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Freifunk gefährlich: Hausdurchsuchung & Beschlagnahmung

In Oberbayern gab es erneut einen Fall, in dem die Staatsanwaltschaft wegen "Schwarz-Surfens" ermittelt. Das Amtsgericht Traunstein hat sogar eine Hausdurchsuchung veranlasst. Das Netbook des Schwarz-Surfers wurde kurzerhand beschlagnahmt und wird derzeit untersucht.

Der Grund des Vorgehens: Der Betroffene hatte sich in seinem PKW mittels eines Netbooks in ein frei zugänglichen WLAN eingewählt. Zwei vorbeikommende Polizisten sahen dies zufällig und fragten ihn, was er dort tat. Nach Aufnahme der Personalien erfolgte ein kurzes Telefonat der Polizisten mit der örtlichen Staatsanwaltschaft. Zwar durfte der Betroffene gehen, allerdings erfolgte vier Wochen später eine Vorladung zur Polizeidienststelle. In der Vernehmung machte der Befragte von seinem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern. Daraufhin erfolgte kurze Zeit später eine Hausdurchsuchung, das Netbook des Schwarz-Surfers wurde beschlagnahmt. Es wird derzeit ausgewertet.

Den Polizisten ist interessanterweise bis heute nicht klar, wessen WLAN sie da eigentlich beschützt haben. Auch hat niemand an die Möglichkeit gedacht, dass hier vielleicht absichtlich das Internet unverschlüsselt zu empfangen ist. Der Eigentümer des Freifunks, gewollt oder ungewollt, ist bisher unbekannt.

Rechtsanwalt Jens Ferner sieht in dem Vorgehen die zunehmende Kriminalisierung der Nutzer offener Netzwerke. "Gerade vor dem Hintergrund, dass es ja viele Menschen gibt, die ihr WLAN bewusst offen lassen damit andere es nutzen, werden hier in kritikwürdiger Weise sozialadäquate Verhaltensweisen kriminalisiert." Von den Ermittlern wird künstlich eine Straftat produziert, die im Gesetzbuch überhaupt nicht existiert.

Strafrechtler Udo Vetter vom law blog dazu: "Eine Hausdurchsuchung wegen so eines vagen Vorwurfs ist überdies unverhältnismäßig." Das scheint in Traunstein niemanden von seinem Vorhaben abgehalten zu haben.

Lars Sobiraj am Mittwoch, 24.02.2010 18:10 Uhr

tagsTags: udo vetter freifunk schwarz-surfer ferner

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46 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Teletubbies am 28.02.2010 16:49:14

    Naja analog zu Münzfernsprechern gibt es ja auch sogenannte WLAN Hotspots, die sind ja nicht verboten. Man geht einfach davon aus, dass kein Privathaushalt freiwillig sein Netz freigibt sondern technische Unwissenheit oder veraltete Hardware ausgenutzt werden....[/QUOTE ...

  • BudFudlecker am 28.02.2010 10:19:56

    Naja analog zu Münzfernsprechern gibt es ja auch sogenannte WLAN Hotspots, die sind ja nicht verboten. Man geht einfach davon aus, dass kein Privathaushalt freiwillig sein Netz freigibt sondern technische Unwissenheit oder veraltete Hardware ausgenutzt werden.... ...

  • hydrofire am 28.02.2010 03:39:00

    Was mir hier so auffällt: Irgendwie hat Teletubbies schon recht. Bei den Münzfernsprechern kommt irgendwie auch keiner auf die Idee das Terroristen die Missbrauchen könnten. Oder das irgendwelche Kriminellen was weiß ich da treiben. Der Bürger muss aber rundum die Uhr überwacht werden wenn er ...

  • Tabel-topplayer am 27.02.2010 20:06:40

    Sorry wer sein WLAN netz offen lässt muss damit rechnen das Fremde mit surfen. ...

  • Teletubbies am 27.02.2010 19:39:09

    Boha, hier wird fleißig mit Äpfeln und Birnen verglichen! Meine Meinung: Wenn ein User sein W-Lan-Net jedem Bürger auf der Straße zur Verfügung stellt ist das doch in Ordnung. Das Problem hier ist nicht die Nutzung des Netzes sondern es sind die Strafverfolgungsbehörden. Die Telekom stellte ...

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