
Serguei Beloussov ist seit 2003 Geschäftsführer (CEO) von Parallels, einem der Marktführer im Bereich Virtualisierungs- und Automatisierungssoftware. Im Interview mit dem Magazin t3n kritisiert er Open Source Projekte, obwohl sein Unternehmen selbst Open Source Software produziert. Wie passt das zusammen?
Open Source Projekte wie Mozillas Firefox und Betriebssysteme wie Linux spielen gerade in webbasierten Diensten eine wichtige Rolle. Aus Googles oder Amazons Web-Playern ist diese communityorientierte Software-Entwicklung in Zeiten des Cloud Computing nicht mehr wegzudenken. Obwohl Parallels selbst Platz 9 der Top 10 Contributors zum Linux Kernel belegt und durch die erforderliche GPL-Lizensierung seiner Arbeit Freie Software herstellt, kann der Firmenleiter selbst dieser Form der Software-Entwicklung nichts abgewinnen: "Open Source ist ein riesiger Haufen Scheiße! Ich hasse Open Source. Das mag daran liegen, dass ich im Kommunismus aufgewachsen bin und dieses ganze Gerede von der Community nicht mehr hören kann. Das habe ich mein halbes Leben lang ertragen müssen. Hier wird oft nicht danach entschieden, was die Anwender wollen oder was aus technischer Sicht den meisten Sinn macht, sondern nach den persönlichen Vorlieben und Aversionen der jeweiligen Projektleiter. Denken Sie nur an die Diskussion um XEN und KVM. Mir kommt das in den Open Source-Communities manchmal vor wie bei Gewerkschaftern, die das vor allem machen, um ihr eigenes Ego zu bedienen."
Die Gleichsetzung des gefragten und zunehmend marktrelevanten Entwicklungskonzepts Open Source mit der Gesellschaftsform des Kommunismus ist nur schwer nachvollziehbar. Die gemeinschaftliche, flexible Entwicklung von Software-Lösungen auf Basis relevanter Anwenderfreiheiten wäre mit den planwirtschaftlichen Grundsätzen kaum vereinbar gewesen. Inwiefern jedoch bei der Entwicklung von Open Source Software auf die Anwenderbedürfnisse nicht eingegangen wird, ist ebenso unklar. Das Konzept gemeinschaftlicher Software-Entwicklung ist ohne den direkten Einfluss von Anwendern, die Bug-Reports schicken oder bestimmte Verbesserungen anregen, undenkbar. Dies zeigte vor allem Netscape 1998 beim Release seines Quellcodes, das als Mozilla-Projekt bekannt wurde. Berücksichtigen proprietäre Hersteller die technische Verliebtheit von Projektleitern wirklich weniger und dafür die Kundenwünsche mehr? Wollen Kunden beispielsweise DRM?
Auf die Nachfrage des t3n-Journalisten, ob sich Unternehmen wie Parallels ohne das Open-Source-Konzept nicht wesentlich langsamer entwickeln würden, entgegnet er: "Eine hoch qualitative, schnelle und perfekt koordinierte Projektsteuerung ist in reinen Open-Source-Projekten einfach nicht möglich. Genau deshalb steht Linux hier vor einer großen Herausforderung."
Harte Worte also von einem Mann, der sein Geld mit Freier Software verdient und ohne sie möglicherweise nicht sehr bekannt geworden wäre. Ob ein solches Sägen an dem Ast, auf dem man sitzt, zur Glaubwürdigkeit beiträgt, kann nur spekuliert werden.
Bild: oddsock unter CC-BY-SA
Update: Nachdem seine Aussagen für einigen Wirbel gesorgt hatten, gab er nun zu verstehen, dass das alles nur als Scherz gemeint sei. Man soll ihn und die Firma alleine an deren Taten messen, diesbezüglich hätte man sehr viel für die Open Source Bewegung getan.
Julia Klein am Donnerstag, 25.03.2010 10:48 Uhr
ein hoch auf menschen die alles immer bierernst nehmen :beer: ...
Ob jemand in einem Interview irgendetwas in einer lachenden Modalität äußert, ändert nichts am Gehalt der Aussage. Es haben sich schon deutlich eloquentere Menschen auf diese Art um Kopf und Kragen geredet. Wer ein Interview dieser Art gibt, hat üblicherweise genügend Zeit, sich sehr genau zu ...
Als ob es im Kapitalismus funktionieren würde, dass die Bedürfnisse der Anwender und das technisch beste Konzept an erster Stelle stehen würden... Würde es wenn denn Leuten Eier wachsen würden, alle jammern aber kaufen es trotzdem, Windows Vista. ...
Hab schon so ne Ahnung gehabt, das das nicht ganz ernst gemeint war,... ich mein, welcher ernstzunehmende CEO (ausser Steve Ballmer ;) ) drückt sich derart primitiv aus? ^^ ...
naja nicht ganz unrecht hat er ja. Wäre Windows so beschaffen wie ein OS-OS, glaubt ihr, das Internet wäre so verbreitet wie heute? Als ob eine OS-Community aus Info-Supercheckern programmer für Nicht-Info-Superchecker programmieren würde, WENN, tja wenn sie niemand dafür bezahlen würde. S ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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