
Numerama ist eine französische P2P-News Seite, die von der Berichterstattung her tendenziell wie gulli agiert. Dies heißt also, dass die Seite nicht unüberlegt die Propaganda der Contentindustrie weiter schleudert, sondern sich zum Teil erhebliche Gedanken über Urheberrechtsverletzungen in Tauschbörsen und die Auswirkungen solcher Taten macht.
Numerama war auch unter den französischen Portalen, die das HADOPI-Gesetz vehement kritisierten, was womöglich schlussendlich dazu geführt hat, dass die Contentindustrie ein Auge auf das Portal warf. Offensichtlich war man mit den Feststellungen der News-Site nicht gänzlich einverstanden, oder befand die Berichterstattung als einseitig - als ob es aus dem Lager der Industrie anders wäre. Was kann man jedoch dagegen tun? Nun, objektiv betrachtet nichts, denn solange die Fakten klar dargelegt werden und keine strafrechtlich relevante Äußerung getroffen wird, sollte eigentlich alles unter Pressefreiheit oder zumindest Meinungsfreiheit fallen, was die Redakteure von Numerama von sich geben. Dem scheint jedoch in Frankreich nicht so zu sein.
Vertreter der Film- und Musikindustrie forderten das Gericht von Nanterre auf, die Seite per Beschluss dazu zu zwingen, über die Verurteilung von 27 Urheberrechtsverletzern zu berichten. Noch einmal zum besseren Verständnis: Ein Gericht hat ein unabhängiges Presseorgan per Beschluss dazu gezwungen, Details zu der Verurteilung von 27 Urheberrechtsverletzern als Newsartikel zu veröffentlichen. Die ersten drei Artikel erschienen am vergangenen Freitag und beinhalten zahlreiche persönlichen Details der Verurteilten. Darunter Name, Adresse, Geburtsdatum sowie die Straftat und das Strafmaß.
Geht das? Darf das sein? Eine gute Frage, die allem Anschein nach durch französische Gesetze tatsächlich legitim ist. Interessanterweise steht Numerama in keinerlei Kontakt zu den 27 Verfahren und dennoch wurden sie vom Gericht "auserwählt" über die Verurteilung zu berichten. Es handelte sich bei dieser Auswahl jedoch offensichtlich um die Empfehlung der Klägerseite, welche in einer Veröffentlichung bei Numerama eine "Erziehung" der dortigen Leser sah. Unnötig anzumerken, dass die Artikel entsprechend verfasst wurden.
Ein erschütterndes Beispiel, wozu die Judikative offensichtlich in der Lage ist. Eines muss man natürlich anmerken. Numerama erhält für diese "Kooperation" 10.000 Euro durch das Gericht. Man mag den Eindruck gewinnen, dass hier ein Portal gekauft wurde. Dem ist jedoch nicht so, was die News-Site auch unbedingt verdeutlichen will. Aus diesem Grunde wird das Geld an ein Projekt gespendet. Man denkt bislang über Initiativen für freies Filesharing oder den Schutz der Privatsphäre im Netz nach. Auch die Piratenpartei ist bereits als Empfänger der Spende ins Spiel gekommen, neben der Investition in einen Server für Filesharing- oder VPN-Dienste.
Bis zum 28. Juni können weitere Ideen eingereicht werden, wie das Geld effektiv genutzt werden kann. Wer einen Vorschlag hat sollte sich beteiligen. (Firebird77)
(via torrentfreak, thx!)
(Bild via numerama, thx!)
News Redaktion am Montag, 15.06.2009 16:54 Uhr
die Seite auf die 10000 € scharf war und nun das Opfer spielt. wenn sie so geldgeil wären, warum sollten sie dann das geld spenden? ...
der echte Skandal besteht wohl eher darin,dass Name Adresse usw. genannt wurden irgendwann gehts so nicht weiter und dann holt sich das Volk das zurück was ihm gehört Die Fallbeile sind sicher schon eingerostet, weil schon seit über 20 Jahren die Enthauptung in Frankreich ...
der echte Skandal besteht wohl eher darin,dass Name Adresse usw. genannt wurden irgendwann gehts so nicht weiter und dann holt sich das Volk das zurück was ihm gehört ...
Gulli wird nur von Leuten mit wenigstens minimalem Durchblick gelesen. Was soll dieser Zwang also bringen? Jeder Leser weiß, dass das gerichtlich angeordnet ist und wird deshalb auf die News nichts geben. Höchst bedenklich aus rechtsstaatlicher Sicht, aber vernachlässigbare Wirkung für die Cont ...
Also wenn DAS mal kein Skandal ist? Warum hat sich niemand diese rAktion verweigert? Wenn es wirklich so ist, wie vom Newsportal geschildert heißt es dagegen KÄMPFEN! Wir sind hier schliesslich in der EU und nicht im Land der Diktaturen! (wehe jemand sagt jetz etwas -.-*) Ich seh schon, Frankreic ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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