
Das Internet ist ohne Frage ein Bestandteil unseres Lebens, der in unserer Gesellschaft im Laufe der Jahre immer wichtiger wurde und wird. So nützlich dieses Medium auch erscheinen mag: Neben einer gesunden Nutzung besteht stets auch die Gefahr des problematischen Internetgebrauchs. Bei Betroffenen äußert sich dieser dahingehend, dass ihre Leistung in Schule, Ausbildung oder Beruf und auch ihr zwischenmenschliches Umfeld darunter leiden. In zahlreichen Foren und Portalen wurde diese Umfrage beworben, gulli stellte keine Ausnahme dar. 2216 Teilnehmer haben sich an der Erhebung beteiligt.
Das Ergebnis: 2,89% der befragten Personen wurden als internetsüchtig eingestuft. Immerhin 6,27% der Befragten befinden sich in der Gruppe der „suchtgefährdeten“ Menschen. Von der Problematik sind vor allem junge Menschen betroffen. Insbesondere diejenigen, die zum Zeitpunkt der Befragung keine Partnerin beziehungsweise Partner hatten. 72,58% der internetabhängigen Personen sind unter 26 Jahre alt. Ein Großteil der Internetabhängigen war zum Befragungszeitpunkt Single (80,65%). Teilnehmer/innen, die zum Zeitpunkt der Erhebung arbeitslos waren, zeigten im Durchschnitt die höchsten Werte in Bezug auf Depression, Einsamkeit und problematischen Internetgebrauch. Auch die in einer Ausbildung befindlichen Personen sind stark betroffen, diese Gruppierung hat im Durchschnitt die zweithöchste Ausprägungen in den oben genannten Bereichen.
Personen, die angaben im realen Leben über wenige Vertrauenspersonen zu verfügen, tendieren mehr zu einem problematischen Internetgebrauch als diejenigen, die viele Vertrauenspersonen oder ein sehr gutes soziales Netz angaben. Die Anzahl der rein virtuellen Kontakte im Netz scheint aber keinen Einfluss auf die Erkrankung zu haben.
Die Intensität der Nutzung verschiedener Internetanwendungen (Online-Spiele, Foren, Download von Dateien, Instant Messenger) zeigte signifikante Unterschiede in Bezug auf internetspezifische maladaptive (fehlgeleitete) Gedanken und Internetsucht. Personen, die diese Internetdienste am intensivsten (länger als zwei Stunden am Tag) nutzen, erreichen durchschnittlich eine höhere Ausprägungen in diesen Gedanken und problematischem Internetgebrauch. Es ist auffallend, dass hinsichtlich der Depression und der Nutzung von Internetanwendungen durchwegs kleinere oder keine Effekte erkennbar sind. Depressionen sind zwar wichtig in der Entstehung und Aufrechterhaltung des problematischen Internetgebrauchs. Diese können aber auch unabhängig davon auftreten oder entstehen. Je schlechter das soziale Netz beschaffen war, umso eher neigten die Befragten zu einem abnormen Verhalten.
Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Faktoren wie Einsamkeit, Depression und soziale Isolation neben anderen Belastungen eine bedeutende Rolle in der Entwicklung und Aufrechterhaltung in problematischen Internetgebrauch spielen können. Im Rahmen einer Therapie ist es also wichtig, festzustellen, ob diese Belastungen im Einzelfall vorhanden sind, damit sie gemeinsam mit den Betroffenen verringert werden können. Vorbeugende Maßnahmen sollten insbesondere Personen, die arbeitslos sind, jene, die sich in Ausbildung befinden und besonders junge Menschen berücksichtigen.
Der Aufbau der Studie beruht auf den theoretischen Annahmen von Davis aus dem Jahr 2001. In seinem kognitiv-behavioralen Modell des problematischen Internetgebrauchs geht er davon aus, dass internetspezifische maladaptive Kognitionen in der Entstehung und im Verlauf dieser Problematik eine bedeutsame Rolle spielen. Maladaptive Kognitionen sind Gedanken, die ein problematisches Verhalten fördern. (to behave = sich verhalten) Bezogen auf das Internet könnte so ein Gedanke lauten: „Nur im Internet kann ich so sein, wie ich bin“. Derartige Gedanken können die Wahrscheinlichkeit des problematischen Internetverhaltens erhöhen. Daneben können aber auch noch andere Faktoren ausschlaggebend sein. Depressionen haben nach Davis einen Einfluss auf die Entstehung dieser Gedanken und könnten daher für die Internetsucht ursächlich sein oder diese zumindest verstärken.
Die Ergebnisse der Studie, so wenig repräsentativ sie mit etwas über 2000 Teilnehmern sein mag, erscheinen insgesamt wenig überraschend. Das familiäre wie auch sonstige soziale Umfeld war immer schon ein entscheidender Faktor, ob jemand im Laufe der Zeit abnormales Verhalten entwickeln könnte. Faktoren wie Beruf, Alter und ob jemand über eine Beziehung verfügt, wurden ebenfalls schon immer als wichtige Bausteine angesehen. Manche dürfte aber zumindest erschrecken, dass primär junge Menschen betroffen sind. Wenig tröstend wirken auch die virtuellen Kontakte, die für den betroffenen Menschen wenig bis überhaupt nicht hilfreich sind. Ein Gespräch unter vier Augen kann nur selten durch einen Chat via ICQ oder Skype ersetzt werden.
Einfluss auf das Ergebnis dürfte auch die Tatsache haben, dass die Kandidaten nicht per Zufall ausgewählt wurden, sondern sich freiwillig gemeldet haben. Wer das tut, könnte eventuell ein Motiv dafür haben. Dazu kommt: Diejenigen, die sich einem solchen Test freiwillig unterziehen, müssen von ihrer Ausprägung her nicht zwingend den Durchschnitt aller Internet-Surfer darstellen. Dennoch wird klar, dass vor allem sehr junge Menschen gefährdet sind, ihr Leben nach dem Netz auszurichten und dort Dinge zu suchen, die sie im realen Leben nicht gefunden haben.
Verena Seelmann und Marlene Piffl würden sich dennoch gerne an dieser Stelle für eure Beteiligung an der Erhebung bedanken.
Lars Sobiraj am Donnerstag, 11.03.2010 16:26 Uhr
Eben. Von daher ist das, wie auch in der News erwähnt, nicht repräsentativ. Es wurden 64 Leute gefunden, die internetsüchtig sind. Klasse Leistung, aber da finde ich in einer Woche ja mehr. :D Vor allem hat man die, wenn ich richtig gelesen habe, ausschließlich im Int ...
ja ich bin internetsüchtig ich gebe es zu! dank dem internet interessiere ich mich mehr für die Nachrichten bzw für dinge die ich vorher nicht kannte. Sucht ist immer relativ, klar ist man in gewisser Art und Weise davon abhängig, aber solang ich meinen Ausgleich zu dem allen hab ist diese such ...
aber was ist mit der gruppe personen, die sowieso schon im internet gefangen sind, alleine sind, und depressionen haben. hilft es da nicht, überhaupt über sein problem und seine gefühle zu sprechen? damit man nichtmehr alleine mit seinen gefühlen ist. auch wenn der ge ...
was ist eigentlich mit den Leuten die Fernsehsüchtig sind? Von denen weiss man nix. Weil sie passive Zombies sind und nurnoch Informationen konsumieren können. :confused: ...
was ist eigentlich mit den Leuten die Fernsehsüchtig sind? ...
Lars Sobiraj am 04.02.2012, 11:32 Uhr
Während Die Linke zur Teilnahme an einem europaweiten Aktionstag gegen ACTA aufruft und Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger die Kritik am internationalen Handelsabkommen zurückweist, führte der Jurist Jens Ferner eine ausführliche Analyse jedes einzelnen Artikels durch. Wir fragten ihn, wie gefährlich ACTA tatsächlich ist. In welchem Rahmen bedroht dieses Abkommen unser aller Freiheit?
Lars Sobiraj am 08.02.2012, 12:51 Uhr
Im Rhein-Neckar-Kreis wurde ein simpler Diebstahl mit Hilfe einer DNA-Analyse aufgeklärt. Der 44-jährige Verdächtige trank ein Bier in einem Eiscafé, bevor er die Brieftasche eines Fremden stahl. Weil seine DNA in der Datenbank des Landeskriminalamts vorliegt, konnte ihn die Polizei anhand seiner DNA-Spuren am Bierglas als Schuldigen ausmachen.
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