
Wir wissen: die „Kostenlos-Kultur“ des world wide web zerstört die Medienlandschaft. Gerade der Qualitätsjournalismus leidet unter der Mentalität seiner Leser, für Angebote im Netz keine munteren Cents mehr bezahlen zu wollen. Zudem partizipieren Internet Service Provider und Nachrichtenaggregatoren am content der Presseverleger, ohne den das Internet ja bekanntlich nur ein „Testbild“ wäre.
Neben den bekannten Lösungswegen „Bezahlschranke“ und „Leistungsschutzrecht“ geht nun – nach der us-amerikanischen „New York Times“, eine britische Tageszeitung einen dritten Weg: „The Guardian“ verschenkt seine Artikel an jeden, der sie in seinem Blog oder auf seiner Homepage einbinden will. Im Prinzip kann jeder Nutzer ohne weitere Genehmigung die Überschrift und die Metadaten der Beiträge in seine Texte einbinden, wer über die Schnittstelle (API) vollständige Beiträge einstellen will, muß sich dazu auf der Plattform vom „Guardian“ anmelden.
Als Gegenleistung wird in die Artikel Werbung eingebunden, die vom Zeitungsverlag gesteuert wird und nur diesem zugute kommt. Wer den „Guardian“ werbefrei verbreiten will, kann als dritte Option eine entsprechende Vereinbarung mit dem Verlag schließen.
Martin Weigert von „netzwertig.com“ analysiert diesen (r)evolutionären Schritt des Medienhauses und zeigt die zu erwartenden positiven wie negativen Effekte auf. Es ist, so meine ich, unwahrscheinlich, daß nun im Netz lauter kleine „Guardians“ sprießen werden, die sich am Angebot der Zeitung bereichern werden. Viel wahrscheinlicher ist, daß die Reichweite und die Bekanntheit der Marke „Guardian“ durch eine selektive Verbreitung zunimmt, was sich auch in einer höheren Besucherzahl an der Quelle selbst zeigen wird.
Dieses Modell ist aus dem Internet für das Internet entwickelt und basiert auf der im Netz herrschenden Linkökonomie: Aufmerksamkeit und Verbreitung sind die Prinzipien im digitalen Kommunikationsraum Internt. Das von den deutschen Zeitungsverlegern propagierte Leistungsschutzrecht und der Umgang mit dem eigenen „content“ steht dieser Mentalität dagegen völlig entgegen. Will die Presseindustrie hierzulande doch nicht mit eigenen originellen unternehmerischen Initiativen reüssieren, sondern durch Zwangsabgaben auf gewerbliche
Geräte und einen besonders rigides Urheberrecht eine Art Bestandsschutz ihrer überkommenen Vorstellungen erreichen. Dabei mißverstehen sie (absichtlich?) die digitale Kultur: Nicht die „Kostenloskultur“ sondern die „Tauschkultur“ ist die prägende Leitkultur des horizontal angelegten Netzes.
Hat die „content-Industrie“ das endlich verstanden, wird sich ihre Leistung auch wieder lohnen.
Joachim Losehand am Donnerstag, 27.05.2010 12:47 Uhr
Nicht ganz: Vollzitate - wie jetzt beim Guardian - sind nicht erlaubt. Die Grenze der Zitate-Schranke ist nicht fixiert, je kürzer der Beitrag, aus dem zitiert wird, desto weniger geht als Zitat durch. Vollzitate müssen auch nicht sein. so ein Zitat soll eh nur den ...
Also erlaubt der Guardian jetzt, was immer schon erlaubt war: Man darf über ein Ereignis in seinem Blog berichten, dabei Zitate verwenden und die entsprechende Quelle nennen. Nicht ganz: Vollzitate - wie jetzt beim Guardian - sind nicht erlaubt. Die Grenze der Zitate- ...
Also erlaubt der Guardian jetzt, was immer schon erlaubt war: Man darf über ein Ereignis in seinem Blog berichten, dabei Zitate verwenden und die entsprechende Quelle nennen. Der Punkt mit der Tauschkultur ist allerdings tatsächlich einer, der wirklich oft vernachlässigt wird... ...
Schöner Artikel, sehr informativ. Aber content heißt auf deutsch Inhalt, ist also sinnlos ständig mit diesem Wort um sich zu werfen. Ich kann den Begriff "content" auch nicht leiden. Darum verwende ich ihn nur mit einem abfälligen Gesichtsausdruck, den man s ...
bist du ein neuer moderator? Yep. :cool: ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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