
Das Memo ist sehr aktuell. Es stammt vom 11. März 2010 und hat speziell die Frage zum Inhalt, wie die Unterstützung des Militäreinsatzes in Afghanistan unter der Bevölkerung Deutschlands und Frankreichs gestärkt werden kann. Nach dem Rückzug der niederländischen Truppen aus Afghanistan Anfang des Jahres ist die US-Regierung offenbar besorgt, dass auch andere Länder diesen Kurs einschlagen könnten. Deutschland und Frankreich stellen das dritt- und viertgrößte Truppenkontingent in Afghanistan; ihr Rückzug wäre daher von erheblicher strategischer Bedeutung.
Für Frankreich und Deutschland gibt es in dem Memo jeweils eigene PR-Strategien, die auf die speziellen Sichtweisen der Menschen eingehen. So ist in Frankreich nach Ansicht der CIA-Analysten ein besonders großes Mitgefühl mit afghanischen Frauen und Kindern gegeben. Darauf sollte nach Ansicht der CIA für die Öffentlichkeitsarbeit aufgebaut werden. Die Deutschen dagegen seien besonders ängstlich, was die Konsequenzen eines Scheiterns der Mission - genannt werden Drogen, mehr Flüchtlinge und Terrorismus - angehe. Zudem machten sie sich Sorgen um das Ansehen ihres Landes in der NATO. Auf diesen Erkenntnissen aufbauend geben die CIA-Analysten detaillierte Ratschläge zur Manipulation der öffentlichen Meinung in beiden NATO-Staaten.
Bisher allerdings konnten sich die Mächtigen auf das Schweigen der Mehrheit verlassen. "Die Apathie der Öffentlichkeit ermöglicht es den Politikern, die Wähler zu ignorieren", heißt es in dem CIA-Memo provokant. Die geringe öffentliche Präsenz des Afghanistan-Einsatzes habe es den französischen und deutschen Autoritäten ermöglicht, "die öffentliche Meinung außer Acht zu lassen und ihre Beteiligung an den Truppen der International Security Assistance Force (ISAF) stetig zu vergrößern", schreiben die Analysten. Eigentlich seien 80% der Deutschen und Franzosen gegen eine Entsendung von mehr Truppen und kaum jemand in diesen Ländern sehe den Afghanistan-Einsatz als besonders wichtig an. Die meisten Deutschen und Franzosen fühlen sich für die Probleme in Afghanistan nicht zuständig. Das allerdings, so die CIA, bedeute auch, dass die meisten Befragten nicht sonderlich viel über die Problematik nachdächten.
Im Falle größerer Opferzahlen unter den eigenen Soldaten allerdings, so das Memo, könne diese "passive" Ablehnung schnell in offene, "poltisch mächtige" Feindseligkeit umschlagen. Auch anstehende Wahlen könnten die Politiker dazu bewegen, sich ein Beispiel an den Niederlanden zu nehmen und "auf die Wähler zu hören". In Deutschland könnten insbesondere die Landtagswahlen im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen diese Auswirkung haben. Auch die politischen Nachwirkungen des Luftschlags in Kundus werden als Faktor für eine eventuell kritischere Betrachtung des Afghanistan-Einsatzes und einen größeren Druck auf die Politik, keine neuen Truppen zu schicken, genannt.
ISAF (Logo)
Man darf gespannt sein, ob die genannten Strategien trotz ihrer nun erfolgten Veröffentlichung noch angewendet werden. Wer dieses Memo gelesen hat, dürfte jedenfalls Medien-Berichte zum Thema Afghanistan mit anderen Augen betrachten. Zudem wirft diese detaillierte Beschreibung von Strategien zur Manipulation der öffentlichen Meinung eine besorgniserregende Frage auf: wo und wie finden solche Manipulationen sonst noch statt? Diese Frage dürfte nur sehr schwer zu beantworten sein. Umso wichtiger ist jeder Schritt in diese Richtung.
Annika Kremer am Samstag, 27.03.2010 03:17 Uhr
Hier noch mal ein kleiner Überblick über die lage im allgemeinen in Afghanistan. http://www.youtube.com/watch?v=aoA9JAWjQ3c ...
was ich für bedenklich halte ist dass hier manch einer glaubt dass es ok sei Krieg zu führen, weil es keine Beweise für das betrügerische Verhalten der westlichen Regierung gäbe. Müsste es nicht anders herum sein? Solange es keine Beweise für die Korrektheit des Handelns der westlichen Regier ...
Als Ergänzung zum Beitrag von gestern: Die Bush-Regierung setzte sich überwiegend mit Leuten aus der Öl- und Rüstungsindustrie zusammen. Bush selbst war Ölunternehmer und sein Vize Cheney Chef von Halliburton, weltgrößter Zulieferers der Ölindustrie. Condoleezza Rice die Sicherheitsberaterin ...
Ungeheuerlich wie unsere Staatsorgane denken. Das ist also "Freiheit und Demokratie" Mitleid heucheln und Angst einjagen. ...
@TheSeventhCross So ungefähr lautet die Devise, lesen bildet: http://en.wikipedia.org/wiki/Wolfowitz_Doctrine http://dc127.4shared.com/img/62118966/836a711d/Zbigniew_Brzezinski_-_The_Gran.pdf[/ ...
Lars Sobiraj am 04.02.2012, 11:32 Uhr
Während Die Linke zur Teilnahme an einem europaweiten Aktionstag gegen ACTA aufruft und Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger die Kritik am internationalen Handelsabkommen zurückweist, führte der Jurist Jens Ferner eine ausführliche Analyse jedes einzelnen Artikels durch. Wir fragten ihn, wie gefährlich ACTA tatsächlich ist. In welchem Rahmen bedroht dieses Abkommen unser aller Freiheit?
Lars Sobiraj am 08.02.2012, 12:51 Uhr
Im Rhein-Neckar-Kreis wurde ein simpler Diebstahl mit Hilfe einer DNA-Analyse aufgeklärt. Der 44-jährige Verdächtige trank ein Bier in einem Eiscafé, bevor er die Brieftasche eines Fremden stahl. Weil seine DNA in der Datenbank des Landeskriminalamts vorliegt, konnte ihn die Polizei anhand seiner DNA-Spuren am Bierglas als Schuldigen ausmachen.
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