlichkeit und einem angemessenen Preis der Waren sei dem Problem beizukommen. Seine Aussage am Schluss seiner Erörterung klingt schlüssig, sie dürfte leider dennoch nur wenige Autoren überzeugen:
"Macht euch keine Gedanken über etwas, was ihr nicht kontrollieren könnt, dann schlaft ihr auch wieder besser!"
Bilder: jakonrath.com
Lars Sobiraj am Donnerstag, 03.06.2010 16:28 Uhr
sympathischer mensch, gleich mal in seine ebooks reinschnuppern und bei gefallen mal nen buchladen ansteuern :T Ich habe leider noch nichts von ihm gelesen. Aber sag mal Bescheid, ob das was ist. ...
HALLELUJA, leider wird es mMn noch eine Weile brauchen, bis sich das rumgesprochen hat und verinnerlicht wurde. Also führet den Ungläubigen weiter die Wahrheit vor Augen, auf dass sie verstehen und von ihrem Unglauben abfallen und von DRM sowie anderer Gängelung ablassen werden! ...
Der Satz gilt inzwischen als veraltet. Man ist stattdessen dazu übergegangen, sein System regelmäßig zu aktualisieren. Schon alleine wegen der Sicherheit... Aha...tauscht du bei deiner mechanischen Uhr denn regelmäßig die Zahnräder aus damit du sicher sein kannst ...
sympathischer mensch, gleich mal in seine ebooks reinschnuppern und bei gefallen mal nen buchladen ansteuern :T ...
Der Typ ist sympathisch. Da ich aber keine SciFi mag, werd ich seine Werke trotzdem nicht lesen^^ Dennoch mald erfreulich wieder jemanden zu sehen, der die Realität erkannt hat und auch ausspricht und sich nicht hinter scheinheiligen Studien versteckt um die Abmahnwirtschaft zu rechtfertigen. ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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