
Der US-amerikanische Provider Time Warner Cable vollführt gegenwärtig einen interessanten juristischen Schachzug. Eigentlich soll er die Nutzerdaten mehrerer Hundert Anschlussinhaber aushändigen. Bislang ist dies jedoch nur tröpfchenweise geschehen. Wie der Provider erklärt, sei man nicht in der Lage, alle auf einmal zu beantworten. Pro Monat könne man der US-Copyright Group, vertreten durch die Kanzlei Dunlap, maximal 28 Anschlussinhaber nennen.
Ein untragbares Verhalten, wie die US-Copyright Group meint. Diese geht gegenwärtig gegen eine fünfstellige Zahl an BitTorrent-Nutzern vor, die urheberrechtlich geschützte Werke verbreitet haben sollen. Zu den überwachten Werken gehören Filme wie Far Cry, Call of the Wild 3D oder Hurt Locker. Unnötig zu erwähnen, dass dieses Prozedere eine nahezu ewige Zeitspanne in Anspruch nehmen würde.
Doch Time Warner Cable geht sogar noch einen Schritt weiter. Pro angefragte IP-Adresse soll die US-Copyright Group erst einmal 32,50 US-Dollar (ca 26 Euro) Bearbeitungsgebühr vorstrecken. Ungeachtet der Tatsache, bis wann die Anschlussinhaberdaten übermittelt werden. Ein kostspieliges Unterfangen. Wie Time Warner Cable im Widerspruch zum gerichtlichen Auskunftsbeschluss erklärte, hätte die letzte Anfrage 567 IP-Adressen enthalten.
Aber auch so könne man die US-Copyright Group nicht mit mehr Daten versorgen. Denn schließlich würden auch die Strafverfolgungsbehörden regelmäßig um Auskunft bitten. "Notfallanfragen in denen Tod oder ernsthafte physische Schäden zur Debatte stehen", so der Provider im Gerichtsdokument. Als konkrete Beispiele nennt man Suizidversuche, Misshandlung von Kindern sowie terroristische Aktivitäten.
Darüber hinaus würden sich die Anfragen der Kanzlei Dunlap geradezu stapeln. Neben den angeforderten 567 IP-Adressen seien wenig später weitere Anfragen eingetroffen. So sollte man binnen 30 Tagen Auskunft zu über 800 IP-Adressen erteilen. Einige Tage später erreichte den Provider Auskunftsersuchen über 398 und 224 IPs.
Die Kanzlei Dunlap versucht nun auf gerichtlichem Wege, eine Auskunft mit allen Mitteln zu erreichen. Hier könnte auch Time Warner Cable ins Schussfeld geraten. Wie die Kanzlei nämlich festhält, könnte diese durchaus als Komplize der Urheberrechtsverletzer angesehen werden. Schließlich weigert man sich, in angemessener Zeit IP-Adressen auszuhändigen.
Der Ausgang dieser Auseinandersetzung steht noch bevor. Sollte sich an den Praktiken von Time Warner Cable nichts ändern, könnte es jedoch einige Zeit dauern, bis die US-Copyright Group alle Filesharer erwischt. Gegenwärtig hat man ungefähr 2.000 IP-Adressen an Time Warner Cable übermittelt. Bei einer Rückmeldung von 28 Stück pro Monat würde die Verfolgung die nächsten sechs Jahre in Anspruch nehmen.
Quelle: zeropaid
Bild: Screenshot copyrightsettlement
Klaus Müller am Donnerstag, 27.05.2010 14:52 Uhr
Sehr schön. Bürokratie wie sie leibt und lebt. Für das Geld könnten die einen Mitarbeiter einstellen, der zwischen den Kaffee- und Rauchpausen auch ein mal am Tag eine IP Adresse bearbeitet. Nur wer macht den Job? Früher trugen Henker Masken um nicht erkannt zu werden. ...
erst einmal 32,50 US-Dollar (ca 26 Euro) Bearbeitungsgebühr vorstrecken :D Krass... aber gut reagiert... :beer: ...
Lol: Interessante Interpretation von "turn piracy into profit" ;) ...
wieso sollte das Unternehmen auch gratis anfragen bearbeiten, macht noch nicht einmal der Staat:D ...
Pro angefragte IP-Adresse soll die US-Copyright Group erst einmal 32,50 US-Dollar (ca 26 Euro) Bearbeitungsgebühr vorstrecken. Das ist die beste antwort die man denn Abmahngeiern geben konnte :D:beer: ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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