
Der Digital Britain Report von Lord Carter wird bereits seit einiger Zeit voller Spannung erwartet, gibt er doch die grobe Richtung vor, die Großbritannien im Bereich der digitalen Welt einschlagen soll.
Filesharing um 70 Prozent reduzieren
Im Wesentlichen enthält dieser Bericht nicht viele Punkte, die nicht schon vor dessen Veröffentlichung bekannt waren. Zwei Punkte ziehen jedoch die gesamte Aufmerksamkeit auf sich, da sie doch bemerkenswert sind. Die Regierung will das Office of Communications (Ofcom), also die Medienaufsichtsbehörde mit entsprechenden Vollmachten ausstatten. Mit diesen soll die Behörde in der Lage sein, Providern die Speicherung von Daten zu verdächtigen Urheberrechtsverletzern im Internet aufzuerlegen. Darüber hinaus sollen diese dazu gewungen werden, dass sie ihre Kunden kontaktieren und wegen ihres Verhaltens verwarnen, da es gegen das Gesetz verstößt. Sollten sich die Kunden nicht bessern, so würden die Details an die Rechteinhaber weitergeleitet, welche primär aus der Film- und Musikindustrie kommen. Diese könnten daraufhin einen zivilrechtlichen Prozess anstreben. Im Extremfall soll den Urheberrechtsverletzern auch der Zugang zu bestimmten Seiten verwehrt und die Geschwindigkeit ihrer Internetverbindung massiv gedrosselt werden.
Natürlich ist der Weg vom Rohentwurf bis zur tatsächlichen Umsetzung noch weit. Mit genügend Initiative lässt sich dies jedoch zeitnah umsetzen, was auch weitere Elemente des Digital Britain Reports erahnen lassen. Erschreckend ist derweil, dass bereits einige Provider offen erklärt haben, diesem Entwurf Folge zu leisten. Ein solches Statement noch bevor überhaupt klar ist, dass diese Entwürfe jemals Realität werden, scheint vorschnell. Der Provider Orange gehörte zu den Ersten, die bekannt gaben, dass man Willens sei, Aufzeichnungen über häufig verdächtigte Kunden zu führen, um die Rechteinhaber bei juristischen Schritten zu unterstützen. Jedoch würde man diese Vorgänge nicht selbst in die Hand nehmen, da man der Ansicht ist, dass die Mehrheit der Orange-Kunden das Internet für legale Zwecke nutzen. Es wäre nicht fair, wenn diese für die Verfolgungen der Rechteinhaber aufkommen müssten.
Wie massiv eingeschritten werden soll, verrät der 245-Seiten starke Bericht ebenfalls. Sollte der Ansatz mit Ofcom wirklich umgesetzt werden, so erwartet man davon eine Reduzierung des illegalen Filesharings um 70 Prozent - bereits im ersten Jahr! Sollte sich dieser erhoffte Erfolg nicht einstellen, so darf Ofcom weitere Maßnahmen wie die Sperrung einzelner Seiten sowie die Reduzierung der Geschwindigkeit veranlassen.
"Nach Ansicht der Regierung ist Online-Piraterie ein ernstes Vergehen. Rechtswidriges Herunter- oder Hochladen, ob via P2P-Seiten oder anderen Methoden ist tatsächlich eine zivilisierte Form des Diebstahls. Dies ist etwas, dass wir nicht billigen können oder wo wir es uns erlauben können, nicht darauf zu reagieren", so der Bericht.
Steuern auf alle Telefonanschlüsse
Ein weiterer inzwischen heikel diskutierter Aspekt des Digital Britain Reports ist die Versorgung von ländlichen Bereichen mit einer Breitband-Anbindung. Die Kosten hierfür sind enorm und werden in den seltensten Fällen von den Providern geschultert. Um dieser "Unterversorgung" entgegenzuwirken und jeden Bürger Großbritanniens ins digitale Jahrhundert zu befördern, sieht Lord Carters Bericht die Einführung einer neuen Steuer vor. Jeder Telefonanschluss - ob nun privat oder geschäftlich - soll monatlich mit 50 Britischen Pence (ca. 60 Euro-Cent) besteuert werden. Die Regierung selbst will bis zu 1,5 Milliarden Britische Pfund investieren, um für die nächste Generation von Internetverbindungen bereit zu sein. Experten gehen davon aus, dass die jährlichen Einnahmen aus dieser "Breitband-Steuer" zwischen 150 bis 175 Millionen Britischen Pfund liegen werden. Diese Einnahmen sollen direkt an die Provider weitergereicht werden, wofür diese den Ausbau der Netze massiv vorantreiben. Der britische Provider BT zielt nach eigenen Angaben darauf ab, Kunden den Download von Musik in einer Sekunde, den Download von Filmen in einer Minute ermöglichen zu wollen. Dies soll bis zum Jahr 2017 bei 90 Prozent der britischen Kunden realisiert werden.
Dabei steuert Lord Carter aber auch auf einen Konflikt mit der BBC zu. Dem Sender sollen 200 Millionen Britische Pfund aus ihren Lizenzeinnahmen entnommen werden, um bis zum Jahr 2012 in jeden britischen Haushalt eine Breitband-Anbindung zu bringen, mit einer Mindestgeschwindigkeit von 2 Mbit.
Abschließend lässt sich wohl festhalten, dass der Digital Britain Report bis auf wenige Ausnahmen keine wirklich brisanten Erkenntnisse mit sich brachte, von den beiden erwähnten abgesehen. Ob sich diese jedoch überhaupt durchsetzen werden, steht auf einem völlig anderen Blatt, zumal die Content-Industrie ja bereits massive Skepsis gegenüber den "halbherzigen" Versuchen von Lord Carter äußerte, illegales Filesharing zu bekämpfen. Dies sei mit nichts anderem als einem Three-Strikes-Gesetz realisierbar. Man wird sehen. (Firebird77)
(via guardian & guardian, thx!)
News Redaktion am Mittwoch, 17.06.2009 22:00 Uhr
filesharing reduzieren aber filme in einer minute laden lassen hmm das schliesst sich doch schon wieder aus ;) also ein normaler HD film (720p) hat 4 GB / 60 sek = 68 MB /sek = 1 Gbit FTTH ;) okay. her mit der Steuer! ;D ...
70% die träumen doch! Damit schaffen die vielleicht 20-30% wenn sie noch verschlüsselte Daten verbieten schaffen sie vielleicht 70%. Die Drosselung halte ich ebenfalls nicht für so sinnvoll, da müssten sie schon auf 56k runterdrehen damit der Film wieder ne Woche dauert aber ob man jetzt 1 ode ...
Zusammenfassung: Erschaffung des Kommerznets, Reservierung von Highspeed für Informationen aus dem Wahrheitsministerium. ...
Lord Carters Digital Britain Report, der gestern veröffentlicht wurde, beinhaltet einige aufrüttelnde Vorschläge, wie sich das Digitale Großbritannien zukünftig entwickeln soll. Der Digital Britain Report von Lord Carter wird bereits seit einiger Zeit voller Spannung erwartet, gibt er d ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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