Der unabhängige IT- und Tech-Kanal!
internet.board.entertainment.games.hardware

Deckel drauf! Die Gulli-Glosse (Woche 06/2010)

Der gulli… unendlicher Irrsinn. Wir schreiben das Jahr 2010. Ganz im Sinne der wissenschaftlichen Neugier drangen die gulli:News-Redakteure auch in der vergangenen Woche wieder in Regionen vor, die der gesunde Menschenverstand niemals für möglich gehalten hätte.

Besagter Forschergeist stellte unter anderem fest: die Justiz kann gegen Polizeigewalt nicht wirklich viel unternehmen. Jüngster Schauplatz: Hamburg. Der Täter, der sich dort an Demonstranten vergriff, ist noch immer so unbekannt wie die genaue Anzahl der Fehler im Microsoft Internet Explorer. Nun, das dürfte kaum jemanden überraschen, der die letzten Jahre nicht gerade unter einem Stein oder mit dem Hochleveln seiner zwanzig World of Warcraft-Chars verbracht hat. Im Norden nichts Neues, sozusagen. Wer aber bewacht die Wächter? Wer beschützt uns vor denen, die uns beschützen sollen? Fragen, die stets aktuell bleiben, auf die aber niemand eine sinnvolle Antwort findet. Aber vermutlich war das Opfer ohnehin ein Terrorist - immerhin ging es bei der Demo unter anderem um Gentrifizierung. Und da ist ja, wie wir seit Jahren wissen, alleine schon das Wissen um die Bedeutung des Wortes gleichbedeutend mit staatsfeindlichen Absichten. Disclaimer: gulli:News übernimmt keinerlei Haftung für die auf die Lektüre dieses Artikels eventuell folgende Wikipedia-Benutzung. Terroristische Aktivitäten erfolgen auf eigene Gefahr.

Auf eigene Gefahr erfolgt auch die Nachahmung folgender Geschichte: Eine Dame in England verlor angeblich mehr als 50 Kilogramm durch die Benutzung von Wii Fit. Kleiner Schönheitsfehler: parallel zur lustigen Nintendo-Zappelei verzichtete Lara Roberts auch auf Fast Food und Süßigkeiten und reduzierte so ihre Kalorienzufuhr erheblich. Eine Bitte: der Nächste, der seinen Schokoladenkonsum derartig einschränkt, möge dabei bitte Unreal Tournament spielen. Oder wenigstens Counterstrike. Wenn diese Person dann nämlich abnimmt, haben wir endlich den Beweis: Ballerspiele machen schlank! Joggst du noch oder zockst du schon?

Ums Zocken geht es offenbar auch der Rot-Grünen Koalition in Köln. Diese will nach eigenen Angaben den eSport in der Rheinstadt in den nächsten Jahren fördern. Ja, ihr habt richtig gelesen. Ausgerechnet aus der Politik, für die Zocker sonst ungebildete, unsoziale Amoklaufkillerspielspielerschulschwänzerterroristen sind, kommen versöhnliche, gar unterstützende Töne. Wieviel die wert sind, muss sich natürlich noch zeigen, schließlich halten viele Politiker-Versprechen in etwa so lang wie Laptop-Akkus unter Windows 7. Trotzdem: diese Äußerungen sind eindeutig eine positive Überraschung. Nun ist Köln sowieso ein Sonderfall und gilt nicht umsonst als die "eSport-Hauptstadt Deutschlands" - hier zeigten sich die Regierenden stets außergewöhnlich tolerant und aufgeschlossen gegenüber Mäusen, Tastaturen, Tower-Rushes und Headshots. Und trotzdem. Ein bisschen Freuen über diesen ersten Schritt hin zu mehr Anerkennung dieses Stücks Jugendkultur ist ausdrücklich erlaubt.

Wissenschaftlich ebenfalls interessant (Stichwort "mangelnde Risiko-Einschätzung): 73% der Befragten einer aktuellen Umfrage benutzen Online-Banking-Passwörter mehrfach. Da staunt der Laie, aber der Fachmann wundert sich schon längst nicht mehr. Irgendwo müssen die Erfolge teils nur mäßig intelligenter Cyberkrimineller ja herkommen. Diese werden mittlerweile so dreist, dass sie schon - ganz seriös - per Jobanzeige nach Malware-Verbreiter-Nachwuchs suchen. Was kommt als nächstes? Regierungen, die versuchen, junge Hacker mit fragwürdigen Methoden für das Bespitzeln ihrer Mitmenschen anzuwerben? Ach nee, gibt's ja schon. Dafür sollen alle Passwortmehrfachbenutzer nach dem Willen einiger Experten demnächst den Internet-Führerschein machen. Das klingt angesichts von Ideen wie "123456 gefällt mir so gut, dass ich es für die Bank, den Mail-Account und ICQ verwende" zunächst mal nach einem durchaus attraktiven Vorschlag. Allerdings nur, bis man sich überlegt, dass dieser Lappen vermutlich vom Staat ausgestellt würde. Von Staaten, die seit Jahren erfolglos versuchen, wenigstens ihre eigenen Netze gegen chinesische Datendiebe, russische Trojaner und britische UFO-Fanatiker abzusichern. Von Staaten, die ohnehin in den letzten zehn Jahren mehr Macht über ihre Bürger angehäuft haben, als irgendwem außer den größten Autoritätsfans (und den Machthabern selbst) lieb sein kann. Von Staaten, die sowieso, das wird in letzter Zeit nicht nur in Australien deutlich, mitunter gar keine Lust haben, es mit der Informations- und Meinungsfreiheit allzu genau zu nehmen. Ich glaube, angesichts dieser Alternative nehmen die meisten Sicherheitsexperten dann doch lieber passwort-recyclende DAUs. Nur für Google scheint das nicht zu gelten: der Suchmaschinen-Riese, der längst neben Suchmaschinen so ziemlich alles außer Toastern und USB-Raketenwerfern anbietet, verbündete sich kurzerhand mit der für einen recht losen Umgang mit Privatsphäre und Bürgerrechten bekannten US-amerikanischen NSA. We are not evil. Ja, alles klar.

Alles in allem muss man aber doch sagen, dass die Realität unter irgendeiner ernstzunehmenden Erkrankung leiden muss. Anders sind mehrere gute Nachrichten in einer Woche nicht zu erklären. Die nächste: Wikileaks wird auch 2010 wieder am Start sein. Zwar erst nach einigem an Warten und Werbung, aber immerhin, bekam man die nötigen Spendengelder für die nächsten 12 Monate zusammen. Publikumswirksam heizte man zudem mit Ankündigungen per Homepage und Twitter die Neugier der Fangemeinde an. Es scheinen Leaks bevorzustehen, die dem einen oder anderen Mächtigen Kopfschmerzen, den Wahrheitssuchenden jedoch Freude bereiten werden. In Kürze wird Wikileaks wieder online sein, und dann gilt (selbst wenn sich der Klimawandel als Fake herausstellen sollte): der Winter wird heiß. Probier was Neues. Und Geheimdokumente bei drei Grad.

Mit dieser versöhnlichen Schlussnote beenden wir den Wochenrückblick und richten den Blick in die Zukunft. Wird Microsoft Laptops wieder mobil machen - und den Internet Explorer wieder sicher, naja, so sicher wie er halt jemals ist? Die Zeit wird es zeigen und der nächste Patchday kommt bestimmt. Ebenso erwarten wir mit Spannung, ob nach Sitzblockaden demnächst auch Lichterketten als Gewalttat gelten (immerhin könnten jemandem von der Helligkeit die Augen zu schmerzen beginnen), ob endlich jemand einen sinnvollen Einsatzzweck für das Apple iPad findet, der über das Erzeugen begeisterter Blog-Postings hinausgeht, und demnächst der Bundestag anfängt, Doom zu zocken. Was auch immer die Zukunft bringt - gulli:News wird euch auf dem Laufenden halten. Und jetzt gibt es zur Entspannung ein bisschen Wii Fit und eine große Tafel Schokolade.

Annika Kremer am Sonntag, 07.02.2010 15:49 Uhr

tagsTags: wochenrückblick gulli glosse

Bookmark and Share
Rating Rating Rating Rating Rating
 
Weitere interessante News
8 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • hanibal_lec am 08.02.2010 00:07:33

    Ich liebe Glosse, danke ihr habt meinen Abend noch weiter aufgewertet :D. ...

  • Scibork am 07.02.2010 19:48:31

    :eek: Ich weiß nicht was ich hervorheben soll, weil ich den ganzen Text für gelungen halte. :T Thx Annika ...

  • Annika_Kremer am 07.02.2010 19:19:02

    Ich hab auch ein wenig zu kritteln. Der Link zu Google+NSA hat ein Leerzeichen am Anfang (http:%20http://www.gulli.com...) weshalb ihn zumindest mein Firefox nicht mag. Hast recht. Ich habe das behoben. Im Safari funktioniert es übrige ...

  • TRON2 am 07.02.2010 19:11:06

    HiHi, Beste beste Glosse, die ich hier gelesen habe. Musste sogar grinsen (obwohl ich das wegen Silvester Unfall noch immer nicht kann), weil sie so bissig war.:T ...

  • Psyduck am 07.02.2010 19:06:36

    Ich hab auch ein wenig zu kritteln. Der Link zu Google+NSA hat ein Leerzeichen am Anfang (http:%20http://www.gulli.com...) weshalb ihn zumindest mein Firefox nicht mag. Ansonsten aber wieder 'ne Spitzenglosse und ich liebe die Einleitung :D ...

weitere Kommentare lesen     Nachricht kommentieren

 
Fotostrecke
News [Kurioses]

Apple filterte den Begriff "Jailbreak" im iTunes Store

Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr

befreit: ipad 3 & iphone 4s

Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.

mehr mehr lesen...

Browsergames
Gondal World

TOPTIPP: Gondal World

Kämpfe als Held in diesem einzigartigen Fantasy Game. Viele Gefahren und Abenteuer erwarten dich! Escaria spielen

Escaria

Escaria

Erschaffe deine eigene Insel und erobere die Welt. Krieg oder Wachstum - deine Strategie entscheidet! Escaria spielen

Artyria

Artyria

Werde Gladiator und kämpfe im antiken Zeitalter um Ruhm und Ehre. Gehe Bündnisse mit anderen Spielern ein und kämpft gemeinsam gegen die schrecklichen Barbaren. Artyria spielen

Gondal

Gondal

Ziehe als einsamer Waldläufer oder an der Seite von Kampfgefährten in einem Fantasy-Spiel von Abenteuer zu Abenteuer. Gondal spielen

Last Emperor

Last Emperor

Tritt gegen legendären Samurai aus Japan des 19. Jahrhundert an und werde der gefürchtetste aller Samurai. Last Emperor spielen

Nightcreeps

Nightcreeps

Tritt in eine epische Schlacht zwischen Werwölfen und Vampiren, in der nur die Stärksten überleben werden, ein. Nightcreeps spielen

gulli:picsArtikel empfehlengulli RSS News Feedsgulli RSS NewsPresso Feedsgulli:Newslettergulli twittertgulli bei facebookgulli:news im AppStoreSeitenanfang