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Facebook - Fortschritt oder Farce?

Das soziale Netzwerk Facebook reagiert auf die Forderungen seiner Nutzer und wird die Privatsphäre-Einstellungen vereinfachen. Damit ist ein verantwortungsvoller Umgang mit den eigenen Daten aber nicht überflüssig.

Der Graben zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen Wort und Tat, ist eine offene Wunde für viele engagierte Menschen. Denn sie haben erkannt, dass man die Welt nur verändern kann, wenn viele Menschen bewußt und verantwortungsvoll Entscheidungen treffen und umsetzen - und nicht nur darüber reden, wie gut und schön es doch wäre, wenn ... Ob nachhaltiger Umgang mit den natürlichen Ressourcen unseres Planeten oder Datenschutz im Internet: wir Konsumenten sind nicht hilflos Großkonzernen oder dem omninösen Gebilde „Staat“ ausgeliefert, welche nach Belieben schalten und walten können. Dass viele faktisch nach Belieben schalten und walten können, liegt vornehmlich daran, daß wir aus schierer Bequemlichkeit unser eigenes Konsumverhalten nicht ändern, sondern erwarten, daß die anderen sich ändern.

Ob Jugendschutz oder Datenschutz im Internet – vor allem wir selbst sind aufgefordert, Maßnahmen zu unserem Schutz zu ergreifen. Auch wenn es angenehmer ist, im Kaffeehaus zu sitzen und über die Gefahren im Netz zu raunen und zu raunzen. Beliebte Objekte der Kaffeehaus-Intelligenz der Rauner und Raunzer Habermasschen Zuschnitts sind Google und Facebook. Die beiden jungen und erfolgreichen Unternehmen sind immer wieder Ziel scheinbar öffentlichkeitswirksamer Appelle von Politik und Feuilleton. Und alle nicken beifällig und schütteln dann besorgt über die Datenkraken ihr Haupt. Keine Frage: Datenschutz ist wichtig und wird, glaubt man Umfragen, immer wichtiger. Auch in Österreich ist man selbstverständlich für strengere Datenschtzverordnungen - aber die Internetnutzer selbst gehen derweil ziemlich lax und offenherzig mit ihren Daten um. Zwar sind rund 74% aller Österreicher gegen den Einsatz von „Nacktscannern“, doch allen Appellen und Warnungen der Datenschützer zum Trotz frönen sie einem herzlichen und unbedarften Exhibitionismus. Diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit wird bei Facebook besonders deutlich: zwar bilden viele Nutzer fast im Minuten-Takt ihr Leben in ihren Profilen ab, dokumentieren es per Video, Bild und Text für alle Welt sichtbar, andererseits aber widersprechen sie der Meinung des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg, Privtatsphäre sei heute nicht mehr wirklich wichtig.

Bei aller Selbstverantwortung ist die Kritik an Facebook nicht unberechtigt: es ist – gelinde gesagt – nicht einfach, Herr über die Informationen im eigenen Profil zu sein, die Einstellungen zum Datenschutz sind eine Wissenschaft für sich und der Text der Facebook-Richtlinien folglich länger als die Verfassung der U.S.A. Hony soit qui mal y pense - ein Schelm, der Böses dabei denkt. Wenn Facebook also seinen Nutzern mehr Kontrolle über die eigene Privatsphäre zugesteht, kann man sich zu Recht fragen, ob die Proteste der Nutzer nachhaltlig genug waren, sodaß im Zentrum des Sozialen Netzwerks ein Umdenken stattgefunden hat. Es soll in ein paar Tagen leichter werden, die Einstellungen zu verändern und seine Privatsphäre zu schützen. Wie es gehen soll, darüber berichten seit gestern die Medien.

Aber so ganz trauen manche dem Frieden nicht, „Facebook hat uns lange genug betrogen“ titelt beispielsweise TechNewsWorld - und bei „All Things Digital“ macht man sich so seine Gedanken, wie die vereinfachten Einstellungen aller Erfahrung nach aussehen werden (siehe auch die Abbildung). Zudem bleiben die Verbesserungen, die Facebook vornimmt, noch hinter den EU-Richtlinen zurück - und mögliche Auswirkungen des „Like-Buttons“ sind noch nicht abschließend diskutiert.

Alles also nur Show mit öffentlichkeitswirksamem Placebo-Effekt? Wer Facebook nicht mehr traut, kann da einem neuen "Trend" folgen.

Weitere Quellen und Berichte:
All Things Digital
futurezone.orf.at
TechnNewsWorld

Joachim Losehand am Donnerstag, 27.05.2010 11:20 Uhr

tagsTags: facebook mark zuckerberg

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vgwort
 
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7 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Suicicoo am 27.05.2010 17:16:01

    der link zu allthingsdigital ist kaputt - da ist eine [ reingerutscht mfg - sui ...

  • DrPaua am 27.05.2010 15:28:46

    ich war bisher 5 minuten lang mitglieg bei facebook - nur mal kurz "um zu gucken" - und werde mich erst anmelden, wenn diese ankündigung auch wirklich so durchgeführt werden wie versprochen. ...

  • DTSSDG am 27.05.2010 12:10:10

    Zum anderen ist man irgendwo selber schuld, wenn man seine Privatssphäreeinstellungen nicht gescheit einstellt... Wer zudem auf solchen Seiten wirklich Personenbezogene Daten angiebt, wie etwa Adresse und Telefonnummer, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen. Wenn ma ...

  • .drunken am 27.05.2010 12:05:56

    Das Problem ist nur, man wir heutzutage in vielen Communitys und Foren zur "aktiven" Mitgestalltung in diversen Netzwerken gezwungen. Eine Fotocommunity hat zum Beispiel Namen und Bilderbeschreibungen und auch Boardeinträge in Twitter gepostet... Ohne die Möglichkeit dies zu unterbinden. Es gibt ...

  • sladerino am 27.05.2010 11:49:33

    In der News steht garnicht, dass man mit Peitsche dazu gezwungen wird, FB zu benutzen. Anders kann ich mir das Rumgeheule der "Digital Natives" nicht erklären. Wenn's euch nicht passt, dann haut halt ab.:confused: Niemand wird gezwungen. Das verstehe ich auch immer ...

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