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Navigationssysteme - besteht Hacker-Gefahr?

Satelliten-Navigationsgeräte und darauf aufbauende Technologie sind zunehmend Angriffen ausgesetzt, warnen Experten. Sogar mit handelsüblicher Ausrüstung ließen sich derartige Systeme erfolgreich angreifen.

Satelliten-Navigationssysteme, insbesondere das Global Positioning System (GPS) haben unseren Alltag erobert. Waren entsprechende Geräte noch vor zehn Jahren teuer, selten und primitiv, so sind sie heute massentauglich. Kaum ein Auto wird noch ohne Navigationssystem verkauft, und selbst Mobiltelefone besitzen mittlerweile oft ein GPS-Modul. Das Vertrauen in diese Geräte könnte jedoch unangebracht sein, warnen Experten. Für Angreifer gebe es zahlreiche Möglichkeiten, GPS zu manipulieren.

Die primitivste Methode ist das sogenannte "Jamming" mit Hilfe von Störsendern. Durch das starke Störsignal wird der GPS-Empfänger daran gehindert, Kontakt zu den Satelliten aufzunehmen, und wird so nutzlos. Während dieser Angriff für den Benutzer noch erkennbar ist - das Gerät zeigt an, dass es keinen Empfang hat - können mit Hilfe raffinierterer Angriffstechniken auch die Daten, die das Gerät anzeigt, manipuliert werden. Dies wäre für den Benutzer zunächst einmal nicht sichtbar - und damit potentiell gefährlich.

Nicht nur Privatnutzer sind von diesem Risiko betroffen. Auch kritische Infrastrukturen wie Rettungskräfte, Industrie und Militär vertrauen auf GPS - selbst Telefon, Internet, Banken und Stromversorgung sind mittlerweile aufgrund der möglichen genauen Zeitmessung auf GPS angewiesen - und könnten damit zum Opfer entsprechender Angriffe werden. Dies besorgt die Briten offenbar genug, um ein Krisentreffen zum Thema abzuhalten, welches am gestrigen Dienstag im National Physical Laboratory stattfand. 

Bei der Konferenz, auf der Vertreter von Regierung, Industrie und dem akademischen Bereich zusammenkamen, wurde über die Probleme des Systems gesprochen. So könnte bereits der Ausfall eines einzigen Satelliten für ungenaue Positionsangaben sorgen. Ausgefallene Satelliten jedoch, da sind sich die Experten einig, sind keineswegs das Hauptproblem. "Die Achillesferse von GPS sind die extrem schwachen Signale, die den Empfänger erreichen," erklärte Professor David Last, Ingenieur und früherer Präsident des Royal Institute of Navigation. Durch die geringe Leistung des GPS-Signals könne dieses leicht überdeckt werden. Dies könne versehentlich geschehen - beispielsweise durch Piratensender - oder absichtlich. Das Militär setzt entsprechende Techniken schon seit Jahren ein. 

Mittlerweile allerdings können auch Privatleute zunehmend "Jammer" im Internet kaufen. Kleine Handgeräte, die stundenlang per Batterie laufen, sind schon für 100 Britische Pfund (114 Euro) zu haben und haben bei günstigen Bedingungen immerhin eine Reichweite von einigen Dutzend Kilometern. Professionellere Geräte sind entsprechend leistungsstärker. 

Schlimmer als das Jamming ist das sogenannte Spoofing: einem Empfänger werden fehlerhafte Zeit- oder Positionsangaben vorgetäuscht. "Man kann mittlerweile einen günstigen Simulator kaufen und mit Google Earth verbinden, eine Route eingeben, und er wird die Route mit dem Timing, das man ihm angibt, simulieren. Ein davon überwältigter GPS-Empfänger wird sich verhalten, als würde man entlang dieser Route reisen," erklärte Last. Ein solches Verfahren kostet noch immer Tausende und erfordert ein erhebliches Ausmaß an Fachwissen. Jedoch sagt die Erfahrung, dass es oft nur eine Frage der Zeit ist, bis derartige Technologien billiger und benutzerfreundlicher werden. Auch Last ist der Ansicht, dass Kriminelle entsprechende Systeme bereits in ein bis zwei Jahren nutzen könnten. Auch für Hacker, die aus Spaß und Forscherdrang Angriffe planen und durchführen, könnte GPS zunehmend zur Spielwiese werden.

Konkurrierende Navigationssysteme wie das russische Glonas und das in Planung befindliche europäische Galileo sind für Angriffe ebenso anfällig wie GPS. Entsprechend ist es schwierig, wirksame Gegenmaßnahmen zu finden. Hier kommt auf die Experten eine Menge Arbeit zu. "Navigation hängt nicht länger davon ab, akkurat zu bestimmen, wo man ist - das ist einfach. Jetzt geht es darum, wie man es zuverlässig, sicher und unanfällig für Störungen tut", fasste Last die Problematik zusammen. 

(via BBC, thx!)

(Bild via Probocaster @ DeviantArt, thx!)

Annika Kremer am Mittwoch, 24.02.2010 16:14 Uhr

tagsTags: gps

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10 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • king lui* am 25.02.2010 14:36:25

    das einzige was mir jetzt noch an beispielen einfallen würde wäre: man würde einen störsender beispielsweise an einen kapfjet dran bappen und das ding so steuern das es ne bombe über nem falschen ziel abwirft ...

  • meister-floss am 25.02.2010 10:32:48

    Ich habe da mal ne News gelesen: PKW von Navi in See/Fluss geleitet. Wer steuert den PKW? Das Navi oder der Fahrer??????:D Nee mal im Ernst: Ich benutze beruflich GPS seit 2 Jahren täglich. Ich meine keine Straßennavigation sondern Qutdoornavigation. (Garmin 60CSX) Und wieder ein Schrei durch die ...

  • Soulvation am 25.02.2010 09:54:43

    Also das man die Sateliten hacken könnte wäre ziemlich grob. Signale stören oder überlagern schon eher, aber der Aufwand ist immens. Wahrscheinlich wirds entweder über die Software des Navis gehen oder durch bewusste Fehlinfos. In Kanada hat mal einer das TMC "gehackt". Der hat einen Sender ben ...

  • Huntersdead am 24.02.2010 19:20:26

    Das frage ich mich auch. Ich könnte mir höchstens vorstellen, einen Frachter oder Luxusliner vom Kurs abzubringen, um ihn dann zu Kapern. Das muss sich aber auf Grund des hohen Aufwandes, schon sehr lohnen. Naja, so 50.000€ aufwärtes Yachten sind bestimmt lohnende ...

  • TRON2 am 24.02.2010 18:59:36

    Ich frage mich allerdings ernsthaft, was ich davon habe jemandem einen falschen Standort unterzuschieben. Das frage ich mich auch. Ich könnte mir höchstens vorstellen, einen Frachter oder Luxusliner vom Kurs abzubringen, um ihn dann zu Kapern. Das muss sich abe ...

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