
Man will mit dem neuen Vorhaben Brücken zwischen den Urhebern und den Nutzern der Seite bauen. Die Contentindustrie und alle Filesharer gemeinsam in trauter Runde? Eine Vorstellung, die viele Leute zum Kopfschütteln bewegen dürfte. Man kann sagen, was man will: Die Firma in Cham hat sich damit keine leichte Aufgabe gesucht. Möglicherweise ist dies aber die einzige Lösung, die ein Überleben auf Dauer garantieren kann.
Rapidshare beschreibt bei TorrentFreak selbst sehr genau, zwischen welchen Fronten sie derzeit zerrieben werden. Sie möchten ihre zahlenden Kunden zu ihrer vollsten Zufriedenheit bedienen. Andererseits haben zahlreiche Rechteinhaber in den letzten Wochen und Monaten eine weitaus härtere Gangart eingelegt, um ihre Urheberrechte zu verteidigen. Interessanterweise bezeichnet ausgerechnet Rapidshare-CEO Bobby Chang Uploader von geschützten Inhalten als „Kriminelle“. Man will diese weiterhin aggressiv „ins Visier nehmen“. Dies sind in der Tat höchst ungewohnte Worte aus der Schweiz. Gesperrt werden aber nur die Premium-Accounts der Uploader. Die IP-Adressen der Downloader werden wie üblich nicht mitgeschnitten.
Wie Chang in einer E-Mail an die Industrie mitteilt, hat sich der Aufsichtsrat der Rapidshare AG dazu entschlossen, sich nicht mehr alleine auf das Filehosting-Biz zu verlassen. Man will vermehrt legale Inhalte anbieten und vertreiben. "Seit einigen Wochen und Monaten haben wir Veränderungen im Filehosting Geschäft beobachtet. Mehrere neue Akteure versuchen mit heftigen und unseriösen Geschäftspraktiken den Markt für sich zu erobern. Ich bin davon überzeugt, dass diese Akteure sehr viele Bemühungen in Ihre Aktivitäten investierten, um die Gunst der Nutzer zu erhalten, die auf Cyberlocker Dienste angewiesen sind, um urheberrechtlich geschütztes Material verteilen und verbreiten zu können." Man möchte sich von einem derartigen Verhalten klar abgrenzen und Verfahren gegen Konkurrenten in Gang setzen, die absichtlich „kriminelle Aktivitäten“ unterstützen. Chang erklärte auch, seit Jahren würde man mit Organisationen wie der GVU kooperieren. Er möchte aber nicht im Detail erläutern, welche Konsequenzen sich aus dieser Zusammenarbeit ergeben haben.
Statt lediglich die Seiten zu schließen, von denen urheberrechtlich geschütztes Material heruntergeladen werden kann, möchte der Dienstleister künftig die Nutzer zu einem eigenen Online-Shop weiterleiten, in dem die User denselben Inhalt legal käuflich erwerben können. "Wenn ein Nutzer feststellt, dass mehrere Versuche scheitern eine rechtswidrige Kopie einer DVD herunterzuladen, und diese Versuche diese DVD "zu stehlen" ihn zu einem Online-Shop geführt haben, könnte er letztendlich frustriert sein und zudem bereit eine lizenzierte Kopie des Films zu kaufen, was auch für andere Medien wie Musik und Spiele gilt", erläutert Bobby Chang seinen Plan. Nach eigenen Angaben hat man bereits ein Lizenzgeschäft für Werbematerial (Trailer) mit dem Filmstudio Warner Bros. abgeschlossen und würde gerne dieses Geschäft auf komplette Titel verschiedener Studios erweitern. Wer also deren Werke herunterladen will, bekommt den Trailer statt den Download zu Gesicht. Chang spricht von bis zu 250.000 Unique Visitors täglich auf derartigen Werbeseiten. Benutzer von automatischen Download-Tools bekommen diese natürlich nicht zu sehen, dafür funktioniert aber dennoch der gewünschte Transfer nicht.
"Wir sind bereit erheblich in diesen Online-Shop zu investieren und würden uns freuen, uns mit der Unterhaltungsindustrie über RapidShare zu unterhalten, und zwar nicht als Gefahr sondern als Möglichkeit um Ihre Produkte zu verkaufen. Mein Unternehmen hat mehrere Millionen Nutzer pro Tag. Ich bin mir sicher, dass ein signifikanter Anteil dieser Nutzer bereit ist, die Filme Ihres Unternehmens zu kaufen", stellt der RS-CEO fest.
Mit dieser Aussage hat er sicher nicht Unrecht. Nicht jeder Besucher dieser Webseite ist dem Kauf von digitalen Gütern total abgeneigt. Gänzlich freiwillig wird man dieses Umdenken in Cham aber nicht vollzogen haben. Auf Dauer steht die Existenz des Unternehmens auf dem Spiel, sollten noch mehr Unternehmen Einstweilige Verfügungen gegen den One-Click-Hoster erwirken. Der Plan ist geradezu genial. Ehemalige juristische Gegner aus der Contentindustrie möchte man zu Kunden machen. Wer kooperiert, bezahlt künftig für Werbung anstatt für Rechtsanwalts- und Gerichtskosten. Filesharer sollen zu Konsumenten konvertiert werden. Wen man oft genug mit den Werbeeinblendungen nerven konnte, der kauft die Ware vielleicht sogar. Ansonsten wird der Anbieter dafür sorgen, dass die Werke der Partner keinesfalls auf dem eigenen Webspace verfügbar sind. Die aktuelle Entwicklung könnte spannender nicht ausfallen.
Bild: Bobby Chang und sein Berater Mola Adebisi auf der Music Meets Media im Vorjahr. Foto: Lars Sobiraj.
Stellt sich nur die Frage, ob beide Seiten das mitmachen werden. Viele Rapidshare-User werden dem Anbieter den Rücken kehren und sich auf die Suche nach Alternativen machen. Erste Versuche, sich auf der Music Meets Media letzten Sommer auf die Vertreter der Musikbranche zuzubewegen, gingen schief. Wir haben aber von weiteren geheimen Verhandlungen gehört, die bereits dieses Jahr stattgefunden haben. Grundsätzlich wäre dies eine Zusammenarbeit, die für beide Seiten nur von Vorteil wäre. Rapidshare könnte trotz eines nicht geringen Verlusts an zahlenden Kunden sein Überleben sichern. Die Unternehmen der Unterhaltungsbranche könnten so mit weniger finanziellem Aufwand dafür sorgen, dass ihre Werke dort nicht mehr illegal angeboten werden. Sollten genügend Firmen auf den Zug aufspringen, könnte der Deal gelingen. Verlierer wären primär die kleinen und kleinsten Anbieter wie die Independent-Labels, da diese sich kaum die Kosten für die Werbung leisten können. Und wer aus der Rapidshare-Community absolut nichts kaufen will und sich gegen diese Entwicklung sperrt, wird früher oder später auf einen anderen Filehoster wechseln. Dieser wird seinen Hauptsitz sicherlich dort haben, worauf kein deutsches oder europäisches Gericht Zugriff hat.
Lars Sobiraj am Freitag, 26.03.2010 23:23 Uhr
Gut, dass mein Jahresabo gerade ausläuft... :rolleyes: Wer bei einem solchen Unternehmen jährlich zahlt ist nicht sonderlich clever, so ein Gesetz kann in ein paar Wochen anders sein und dann ist der Dienst futsch und wenns ganz hart kommt werden die Großabnehmer gl ...
Haha... verkalkte News ständig über Rapidshare. Und einige Post's von manchen Usern, die strotzen nur so vor Bild-Niveau-Naivität... soviel Essen kann man garnicht, wie einem der Magen hochkommen sollte, bei so manchen äußerrungen. Damit ist nicht direkt deren Meinung gemeint, sondern eher, de ...
Also alles April, April und man kann wieder unbesorgt bei Rapidshare runterladen ? Falschmeldungen verunsichern RapidShare-Kunden März 29, 2010 In den letzten Tagen sorgten E-Mails für Aufregung, die dem Empfänger illegale Aktivitäten unterstellten und behaupteten, RapidShare würde zah ...
Ich frage mich ob sich die angebotenen Inhalte ändern werden. Legale Downloads werden sich dort sicherlich zwischen behaupten und so auf einen grossen Kundenkreiss bauen. ...
Lustig, als gäbe es keine andere Möglichkeit als entweder zu saugen oder zu kaufen. Dann verzichtet man doch einfach. Geht mindestens genauso gut. Oder glaubt jemand ernsthaft, wenn jemand hundert Filme geladen hat diese sich dann sofort im Laden á 20 Euro kauft? ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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