
"Das Problem ist, dass die Kreativität und der Spaß verloren gegangen sind. Die Musikindustrie wird heute vom Geld bestimmt. Heute führen die Geldmenschen die Musik-Unternehmen. Früher machten das die Kreativen."
Damit hat O'Brien auf der weltgrößten Musikmesse MIDEM in Cannes viele Gleichgesinnte. Simon Wheeler vom britischen Label "Beggar's Group" etwa sagt, dass "es nicht unser Geschäft ist, Plastikscheiben zu verkaufen". Zumindestens, wenn damit CDs gemeint sind. Denn die Vinyl-Schallplatte war im vergangenen Jahr das am schnellsten wachsende Segment der Musikwirtschaft, erzählt Terry McBride vom kanadischen Label Nettwerk Music.
Es geht also drunter und drüber in der Branche. Ed O'Brien freut das. Er findet es "fantastisch, dass wir heute in dieser großen Unsicherheit leben. Es gibt eine gewaltige Spanne für massive Innovation und Kreativität. Genau das ist es, was diese Industrie braucht."
Von den Anfeindungen der Musikindustrie gegen Filesharer hält der Gitarrist dagegen überhaupt nichts. "Ich habe ein Problem damit, wenn Leute aus der Industrie sagen 'es bringt die Industrie um, das ist es, was uns zerreißt'", sagt O'Brien. "Ich glaube nicht, dass es das wirklich tut."
Auch der Produzent Pharrell Williams gibt sich freundlicher als die Plattenbosse. Während O'Brien Filesharing mit den überspielten Kassetten der '80er vergleicht, sieht Williams unlizenzierte Downloads als "Kostproben". Beide sind sich einig: Wenn den Leuten die Musik gefällt, kaufen sie sie auch. Wenn nicht als Album, dann eben in Form von Fanartikeln oder Konzerttickets.
Das scheint der allgemeine Tenor zu sein: Die Musikindustrie muss endlich digitale Methoden finden, Geld zu verdienen. O'Brien setzt auf den Streaming-Dienst Spotify. "Man muss mehr Musik lizenzieren, mehr Spotifys, mehr Webseiten, die Musik verkaufen. Man muss es auch etwas günstiger machen, an Musik zu kommen, um mit den 'Peer-to-Peers' zu konkurrieren."
Auch der Schweizer Gert Leonhard hält Streaming für die Zukunft. Deswegen sei es für die Musikindustrie enorm wichtig, dass nicht auch das von ihr anfangs hoch gelobte Spotify pleite gehe. Bisher hätten die Major Labels die Entwicklung des Onlinemarktes in den vergangenen Jahren massiv behindert. Neue Plattformen seien "totgeschwiegen oder totlizenziert", fünf bis sieben Milliarden Euro an Investitionen versenkt worden.
Weil Streaming der Herunterladen von Musik ablöse, seien auch die Gesetze nach dem Konzept "Three Strikes and you are out" völlig sinnlos, sagt Leonhard. "Die Kids downloaden schon längst nicht mehr, sie klicken nur noch auf einen Link und streamen. Wenn man das auch noch kontrollieren will, dann ist man schon in China."
Bild: Ed O'Brien unter CC BY-SA von Laura Sylvester
Simon Jonas Hadlich am Sonntag, 24.01.2010 23:23 Uhr
Das ist der Unterschied zwischen echten Musikern und Managern. Die Musiker machen Musik aus Spaß. Die Manager sehen dagegen nur das Geld und ein guter Manager hat längst erkannt, dass sich mit Abmahnungen sehr viel mehr Geld machen lässt als durch Plattenverkäufe und Konzerte. Ist ja in der Bran ...
Dir ist aber schon klar, dass die dann meist für Fürsten oder die Kirche gearbeitet haben und von denen praktisch alleine finanziert wurden? du willst also sagen, dass man heute unmöglich die selbe menge geld von verschieden leuten für ein konzert verlangen ...
Nun, mal ein Beispiel aus der Vergangenheit: Da ich grad nicht genau weiß welcher Musiker, in der Zeit vor den Datenträgern, erfolgreich war, nehme ich mal Mozart als Beispiel unter der annahme dass es noch keine Datenräger gab und er zu lebzeiten genug Geld verdiente. [/QUOT ...
Nun, mal ein Beispiel aus der Vergangenheit: Da ich grad nicht genau weiß welcher Musiker, in der Zeit vor den Datenträgern, erfolgreich war, nehme ich mal Mozart als Beispiel unter der annahme dass es noch keine Datenräger gab und er zu lebzeiten genug Geld verdiente. Also wenn man in der Zeit ...
Wenn sich die Künstler ihre Verträge besser aushandeln würden um mehr Entscheidungsrechte zu erhalten oder eine eigene Strategie auf die Beine stellen würden, dann würde die Content-Industrie immer weniger neue Künstler haben und schon an dieser Stelle umdenken müssen um n ...
Lars Sobiraj am 04.02.2012, 11:32 Uhr
Während Die Linke zur Teilnahme an einem europaweiten Aktionstag gegen ACTA aufruft und Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger die Kritik am internationalen Handelsabkommen zurückweist, führte der Jurist Jens Ferner eine ausführliche Analyse jedes einzelnen Artikels durch. Wir fragten ihn, wie gefährlich ACTA tatsächlich ist. In welchem Rahmen bedroht dieses Abkommen unser aller Freiheit?
Lars Sobiraj am 09.02.2012, 11:40 Uhr
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