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Apples Zweifrontenkrieg gegen Google und Adobe

Apple schießt gegen die ehemaligen Partner Google und Adobe. Google soll vom Werbemarkt der mobilen Internetgeräte verdrängt, Adobe Flash gegen HTML5 ausgespielt werden. Grund für diesen wirtschaftlichen Zweifrontenkrieg scheinen die Apps zu sein.

Apple will den Markt für Mobilwerbung erobern

Steve Jobs tritt gegen den ehemaligen Partner Google an, indem Apple jetzt auch auf den Werbemarkt expandieren will. Dazu soll im Sommer iAd als Werbeplattform herauskommen. Momentan ist der Markt für Werbung auf Mobilgeräten wie iPhone oder iPad noch gering, wird aber von Analysten als wichtiges Zukunftsgeschäft der Werbebranche gesehen. Teilweise werden Gesamtsummen von bis zu 700.000.000$ für diesen relativ neuen Markt prognostiziert.

Jobs vertritt die Haltung, Mobilwerbung könne individuell auf Interessen und Bedürfnisse von Anwendern zugeschnitten werden und eröffne so einen wichtigen neuen Markt. Google hat das bereits bei gmail-Konten und seiner Suchmaschine bewiesen. Doch ein Mobilgerät wie ein Handy oder ein iPad sei noch stärker indiviualisiert, so dass der einzelne Nutzer bereits ein eigenes Marktsegment darstelle und als solches anvisiert werden kann. Dabei können nicht nur die Apps, die ein User erwirbt, für personalisierte Werbung genutzt werden, sondern auch die Standortdaten des Nutzers, die über das Gerät zu beziehen sind. Apple versucht nun, Google als Konkurrenten zu überholen zu einem Zeitpunkt, an dem Googles eigene Aktivitäten auf dem Mobilwerbemarkt durch die US-amerikanischen Kartellbehörden vereitelt wurden. Google hatte Apple im vergangenen November beim Verkauf der Firma AdMob überboten. Jedoch griff die US-Kartellbehörde ein und hält den Deal auch weiterhin in der Schwebe.

Apples aktuelle iAd-Initiative scheint ebenso darauf ausgerichtet zu sein, die Entwicklung neuer Applikationen für Apples Mobilgeräte anzustoßen. Der Apple-CEO gab an, 60% der Werbeeinnahmen sollten an die Entwickler der Programme fließen, nur 40% an Apple selbst. Dies soll für Programmierer einen Anreiz schaffen, neue Funktionen für iPhone, iPad und iPod Touch zu generieren.

Apple setzt mit dieser Politik auf die zunehmende Entwicklung von Applikationen als zentrales Standbein für mobile Endgeräte. Werbung soll ab sofort in Apps stattfinden. Mit 600.000 iPads, die innerhalb der ersten Verkaufswoche an den Nutzer gebracht wurden vielleicht nicht ganz weithergeholt. Google hingegen geht davon aus, dass die Vielzahl solcher Programme durch den Internetbrowser allein - auch auf Mobilgeräten - verdrängt werden.

Branchenkenner spekulieren seit einiger Zeit darüber, dass Apple die Microsoft-Suchmaschine Bing zukünftig statt Google auf dem iPhone anbieten könnte. Damit wäre der Bruch zwischen den digitalen Giganten vollständig vollzogen.

HTML 5 statt Flash?

Der aktuelle Feldzug gegen Google scheint Apple jedoch nicht genug zu sein. Seit einigen Monaten wird auch der langjährige Apple-Partner Adobe aufgrund seiner Flash-Technologie stark kritisiert. Das ursprünglich von Macromedia entwickelte Programm stellt heute die wichtigste Technik dar, wenn es um die multimediale Darstellung von Web-Inhalten geht - seien es Videos, Spiele oder ganze Applikationen im Netz, die über den Browser angezeigt werden. Da Flash auch ein ausgeklügeltes Rechtemanagement ermöglicht, ist es auf dem Medien- und Werbemarkt sehr beliebt. Die Rechte an dieser Programmierplattform liegen bei Adobe und so fährt Flash als bedeutendste Technik dieser Art entsprechende Gewinne ein. Daher arbeiten in Adobes Open Screen Project mehr als 50 teils namhafte Unternehmen - unter anderem Google und Nokia - an der Weiterentwicklung dieser Technologie.

Jobs kritisiert an Adobe Flash seit längerem seine angeblich mangelnde Leistungsfähigkeit. Im Hause Apple setzt man mittlerweile auf HTML5, wenn es um die Anzeige von Mulimediainhalten im Netz geht. HTML5 ist ein Offener Standard, dessen Spezifikation vom World Wide Web Consortium (W3C) überwacht wird. Es erweitert die altbekannte, internetrelevante Auszeichungssprache HTML um Funktionen, die es erlauben, Audio- und Video-Elemente (sogenannte "Rich Media) direkt im Browser ablaufen zu lassen. Dabei ist keine weitere Software in Form von Plug-Ins wie etwa Flash notwendig. Bislang unterstützen Mozilla Firefox, Apple Safari, Opera und Google Chrome diese Technik. Der Microsoft Internet Explorer wir jedoch erst in seiner kommenden Version 9 den neuen Standard unterstützen. Da die Spezifikation jedoch noch nicht veröffentlicht ist, schlägt Apple Webmastern vor, ihren Code und ihre Inhalte bereits jetzt schon auf den neuen Programmierstandard umzustellen.

Im Hintergrund des Wechsels von Flash zu HTML5 steht der Erhalt der Apps als wichtige Einnahmequelle und Einstieg in den individualisierten Mobilwerbemarkt für Apple. Im Gegensatz zu HTML5 ist es mit Flash möglich, ganze Applikationen im Internet über den Browser verfügbar zu machen. Dadurch wird es für den Anwender weniger attraktiv, teure Zusatzprogramme für seine Mobilgeräte zu kaufen, was nicht nur Apples Einnahmen über die Apps empfindlich treffen würde, sondern auch die Verbreitung der Mobilgeräte selbst einschränken könnte.

Quelle: bbc.co.uk & handelsblatt.com
Bild: arquera unter CC-BY-SAthepeachdesign.com

Julia Klein am Samstag, 10.04.2010 16:09 Uhr

tagsTags: google flash flashplayer html 5 apple iphone apple adobe

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21 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • RicMedio am 11.04.2010 19:24:52

    Wenn YouTube auf HTML5 umsteigt, ist Adobe innerhalb von einem Tag am Ende :) Hmm also wenn ich versuche mit dem Netbook meiner Frau (Samsung NC20) auf Youtube die Videos mit HTML5 abzuspielen bleibt das Bild fast stehen! :( Egal ob Chrome oder Safari bzw. Firefox Sc ...

  • BoMb_ am 11.04.2010 16:00:41

    Wenn YouTube auf HTML5 umsteigt, ist Adobe innerhalb von einem Tag am Ende :) ...

  • asdf jklö am 11.04.2010 14:13:22

    Obwohl ich starke zweifel an Apples Firmenpolitik habe, kann ich dessen Engagement gegen Flash nur gutheißen :D ...

  • RedParkz am 11.04.2010 13:15:25

    Keine App wird deine Standort-Daten verwenden wenn du es nicht willst. Du musst dies immer bestätigen. Alternativ kann man unter 4.0 auch Apps blocken lassen um die Meldung nicht zu sehen und den zugriff immer zu verweigern. Außerdem darf der Standort laut Apples Entwicklerbestimmungen nicht fü ...

  • Kokossaft am 11.04.2010 12:43:58

    :confused:Hat denn hier keiner bemerkt was Steve Jobs da ausgesagt hat? Also ich find das sehr beunruhigend! Jobs vertritt die Haltung, Mobilwerbung könne individuell auf Interessen und Bedürfnisse von Anwendern zugeschnitten werden und eröffne so einen wichtigen neuen Markt. Oh wi ...

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