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Julian Assange: Überwachung von WikiLeaks "exzessiv"

Nachdem die Mitarbeiter der Whistleblowing-Website WikiLeaks aufgrund einiger brisanter Veröffentlichungen verstärkt unter Geheimdienst-Überwachung gerieten, nahm Editor Julian Assange nun Stellung.

Mitte der Woche häuften sich auf dem Twitter-Account die Meldungen über Geheimdienst-Aktivitäten gegen das Team von WikiLeaks. Die Mitarbeiter wurden verfolgt, abgehört und es fanden auch Verhöre und Beschlagnahmungen statt (gulli:News berichtete). Bei vielen Unterstützern und Interessierten lösten diese Nachrichten Besorgnis aus. WikiLeaks-Editor Julian Assange beruhigte die Leser in einem Tweet und kündigte gleichzeitig an, man werde in Kürze eine "geeignete Antwort" veröffentlichen.

Diese Ankündigung machte Assange nun wahr. In einem Kommentar schreibt er, WikiLeaks sei schon in den vergangenen Jahren "das Ziel feindlicher Akte durch Sicherheitsdienste" gewesen. Damit bezieht er sich nicht nur auf das kürzlich geleakte CIA-Memo, das WikiLeaks als Bedrohung für die nationale Sicherheit einstuft und eine Zerstörung der Website durch Untergraben des Vertrauens der Öffentlichkeit erwägt (gulli:News berichtete). Auch zahlreiche andere Aktivitäten rund um den Globus werden von Assange beschrieben. Trauriger Höhepunkt der Liste ist die Ermordung zweier mit WikiLeaks in Verbindung stehender Menschenrechts-Anwälte in Nairobi im vergangenen März.

WikiLeaks (Logo)

WikiLeaks (Logo)

Im Großen und Ganzen, so Assange, habe man sich an "das Ausmaß des Interesses der Sicherheitsdienste an [WikiLeaks] gewöhnt und Prozeduren geschaffen, dieses Interesse zu ignorieren". Im vergangenen Monat allerdings sei das Interesse der Geheimdienste und das Ausmaß der Überwachung "exzessiv" geworden - obwohl man, wie Assange selbst schreibt, aufgrund der Finanzierungsprobleme kaum Dokumente veröffentlicht habe. Assange vermutet, dass ein Teil des Interesses mit der Ankündigung zusammenhängt, am 5. April einen Film über einen Luftangriff durch US-Truppen zu veröffentlichen. Der WikiLeaks-Editor verwendet in diesem Zusammenhang den Begriff "Massaker" und schreibt von mehreren zivilen Opfern. Das Video hat also offenbar eine große Brisanz und könnte massives Fehlverhalten der beteiligten Soldaten dokumentieren.

Als weitere mögliche Gründe werden die Veröffentlichung des erwähnten CIA-Berichts sowie eines vertraulichen Telegramms der US-Botschaft in der isländischen Hauptstadt Reykjavik genannt. Bei letzterem geht es um Absprachen zwischen den USA und Großbritannien bezüglich Krediten für Island (Icesave). Auch weitere, noch nicht veröffentlichte Dokumente über Korruption in Island könnten laut Assange für das verstärkte Interesse der Geheimdienste an WikiLeaks mit verantwortlich sein.

Assange beschreibt recht detailliert einige der Überwachungsversuche durch isländische und US-Behörden. Auch geht er darauf ein, dass am vergangenen Montag ein (minderjähriger) WikiLeaks-Unterstützer von der isländischen Polizei unter einem Vorwand festgehalten und zu WikiLeaks befragt wurde. Dem Jugendlichen wurden offenbar Fotos eines vertraulichen Treffens der WikiLeaks-Mitarbeiter gezeigt, bei dem es um das Video des US-Luftangriffs ging. Dabei bewiesen die Polizisten Hintergrundwissen, das sie nicht allein bei einer Beobachtung des fraglichen Gebäudes von außen gewonnen haben konnten.

Julian Assange beim 26C3

Julian Assange beim 26C3

In seinem Kommentar wirft Assange die Frage auf, wem beziehungsweise wessen Werten gegenüber die isländischen Behörden loyal seien. Er schreibt, bei einem Machtwechsel dauere es oft eine Weile, bis auch die Mitarbeiter der Behörden die neuen Verhältnisse und Werte vertreten würden. Die alte isländische Regierung unterstützte beispielsweise den Irak-Krieg. Island wurde sogar von der CIA als Landeplatz bei ihren geheimen Gefangenentransporten genutzt - offenbar mit Billigung von Regierung und Sicherheitsbehörden.

Assange versichert, man plane noch immer, das vieldiskutierte Video am 5. April zu veröffentlichen. 

Zudem bat WikiLeaks die Autoritäten von USA und Island um eine Erklärung ihrer Aktivitäten. "Wenn diese Länder als legitime Staaten behandelt werden wollen, müssen sie anfangen, sich an das Gesetz zu halten. Jetzt," fordert Assange. 

Bild: Foto von Julian Assange beim 26C3 via Wikimedia Commons unter CC-BY 2.0 Generic

Annika Kremer am Samstag, 27.03.2010 01:08 Uhr

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12 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • unpolitisch am 30.03.2010 05:16:17

    Wikileaks will 37.000 E-Mails der NPD veröffentlichen http://www.imagebanana.com/img/4yri8ny/affe300x224.jpg ...

  • Prom_Killer am 28.03.2010 16:54:42

    Ich würde doch gar nicht in der Öffentlichkeit als Mitarbeiter von WL auftauchen, die leben doch dann ziemlich gefährlich? im gegenteil: die öffentlickeit ist der einzige schutz, den sie haben. also ich würde lieber öffentlich auftreten und nach dem motto "an ...

  • Fargurd am 28.03.2010 16:35:25

    Wenn das Video kommt, dann kann einiges passieren. Ob die Massenmedien das Thema aufgreifen liegt wohl auch ein wenig daran, ob die Internetgemeinde ihnen auf die Füße tritt. Manchmal muss man Zeitungen zu ihrem Glück zwingen, wenn permanent Mails eingehen, kommt man schlecht drumherum. Oder ab ...

  • Annika_Kremer am 28.03.2010 13:00:52

    @PassivAktiv: Glaub ich nicht. Das hat die Geheimdienste im Fall von Greenpeace auch nicht von deren Tun abgehalten. Und Greenpeace ist sehr viel größer und viel bekannter als Wikileaks. Ja, und sie haben sich auch so krass blamiert/unmöglich gemacht mit der Geschi ...

  • Farzi am 27.03.2010 15:31:46

    Eigendlich ist Wikileaks relativ uninteressant geworden, seit es dort nur noch sehr wenig ausgewählte Texte gibt. Aber wenn die Wikipedia bei jedem Fundraising mal eben den zugänglichen Datenbestand auf 100 Seiten beschränken würde, wär die auch längst weg vom Fenster... Virales Marketing fun ...

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