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Frankreich: Piraterie nimmt zu!

Wie die Universität Rennes in einer aktuellen Studie belegt, hat das Three-Strikes-Gesetz alle möglichen Folgen. Von einer abschreckenden Wirkung kann aber bis jetzt keine Rede sein. Bislang laufen alle Bemühungen des neuen HADOPI-Gesetzes ins Leere.

Das französische Three-Strikes-Gesetzes ist seit Jahresanfang 2010 in Kraft. An der Umsetzung hapert es zwar noch geringfügig, dieses Problem soll aber bald behoben sein. Drei Telekommunikationsforscher der Universität in Rennes haben nun eine Studie vorgestellt. Diese befasst sich mit der Frage, welchen Einfluss das "HADOPI-Gesetz" auf potenzielle Piraten haben wird.

Per Telefon hat man zwischen dem 16. und 23. Dezember 2009 exakt 2.000 Bürger der Bretagne befragt. Wie die Verfasser der Studie festhalten, sind die Ergebnisse somit auch nur für diesen Landesabschnitt repräsentativ.

Im Vorfeld musste das Gesetz viel Kritik hinnehmen. Diese umfasste Aspekte von der technischen Umsetzung über die juristische Durchsetzung bis hin zu den Ausweichmöglichkeiten, die sich P2P-Filesharern bieten. Viele vermuteten deshalb, dass das Gesetz keinerlei Verbesserung bringen würde. Die Filesharer würden nur noch mehr in den Untergrund gedrängt. Für die Rechteinhaber werde es immer schwieriger, die Rechtsverletzer zu finden. Die Studie scheint dies nun bestätigt zu haben.

Der Befragungszeitraum lag etwa drei Monate hinter der Ankündigung von "HADOPI 2". Der revidierten Gesetzesversion, in der ein richterliches Urteil sowie weitere Geldstrafen eingebaut wurden. Von den Befragten wollte man wissen, ob dieses Gesetz irgendwelche Auswirkungen auf ihr vielleicht vorhandenes Filesharing-Verhalten hätte. Das ernüchternde Ergebnis: Die Piraterierate ist um drei Prozent gestiegen.

Dies mag oberflächlich betrachtet ein unbedeutender Wert sein. Er zeigt jedoch, dass das Gesetz von der Bevölkerung nicht ernstgenommen wird. Hier kommt jedoch kein naives Filesharing-Verhalten ins Spiel. Vielmehr würden die Menschen genau das tun, was vor dem Three-Strikes-Gesetz prophezeit wurde.

Die Nutzung von P2P-Diensten wie BitTorrent ist laut der Analyse von ursprünglichen 17,1 Prozent im September 2009 auf 14,6 Prozent im Dezember 2009 gesunken. Die Studie befördert ans Tageslicht, dass nicht alle das Filesharing via P2P aufgeben wollen. Viele warten vermutlich den "ersten Schlag" ab. Wie die Studie schlussfolgert, werden sie dann zum zweiten großen Personenkreis abwandern: den Filesharern, die BitTorrent und Co. schon längst den Rücken gekehrt haben. Diese Gruppe besteht vor allem aus Nutzern von sogenannten One-Click-Hostern wie Rapidshare oder Megaupload. Nach Ansicht der Studie werden solche Dienste, aber auch Streaming-Sites, weiter drastischen Zulauf erhalten. Der große Vorteil im Gegensatz zum P2P-Filesharing: Anonymität bis zu einem gewissen Punkt. Für die HADOPI-Behörde ist es praktisch nicht nachvollziehbar, wann man dort illegal ein Werk bezieht.

Somit fällt auch das Gesamtergebnis der Studie eher trocken aus: Die Piraterierate wird nicht sinken, sondern vielmehr steigen. Die zukünftigen Piraten sind anonymer als je zuvor. Kein bisher vorhandenes Gesetz kann dem gegensteuern. Vermutlich nicht das Ergebnis, das der französische Staatspräsident Nikolas Sarkozy erwartet hätte.

(via torrentfreak, thx!)
(Bild via numerama, thx!)

Klaus Müller am Dienstag, 09.03.2010 19:30 Uhr

tagsTags: hadopi

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26 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Farzi am 12.03.2010 11:26:51

    Ist Euch mal aufgefallen, dass es in Frankreich - anders als in Deutschland - keine leistungsstarken Exit-Nodes des Tor-Netzwerks mehr gibt? Na ich würde unter solchen Bedingungen mich auch nicht trauen, einen Exit-Node unter meinem Namen laufen zu lassen. Aber es ...

  • widarr am 11.03.2010 15:42:36

    Der Trick mit der armen "Tanja" war anscheinend vor deiner Zeit. "Tanja" war dann in wirklichkeit der Vertreter der Rechteinhaber. Das meine ich ja. Ich meinte Leute, mit denen man zwar per Internet tauscht, die man aber bereits aus dem RL kennt (also nicht nur On ...

  • soricsoon am 11.03.2010 13:26:46

    Vermutlich nicht das Ergebnis, das der französische Staatspräsident Nikolas Sarkozy erwartet hätte. Vermutlich haben die Experten genau damit gerechnet. Man sollte nie vergessen, dass auch die französische Regierung ein stärker kontrolliertes und reguliertes Internet lieber hat. ...

  • Biertonne am 11.03.2010 13:20:35

    Tor und I2P brauchen dringend mehr Teilnehmer. Ist Euch mal aufgefallen, dass es in Frankreich - anders als in Deutschland - keine leistungsstarken Exit-Nodes des Tor-Netzwerks mehr gibt? Ob HADOPI dran Schuld ist oder hat das andere Ursachen? Weiß jemand mehr? ...

  • Harachteh am 11.03.2010 13:08:14

    Hast du keine RL Freunde? ;) Der Trick mit der armen "Tanja" war anscheinend vor deiner Zeit. "Tanja" war dann in wirklichkeit der Vertreter der Rechteinhaber. ...

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