
Montagabend, man wirft einen Blick in den gulli und was findet man? Wieder geht es um Menschen, die sich nach exzessivem Online-Exhibitionismus wundern könnten, dass sie mit Spam, Malware und Scam zugeworfen werden. Doch das geht nicht ohne einige Vorarbeiten des Nutzers: Zuerst muss man nämlich ohne jegliche vorherige Konsultation des Großhirns erst einmal alle erdenklichen persönlichen Informationen vom Namen des Haustiers über das favorisierte Frühstücksbrötchen und den aktuellen Liebeskummer auf die eigene Facebook-Seite stellen. Zwei Tage später muss man sich auf keinen Fall wundern, dass man so eine nette Nachricht von Peter Müller-Meier-Schneider in seinem Gästebuch hat, in der man erklärt bekommt, dass gegen Liebeskummer mit absoluter Sicherheit der Kauf einer Penisverlängerung hilft. - Eine Empfehlung, die Peter Müller-Meier-Schneider dem arglosen User natürlich schon im Methoden-Seminar an der Uni geben wollte, aber man hatte ja nie so viel Zeit, sich dort zu unterhalten. Und da erinnert sich unser Nutzer wieder dunkel, dass Peter Müller-Meier-Schneider ja der nette Student aus der dritten Reihe in der Veranstaltung gewesen sein muss, der immer genickt hat, wenn man in den Saal kam. Als die Penispumpe trotz Vorkasse nach vier Wochen immer noch nicht da ist, keimt in unserem Nutzer Otto Online-Exhibitionist der Verdacht, dass es vielleicht doch keinen Peter Müller-Meier-Schneider in seinem "Freundeskreis", der auf diversen Sozialnetzwerke um die 5638 Personen umfasst, möglicherweise gar nicht gibt und Otto auf Scam reingefallen sein könnte. Gut, dass es auch für die Hirnfaulen unter uns Sicherheitsfirmen wie Sophos gibt, die Otto Online-Exhibitionist endlich mal darüber aufklären, dass Dummheit mit der Zugehörigkeit zu einer der von ihnen ausgemachten drei Risikogruppen für Betrugs- und Belästigungsversuche im Internet sind. Tja, und da haben wir über Stalker noch gar nicht gesprochen...
Dienstag: Heute wird sicher alles besser! Wir schauen auf die News und stellen fest, dass sexuelle Aufklärung jetzt auch ein einträgliches Geschäft für Spieleprogrammierer geworden ist. Was Mutter und Vater ihren Sprösslingen noch mit hochrotem Kopf durch Bienchen und Blümchen erklären mussten oder einfach beschämt dem Sexualkundeunterricht in der Schule überließen, ist heute etwas wie ein Gesellschaftsspiel geworden. Das bezaubernde Flash-Game "Adventures In Sex City" soll unbedarften Kindern das spielerische Erlernen der Regeln der Erotikwelt ermöglichen. Pädagogisch wertvoll und moralisch hochwertig (nach nordamerikanischen Maßstäben) werden die Jungfrauen und Jünglinge also mit den vier Helden des Flash-Spiels ausgeschickt, Geschlechtskrankheiten das fürchten zu lehren. Dabei sprechen die Namen der Figuren schon Bände: Wonder Vag - "Wunder-Vagina", Willy the Kid, Mrs. Power Pap - "Frau Vaginalabstrich" und Captain Condome. Letzterer ist durch einen Laborunfall halb Mann, halb Kondom - ein bemerkenswerter dramaturgischer Kunstgriff, der an Klassiker wie den Elefantenmensch oder die Fliege erinnert, jedoch glücklicherweise jeglichen Niveaus entbehrt. Vielleicht ist die Jugend von heute ja doch noch zu retten und wenn es nur durch die Hilfe animierter Geschlechtskrankheiten ist, die dem Teenager erklären, dass Licht aus und Decke drüber weder gegen ungewollte Schwangerschaften noch gegen Chlamydien wirken.
Am Mittwoch musste Australiens Spaßpolitiker Nr. 1, Michael Atkinson, seine Ehre gegen böse Gamer-Biker-Banden verteidigen. Er fühlt sich bedroht, weil ihm ein mutmaßlicher Videospieler einen Brief unter der Tür durchgeschoben hat. Weiterhin fühlt er sich auch durch Spam bedroht, von Bikern eigentlich auch, aber die sind nur halb so wild, wenn sie WII spielen und überhaupt sind Gamer das Übel unter der Sonne und Sex vor der Ehe sowieso. Mr. Atkinson geht es wie vielen Politikern: er reagiert auf die reale Welt mit Stress und dadurch mit akuter Verbaldiarrhoe und Verfolgungswahn. Seiner Ansicht nach sind Biker-Banden gefährlich und bedrohen ihn und seine Familie, aber Leute, die Videospiele spielen sind viel gefährlicher. Biker-Banden - sind wir hier bei "Mad Max" gelandet? Und was haben die mit der WII und Gamern überhaupt zu tun? Wir wissen es nicht, aber vielleicht Mr. Atkinson - zumindest glaubt er das. Da bleibt nur noch ein einziger guter Rat, den man ihm geben kann: Es gibt gute Medikamente, Ärzte und Therapeuten gegen Wahnvorstellungen. Holen Sie sich Hilfe, es ist sicher noch nicht zu spät für den Rückzug von der realen Welt. Und sollte das auch nicht helfen, gibt es ja immer noch "Second Life"...
Donnerstag - laaaaaaaaaaanweilig... 'Schüler in Pfälzisch Kongo nietet Lehrer um' - kennen wir doch alles schon. Das lockt doch keinen nach Action-News süchtelnden Leser mehr hinter dem Ofen hervor. Amoklauf und Lehrerexekution sind so eine Art Ersatz für Schulsport geworden, bei dem sich sowieso keiner mehr blicken lässt, weil Bodenturnen uncool ist. Da kann es auch mal richtig befreiend sein, einen der früheren Lehrer zu erstechen. Wie gut, dass nach solchen Gräueltaten meist gleich freundlich gesonnene Medien zur Stelle sind, die uns helfen, uns von solchen 'Soziopathen' abzugrenzen, indem sie uns erklären, dass der Attentäter ein Waffennarr und Videospieler war, sicher auch Marilyn Manson und Rammstein gehört hat und auch sonst 'irgendwie seltsam drauf' war. Aber was machen wir, wenn ein/e Schüler/in, der/die Lehrer vom Leben in Tod befördert, mal kein Killerspieler, kein netter Unauffälliger, kein Daueraggressiver, kein WII-spielender Biker, sondern einfach nur "ganz normal" war?
Am Freitag endlich wieder gute Nachrichten aus der Porno-Branche! Wem nämlich die störenden Ausschnitte aus urheberrechtlich geschützten Hochglanzproduktionen bei YouPorn auf die Nerven gehen, weil er damit von den cellulitebehafteten, nackten Tatsachen amateurhafter Hardcore-Action abgelenkt wird, dem winkt nun Rettung aus den USA. Damit Edelproduktionen mit echtem intellektuellem Anspruch und kafkaesker Ästhetik wie etwa "Lord of the G-Strings" nicht mehr wahllos auf Porno-Streaming-Seiten verteilt werden, gibt es jetzt endlich den digitalen Fingerabdruck für Pornos. So kann das Einstellen von Copyright geschützten Filmausschnitten durch eine Analyse direkt beim Hochladen verhindert werden bzw. der hochgeladene Ausschnitt wird sofort nach dem Erscheinen gelöscht. Aber was wird aus dem Internet ohne Ausschnitte aus völlig veralteten Gina-Wild-Filmen? Sollte sich dieses Verfahren durchsetzen, kann das auf lange Sicht nur eins bedeuten: Die Amateurporno-Liga muss alleine ran und zwar durch Casting Shows. Wann läuft eigentlich die erste Staffel von "Deutschland sucht den Pornosuperstar" an?
Der Samstag wird überschattet von einem Trauerfall: RapidShare.de wird abgeschaltet - möglicherweise wegen der Berge von Abmahnungen, die sich dort türmten. Die digitale Nation trauert über so viel Ungerechtigkeit in der Welt.
Der einzige Lichtblick sind da die Entwicklungen jenseits des großen Teichs, denn hier darf wenigstens noch straffrei gefoltert werden: Guantanamo Bay - wo Männer noch Männer und Juristen, die Waterboarding gutheißen, noch unschuldig sein können.
Mal sehen, was die nächste Woche so bringt...
Julia Klein am Sonntag, 21.02.2010 15:07 Uhr
@Hasron 1. meinte ich nicht den nachruf thread sondern den anderen 2. selbst wenn man unterscheidet, sobald es ne glosse ist, darf man sich über tote lustig machen? 3. das mag sein, aber die administrative sollte mit gutem beispiel voran gehen und nicht alles mit dem hausrecht abtun. 4. wenn ich n ...
Danke, Hasron. Das ist so verdammt richtig, dass ich nichts mehr hinzuzufügen habe. ...
1. Der Kontext ist ein anderer. Das hier ist eine "Glosse", das andere ein "Nachruf-Thread". 2. Wer da den Unterschied nicht sieht sollte den PC aus dem Fenster werfen und schnell an die frische Luft - der Gehirnkasten wirds danken. 3. In diesem Forum hat die Gulli-Crew Hausrecht. 4. Fragt das ...
was ich jetzt nicht verstehe wieso darf man in ner news "im pfälzisch kongo wurde ein lehrer umgenietet" schreiben, aber gleichartige kommentare im Thread vom Günther Freitod Gravenreuth kriegt man eins aufn deckel. da hatter recht. ich sag ...
ich glaube du hast den sinn einer satire nicht verstanden ich sag ja nix dagegen nur die gleiche "satire" ist im anderen thread nicht erlaubt. kannst mir natürlich alles gerne erklären. als austausch kann ich ne erklärung bieten wieso man nicht komplette threads quot ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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