
Auch im Nachbarland Österreich sind Computerspiele mit gewalttätigen Inhalten ein Thema. Dies umso mehr, seit nach Deutschland auch die Schweiz solche Spiele verbieten lassen möchte. Schweizer wie deutsche Politiker postulieren oft einen Kausalzusammenhang zwischen Gewaltspielen und erhöhtem Aggressionspotential bei Jugendlichen. Prof. Dr. Michael Wagner, der an der Donau-Uni Krems eine Professur für technologieunterstütztes Lernen und Multimedia inne hat, zweifelt dieses simpel induzierte Pauschalurteil allerdings an: "Tatsächlich wissen wir heute immer noch sehr wenig über die Wirkung von Computerspielen und werden es wahrscheinlich auch in Zukunft niemals vollständig wissen [...] Die meisten Expertinnen und Experten, die zum Thema Computerspiel forschen, gehen heute davon aus, dass es keine oder maximal eine vernachlässigbare Wirkung gibt."
Trotzdem gibt es ähnlich viele Studien, die einen Zusammenhang zwischen Spielen mit gewaltbezogenen Inhalten und Amokläufen untermauern, wie es Studien gibt, die keinen feststellen. Wagner erklärt diese gegensätzlichen wissenschaftlichen Aussagen damit, "dass man auch als Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler bei einem derartig emotionalisiertem Thema Gefahr läuft, die eigene Meinung unbewusst in die wissenschaftliche Bewertung einfließen zu lassen. Da es sich um ein extrem schwierig zu erforschendes Gebiet handelt, ist dies leider häufiger der Fall als es eigentlich sein sollte."
Für den Wissenschaftler ist das Thema zu komplex, um es auf simple Aussagen und Lösungen herunterbrechen zu können: "Es handelt sich um ein Thema, dass für jedermann leicht zugänglich ist und eine auf dem so genannten Hausverstand beruhende Scheinlösung anbietet. Tatsächlich ist die Problematik allerdings erheblich komplizierter, als man selbst als Experte auf den ersten Blick annimmt." Seiner Ansicht nach liegt auch genau darin der Grund für die großteils undifferenziert geführte Mediendebatte darüber. "Diese Komplexität ist dem Großteil der Bevölkerung nicht vermittelbar und stößt daher in den Massenmedien auf geringes Interesse."
Aus Wagners fachwissenschaftlicher Sicht können Gewaltspiele keine Ausbrüche im Umfang eines Amoklaufs auslösen. In Bezug auf wahllose Gewaltexzesse gegen Menschen betont er: "Die Gründe für einen Amoklauf liegen in der Regel in einer tiefgehenden persönlichen Verletzung, die sich über Jahre hinaus aufbaut. Wenn überhaupt ist der Konsum von derartigen Spielen höchstens ein Symptom aber niemals eine Ursache."
Gerade diese Aussage legt den Schluss nahe, dass ein Verbot solcher Spieletypen keine positiven Auswirkungen haben kann. Wagner moniert daher das Verhalten in der Gesellschaft: "Es gibt in den deutschsprachigen Ländern eine gewisse Tradition der so genannten Bewahrpädagogik, also der Tendenz, Medien oder Inhalte, die als gefährlich betrachtet werden, lieber zur Sicherheit zu verbieten."
In Zeiten des freien europäischen Handels stellen solche Verbote aus seiner Sicht auch keine reale Hürde mehr dar. "In der heutigen Zeit hat sich dieser Ansatz (des Verbietens) vollkommen ad absurdum geführt. Durch ein Verbot werden Inhalte für die Jugendlichen noch interessanter und die Verbreitung durch das Internet lässt sich mit rechtsstaatlichen Mitteln heute nicht mehr verhindern. Durch ein Verbot erreicht man also genau genommen gerade das Gegenteil dessen wofür Jugendschutz steht."
Was die österreichische Rechtslage angeht, die sich in Bezug auf jugendgefährdende Medien ähnlich wie die deutsche darstellt, sieht Wagner keinen Änderungsbedarf. "Meiner Meinung nach reicht die derzeitige Gesetzeslage durchaus aus. Es ist ja auch jetzt schon möglich, Inhalte unter gewissen Umständen entweder zu verbieten und unter einen strengen Jugendschutz zu stellen."
Auch in Deutschland ist es möglich und auch praktiziert, Inhalte, die von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien als nicht zumutbar angesehen werden, durch diese zu indizieren. Warum jedoch ein generelles Verbot gewalttätiger Spiele, das sich so auch auf erwachsene, mündige Bürger erstrecken würde, notwendig sein soll, ist durch Amokläufe von Jugendlichen kaum erklärbar.
Nach wie vor gibt es über gewaltätige Videospiele kaum einen wertneutralen öffentlichen Diskurs auf fachlicher Basis. Einer ähnlichen Situation sah sich nicht nur die deutsche Öffentlichkeit Ende der 70er bis weit in die 80er Jahre hinein gegenüber. Damals wurden Hard Rock Bands und Künstler wie KISS oder Alice Cooper für normabweichendes Teenagerverhalten verantwortlich gemacht. Kultursoziologisch betrachtet lässt dies vermuten, dass sich jede Epoche ihre medialen Sündenböcke sucht, um ihre gesellschaftlichen Strukturen nicht in Zweifel geraten zu lassen.
Quelle: derstandard.at
Bild: wikimedia.org unter CC-BY
Julia Klein am Montag, 29.03.2010 23:58 Uhr
Ironischerweise geht es ja auf Hardcorefestivals mit unzähligen Skinheads friedlicher zu als in der örtlichen Disco mit ein paar hundert halbstarken Discopumpern mit Bräunungscreme, gezupften Augenbrauen und generell metrosexuellem Outfit. Danke, hätte nicht ge ...
Diese Killerspieldiskussion ist so lächerlich und erbärmlich. Ich verliere langsam jede Hoffung in die Menschheit. :rolleyes: Hoffnung + Menschheit = Error Ne ma ehrlich hört euch ma dieses Lied an http://www.youtube.com/watch?v=OfDJO5Ut8Qw Spez ...
Diese Killerspieldiskussion ist so lächerlich und erbärmlich. Ich verliere langsam jede Hoffung in die Menschheit. :rolleyes: ...
Wenn man keine Ahnung hat... Wozu haben wir Infanterie in Afghanistan? Wenn wir nur die Luftwaffe hinschicken würden, ein paar Bombardements und Aufklärungsflüge machen, mkay... Aber so? Nö. ...
Man schaue nach Holland, dort feiern die Menschen betrunken und bewaffnet aber von Amokläufen hört man trotzdem nichts. Ironischerweise geht es ja auf Hardcorefestivals mit unzähligen Skinheads friedlic ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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