
Da dank einer aktuellen, jedoch streitbaren Studie des Unternehmens TERA Consultants nun jeder weiß, wie viele Arbeitsplätze Internetpiraterie in Europa kostet und welche Verluste dabei angeblich entstehen, muss sich auch europäisch Hollywood zu Wort melden.
Agnete Haaland, Präsidentin der International Actors' Federation äußerte, ihrer Ansicht nach sei der Begriff der Piraterie in den Köpfen der Menschen zu positiv besetzt: "Für mich ist Piraterie etwas Abenteuerliches, es erinnert einen an Johnny Depp. Alle wollen wie Johnny Depp sein. Wir sprechen hier aber über eine kriminelle Handlung. Wir meinen etwas, das es unmöglich macht, von dem, was man tut, leben zu können."
Das Wort 'Piraterie' ist also nicht böse genug? An dieser Stelle sei anzumerken, wer den Begriff in die Medienlandschaft geworfen hat: die Kreativindustrie selbst. Ziel dieses Begriffs war es ja, Urheberrechtsverletzungen als eine schwere Straftat erscheinen zu lassen - ob dieser dilettantische Versuch der Ausbeutung von Sprachpositivismus tatsächlich Wirkung gezeigt hat, sei dahingestellt. Möglicherweise ist Frau Haaland und Kollegen vor der Einführung des zweifelhaften Worts nicht aufgefallen, dass der Begriff der 'Piraterie' seit den britischen Freibeuterbriefen zum Einen nur ein historisches Kuriosum darstellt. Zum Anderen erinnert dieser Begriff aufgrund neuzeitlicher Ereignisse vor diversen von der westlichen Wahrnehmung nahezu ausgenommenen Küstenregionen höchstens an Menschen, die mit Maschinengewehren bewaffnet über das Meer fahren und Schiffsladungen stehlen, womit sie eine reale Straftat begehen. Allerdings findet dies seinen Platz nur als Randnotiz in den Medien, wenn die Politik nicht genug Nachrichten abwirft. Somit bahnt sich die 'echte' Piraterie kaum einen Weg in die öffentliche Wahrnehmung.
Überträgt man letztere Vorstellung großzügig auf Privatpersonen, die ohne Waffengewalt und Bedrohung von Leib und Leben anderer durch Mediendownload Urheberrecht verletzen, gleitet die Piraterie-Metapher fast ins Lächerliche. Diese Urheberrechtsverstöße sind nach augenblicklicher Gesetzeslage natürlich rechtswidrige und strafrechtlich belangbare Handlungen. Jedoch entwickeln sich daraus zumeist zivilrechtliche Streitfälle zwischen zwei Parteien.
Dem Aufruf von techdirt.com folgend, alternative Begriffe zu suchen, die das Kriminelle und Grauenhafte der Urheberrechtsverletzung transportieren, an dieser Stelle ein Vorschlag:
Medienschändung (fem., Pl. -en): krimineller Akt der vorgeschoben vorsätzlichen Schädigung übergroßer Medienunternehmen durch Kopieren urheberrechtlich geschützter Werke.
Was der International Actors' Federation an dieser Stelle möglicherweise noch nicht aufgefallen sein mag, ist die Tatsache, das dieses Kopieren urheberrechtlich geschützter Werke bereits eine treffende, unmissverständliche und gänzlich unemotionale Bezeichnung hat, die sogar im Einklang mit dem Gesetzestext steht, nämlich 'Urheberrechtsverletzung'. Allerdings ist dieser Begriff wesentlich weniger reißerisch und medienwirksam.
(Via techdirt.com, thx! Bild: cyberlawcentre.org, thx!)
Julia Klein am Freitag, 19.03.2010 09:16 Uhr
Wie wäre es mit "Der Kunde ist kein König mehr. Er hat nur noch zu funktionieren und zu konsumieren und keine Fragen zu stellen oder gar aufzumucken." :D so siehts doch aus! die denken auch, wir müssten ihnen dankbar sein, dass sie was rausbringen und sichers ...
Wie wäre es mit "Der Kunde ist kein König mehr. Er hat nur noch zu funktionieren und zu konsumieren und keine Fragen zu stellen oder gar aufzumucken." :D Ein Blick aufs Datum sagt mir, dass die Meldung ein paar Tage zu früh kam. Für den 1. April hätte sie gepasst. ...
Die Filmindustrie ist doch selber schuld, dass der Begriff so "weich" ist. Ich bin mir sicher, dass jemand, der mal von Piraten (die echten auf See) überfallen wurde - und es überlebt hat - NICHT sagen würde, dass Piraten schnuckelig klingt... Piraten waren wohl NIE die lieben, aber Hollywood u ...
Europäische Schauspieler - raubkopiert jemand sowas denn überhaupt??? :confused: Och da gibt es durchaus gute Filme. Kommt halt drauf an wie sehr man bereits im Anspruch gesunken ist oder ob man nur Filme schaut die nen Goldenen Hannes bekommen haben...aber hey, es is ...
Europäische Schauspieler - raubkopiert jemand sowas denn überhaupt??? :confused: ...
Lars Sobiraj am 10.05.2012, 13:17 Uhr
Zoe.Leela ist Sängerin und eine engagierte Kritikerin der GEMA, die sich aus ihrer Position als Kreative heraus in der Urheberrechtsdebatte zu Wort meldet. In ihren "vier Thesen" behandelt sie unter anderem die mangelnde Transparenz, den undemokratischen Aufbau und die ungerechte Verteilung der Einnahmen der GEMA. Künstler, kleine Labels und Käufer seien die Verlierer, kritisiert sie.
Lars Sobiraj am 10.05.2012, 17:25 Uhr
Der Anbieter "TIME for kids" bezeichnet sich selbst als "langjähriger Vorreiter im Kinder- und Jugendschutz in Deutschland". Die Software des Unternehmens blockiert derzeit an diversen Schulen von Nordrhein-Westfalen den Zugang zum Wahlprogramm der Piraten. Die Webseite wurde von der automatischen Filtersoftware als möglicher Marktplatz illegaler Drogen ausgemacht und gesperrt.
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