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Reaktionen auf das WikiLeaks-Video

Ein kürzlich veröffentlichtes Video, das die Tötung von Zivilisten im Irak - darunter zwei Reuters-Mitarbeitern - durch einen US-Kampfhubschrauber im Jahr 2007 zeigt, sorgt nicht nur in den Medien für Aufsehen. Nun wurde eine Untersuchung des Vorfalls gefordert.

Das Video wurde vorgestern - am Ostermontag - durch die Whistleblowing-Website WikiLeaks veröffentlicht (gulli:News berichtete). Es zeigt den Beschuss einer Gruppe Zivilisten, von denen einige mutmaßlich Waffen tragen, durch einen Apache-Helikopter der US-Armee. Als ein Minivan auf der Bildfläche erscheint und die Insassen sich um die Verletzten zu kümmern versuchen, wird der Minivan ebenfalls beschossen. Bei dem Angriff kamen mehrere Zivilisten ums Leben, darunter zwei Angestellte der Nachrichtenagentur Reuters. Weitere Zivilisten wurden verletzt. Unter den Verletzten befanden sich auch zwei damals vier und zehn Jahre alte Kinder, die im Minivan saßen. Diese wurden zudem nicht, wie ursprünglich erwogen, auf schnellstem Wege ins US-Militärkrankenhaus gebracht, sondern den irakischen Behörden übergeben und anschließend in ein irakisches Krankenhaus transportiert. Neben dem eigentlichen Geschehen sorgten auch die Äußerungen der beteiligten Soldaten, die Vielen allzu gelassen und respektlos vorkamen, für Empörung.

Die US-Behörden versuchten offenbar, den Vorfall zu vertuschen beziehungsweise in den Medien kleinzuhalten. Es hieß zunächst, es habe Auseinandersetzungen gegeben - wofür es im Video keinerlei Anzeichen gibt; dort schießt niemand außer den US-Truppen - und man habe alles getan, um zivile Opfer zu vermeiden. Auch dafür finden sich keine Anhaltspunkte. Anfragen von Reuters unter dem Freedom of Information Act, das Video herauszugeben, wurden stets abgelehnt. Nachdem WikiLeaks die Veröffentlichung des Videos ankündigte, kam es nach Angaben der Website-Mitarbeiter zu einer verstärkten Überwachung durch US-Geheimdienste (gulli:News berichtete).

Apache-Helikopter

Apache-Helikopter

In den vergangenen zwei Tagen wurde das Video von zahlreichen namhaften Fernsehsendern, Zeitungen und News-Portalen behandelt. Dies blieb natürlich auch den Pentagon-Verantwortlichen nicht verborgen, so dass man mittlerweile Stellung nahm. Ein Pentagon-Sprecher bestätigte offiziell die Echtheit des Videos. Er betonte allerdings, die Soldaten hätten sich, wie man stets gesagt habe, an die Regeln für solche Situationen ("Rules of Engagement") gehalten. Dementsprechend gebe es auch keinen Cover-Up - das Gefecht und den Tod der Zivilisten habe man stets zugegeben. Zudem würden interne Untersuchungen die Einschätzung bestätigen, dass einer der Menschen einen Raketenwerfer mit sich geführt habe. Forderungen nach einer Bestrafung der beteiligten Soldaten wies die Militärführung zurück mit der Begründung, die Getöteten seien nicht von Aufständischen zu unterscheiden gewesen. Auch im Falle der beiden Reuters-Angehörigen habe man vom Helikopter aus nicht unterscheiden können, ob diese Kameras oder Waffen trugen.

Auch der Vater des getöteten Fotografen Namir Noor-Eldeen äußerte sich mittlerweile öffentlich zu dem Video. Er sagte, dieses rechtfertige die Forderungen der Familie nach einer Anklage der Beteiligten. Endlich sei die Wahrheit ans Licht gekommen, sagte er und fragte: "Wenn ein solcher Angriff in Amerika stattfinden würde, selbst wenn ein Tier so getötet würde, was würden sie tun?" Nabeel Noor-Eldeen, der Bruder des Getöteten, warf außerdem die Frage auf, wie die USA mit ihrer High-Tech-Ausrüstung einen so "grundlegenden Fehler" hätten machen können wie eine Kamera mit einem Raketenwerfer zu verwechseln. 

Die Journalisten-Organisation Iraqi Journalists' Union forderte eine Untersuchung der Vorfälle. Ein Sprecher sagte, das Video sei Beweis für eine Straftat. Dies verlange nach einer Untersuchung. 

Quelle: Telegraph

Annika Kremer am Mittwoch, 07.04.2010 16:44 Uhr

tagsTags: irak irakkrieg

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80 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Zeddicius am 23.04.2010 20:12:32

    Das Pentagon ist übrigens in der Tat lt. eigener Aussage nicht in der Lage das Originalvideo zu finden :D Und so ein Verein schickt neuerdings Raumfähren in das All. Wahrscheinlich sind die ganzen un ...

  • Lawrence am 23.04.2010 18:03:57

    Heute war in BBC ein Beitrag darüber, zwei Soldaten die den Angriff vom Boden aus beobachtet haben, haben einen Entschuldigungsbrief an Afghanistan geschrieben, haben beschrieben wie sie den Betroffenen geholfen haben und kritisierten auch ihre Kollegen im Heli. Laut ihnen war der zweite Angriff l ...

  • GuntiNDDS am 11.04.2010 02:44:45

    Das Pentagon ist übrigens in der Tat lt. eigener Aussage nicht in der Lage das Originalvideo zu finden :D Es gibt (unbestätigte) Gerüchte aus Militärkreisen das es vorsätzlich gelöscht wurde. http://edition.cnn.com/video/#/video/international/2010/04/07/bs.julian.assange.wikileaks.int.c ...

  • Route6the6 am 10.04.2010 22:16:12

    Ich habe mir das Video also die langfassung angeschaut und muss sagen das es schon schlimm ist. Wie die Solaten sich gegenseitig anstacheln um ja nur den Highsore zu haben. Aber wie sagt schon ein altes Sprichwort .-) Krieg ist die Hölle Route 6the6 ...

  • Frank-y am 10.04.2010 21:57:07

    Im Pentagon wird man sich wohl eher mit der Frage beschäftigen, WER das Video veröffentlicht hat und warum es nicht schon längst GELÖSCHT wurde. Das liegt wohl nicht nur an deiner verqueren Auffassung eines Rechtsstaates, nämlich von Hetzern, dass man de ...

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