
Wer in Italien gegenwärtig auf aktuelle Musikbeschallung durch den Rundfunk hofft, darf lange warten. Seit etwa zwei Wochen weigern sich diese nämlich, die Neuveröffentlichungen der Musiklabels zu spielen. Nun haben sich die Vertreter der dortigen Musikindustrie zusammengetan, um gegen dieses Verhalten vorzugehen.
Die Vertretung der Musikindustrie ist dabei mehr als nur hochkarätig. Neben dem Geschäftsführer der Federazione Industria Musicale Italiana (FIMI), Enzo Mazza, fand sich auch Mario Limongelli von der PMI (piccole e medie impress), Filippo Sugar als Vertreter des größten Indie-Labels in Italien (Sugar) sowie Saverio Lupica, Präsident der Verwertungsgesellschaft SFC dort ein. Die zehn Sender werden derweil von der RNA (Radio Nazionali Associate) vertreten.
Seit dem 7. Mai weigern sich die zehn Sender, aktuelle Musikstücke zu spielen. Vorangegangen waren Verhandlungen mit der Verwertungsgesellschaft SFC über eine Erhöhung der Lizenzgebühren. Die Erhöhung wollen die Sender schlicht nicht hinnehmen. Für den Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft ein absolut unverständliches Verhalten, zumal die Abgaben in Italien sehr niedrig sind:
"Unser Vertrag mit diesen Radiostationen, in dem sie ein angemessenes Prozent ihrer Einnahmen für die Musiknutzung übertragen mussten, endete 2006. In Europa liegen die prozentualen Abgaberaten von Rundfunksendern zwischen zwei Prozent in Spanien und 5,16 Prozent in Deutschland. Während unserer Verhandlungen haben wir versucht, diesen Wert ebenfalls auf zwei Prozent zu erhöhen, was auch vom italienischen Gesetzgeber akzeptiert wird. Die Sender hat dies aber nicht interessiert, so dass wir nur ungern auf juristische Mittel zurückgriffen. Daraufhin haben die Sender den Labels Verzichtserklärungen zugesandt. Sie sollten bestätigen, dass sie keine Lizenzgebühren für neue Musik verlangen würden, die ihnen zugesendet wird. Als die Labels sich weigerten, haben die Sender ihr Embargo verwirklicht."
Für den Präsidenten der FIMI, Enzo Mazza, ist die Situation nicht minder fragwürdig. Die Beschwerden der Sender bezüglich der Gebühren bezeichnete er als "absurd - die geben mehr für ihre Stromrechnung aus, als für Musik."
Auf ein baldiges Ende der Streitigkeiten kann man nicht hoffen. Insbesondere aufgrund der scharfen Vorwürfe, die die Vertreter der Rundfunksender vorgebracht haben. So erklärte Lorenzo Suraci, Präsident des nationalen Rundfunknetzwerks RTL 102,5, dass sich "die Plattenlabels, insbesondere die multi-nationalen" nur aus einem Grund auf die Sender stürzen würden: "[...], um mehr Geld zu erhalten, weil sie keine Platten mehr verkaufen."
Auf die Frage, wie lange man dieses Embargo aufrecht erhalten wolle, signalisierte man ebenfalls Kampfeswille: "Wir sind vorbereitet das so lange durchzuhalten, bis ein Gericht den Fall geklärt hat." Die streitenden Parteien befinden sich bereits seit Dezember 2008 in einer juristischen Auseinandersetzung. Die Verwertungsgesellschaft SFC hatte ab diesem Zeitpunkt versucht, die vertragliche Erhöhung der Abgaben durchzusetzen.
Eine finale Gerichtsentscheidung wird ebenfalls erst in ferner Zukunft erwartet. Angepeilter Termin hierfür ist März 2011. Eine lange Zeit, bei der es fraglich bleibt, ob die Sender so lange auf aktuelle Musikaustrahlungen verzichten können. Das Angebot an existierender Musik mag zwar gigantisch sein. Die Konsumenten von Musik werden hier jedoch unter Umständen auch noch ein Wörtchen mitzureden haben.
Klaus Müller am Dienstag, 25.05.2010 12:07 Uhr
Ja, die gibt es. aber warum interessiert sich keiner für die? Oder kaum jemand? Genau... genau - weil der konsument keinen schimmer hat, was er eigentlich will! deswegen sehen die autos seit 100 jahren gleich aus und deswegen ist die fließband-musik so unerträgl ...
Außerdem muss man erst mal die richtigen Mail Adressen Finden und sich auf den Homepages zurechtfinden. :T die idee würd ich gern nochmal pushen wenn wer die mail adresse rauskriegen würde, würd ich da sehr gern mal ne mail hinschreiben google.translate :cool: ...
Ich kann leider kein italienisch, sonst würde ich an die Sender ne Mail schreiben, und vorschlagen, einen Musikwettbewerb für Freie Künstler zu machen, und das ganz groß aufzuziehen. Auf allen Sendern. Freie Musiker sollen ihre Musik einschicken, und die Zuhörer sollen dan ...
Natürlich. Aber ich erinnere mich gelesen zu haben, dass sie zunächst auch gegen Rundfunk waren, aus den gleichen Gründen aus denen sie heute Filesharing verachten. Da hieß es auch "Aber wenn es jeder umsonst im Radio hören kann, kauft unsere Musik keiner mehr." So, ...
Die Musikindsutrie hat in Italien eine sehr schlechte Ausgangsposition, wenn sie sich mit den Radiosendern anlegt. In Italien gibt es sehr viel mehr Sender und Programme als in den meisten Ländern Europas. Überall sind beinahe alle Frequenzen lückenlos belegt. Natürlich gibt es einige größere ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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