
Vor wenigen Tagen gab es eine überraschende Entwicklung im Fall Jammie Thomas-Rasset gegen die Recording Industry Association of America. Der Vorsitzende Richter Michael Davis korrigierte den Betrag, der als Schadensersatz festgelegt wurde. Ursprünglich sollte Thomas-Rasset 1,92 Millionen US-Dollar bezahlen. Richter Davis korrigierte diesen Betrag auf 54.000 US-Dollar (etwa 38.000 Euro).
Er würde nicht an der Entscheidung der Jury zweifeln, aber es sei seine Aufgabe, die Strafe in einen angemessenen Rahmen zu lenken. In den Protokollen deutet er sogar an, dass ihm selbst diese 54.000 US-Dollar zu hoch erscheinen. Zugleich umgeht man dabei jedoch die Frage, ob ein solches Urteil die Verfassung der USA verletzt. Diese verbietet es nämlich, dass Personen über die Maßen streng bestraft werden.
Nachdem Richter Davis seine Entscheidung beiden Prozessparteien vorgelegt hatte, sollten diese binnen sieben Tagen entscheiden, ob man sich damit einverstanden erklärt. Es schien eigentlich bereits so, als ob Thomas-Rasset endlich das Wunder erhalten hätte, dass im Verfahren so dringend notwendig war. Wie es jedoch scheint, hat die RIAA inzwischen ganz andere Sorgen.
Diese hat der alleinerziehenden Mutter heute ein neues, außergerichtliches Angebot unterbreitet. Wenn sie 25.000 US-Dollar (etwa 17.000 Euro) bezahlt, ist die Sache vom Tisch. Der Betrag soll einer wohltätigen Stiftung für Musiker zu Gute kommen. Ein Angebot, das zu gut ist, um wahr zu sein. Einen Haken gibt es nämlich. Dieser offenbart, worum es der RIAA wirklich geht.
Im Gegenzug für dieses großzügige "Angebot" soll Thomas-Rasset die Aufhebung des letzten Gerichtsbeschlusses beantragen - des Gerichtsbeschlusses, in dem Richter Davis festhält, dass selbst eine Strafe von 54.000 US-Dollar in seinen Augen zu hoch erscheint. Das Dokument soll entfernt werden. Fast so, als ob die Entscheidung nie gefallen wäre. Somit gäbe es für andere angeklagte Filesharer keine Möglichkeit, sich auf dieses Urteil zu berufen.
Genau das befürchtet jedoch die RIAA. Wenn der Beschluss nicht negiert wird, dürfte sich jeder Angeklagte darauf berufen. Jammie Thomas-Rasset steht nun vor einer schwierigen Entscheidung. Sie kann das Angebot der RIAA akzeptieren und 25.000 US-Dollar zahlen. Parallel nimmt sie anderen Filesharern dadurch aber die Möglichkeit, sich auf einen höchst brisanten Gerichtsbeschluss zu berufen. Akzeptiert sie das Angebot der RIAA nicht, wird es vielleicht wieder schlimmer. Der Musikindustrieverband hat bereits angekündigt, dass man gegen die Entscheidung von Richter Davis vorgehen werde, sollte Thomas-Rasset das Angebot ablehnen.
Update: Die Rechtsanwälte von Jammie Thomas-Rasset haben inzwischen erklärt, dass das Angebot nicht angenommen wird. "[...], Jammie bleibt bei ihren Prinzipien und wird die Forderungen der RIAA, die auf Basis einer verfassungswidrigen Schadensersatzpauschale (für die der Verband Lobbyarbeit betrieben hat) nicht akzeptieren. Wir werden die Sache bis zum Berufungsgericht bringen, egal wie oft unsere Anträge dafür abgelehnt werden", so einer ihrer beiden Rechtsanwälte. Die RIAA hat zwischenzeitlich eine Fristverlängerung beantragt. Erst am Montag, den 8. Februar, müssen sie dem Richter ihre endgültige Entscheidung mitteilen. Nach Thomas-Rassets schneller Absage ist dies jedoch eigentlich nicht mehr notwendig. Außer man hofft darauf, dass die alleinerziehende Mutter doch noch einknickt.
(via cnet, thx!)
(Bild via digital-digest, thx!)
Klaus Müller am Mittwoch, 27.01.2010 22:40 Uhr
Wie gesagt, vor Gericht kamen insgesamt 2 Fälle in den USA, Jammie Thomas-Rasset und Tannenbaum.Schön wärs wenns nur zwei wären. Es waren wohl einige (hundert?) mehr. Ein Fall hat auch noch am Rande immer meine Aufmerksamkeit gehabt und zwar RIAA vs Krueger. Und da seit 2 ...
Sie könnte auch zu Spenden aufrufen für die 54k$ ich wette viele die sich gerade in einem verfahren befinden, oder noch davor Ich glaube, dass es davon kaum noch welche gibt. Diese Abmahnpraxis von der RIAA begann im Jahr 2003 und ich meine mich daran zu erinner ...
Sie könnte auch zu Spenden aufrufen für die 54k$ ich wette viele die sich gerade in einem verfahren befinden, oder noch davor, wegen solchen kleinigkeiten, die bei den amis die ganze existenz auslöschen können durch horrende Schadensersatzforderungen der Contentindustrie..Diese würden ihr Geld ...
@firebird Wenn du die Kontaktdaten von den Anwälten hast, dann mach denen doch mal den Vorschlag ein Spendenkonte einzurichten. Viele hier haben ja schon zum Ausdruck gebracht das sie Spenden würde, dem kann ich mich nur anschließen. Am Besten was unkompliziertes über Paypal oder so.... Wär sc ...
was hat sie schon zu verlieren ? egal ob es 25k oder 54k, sind pleite ist sie auf jeden fall aber kann ja mit dem acta alles nur besser werden ^^ ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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