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Sind Verschwörungstheorien gefährlich?

Cass R. Sunstein, derzeit Leiter des sogenannten Office of Information and Regulatory Affairs der US-Regierung, macht sich Gedanken über den Umgang von Regierungen mit Verschwörungstheorien.

Sunstein veröffentlichte kürzlich im Rahmen seiner juristischen Forschungstätigkeit an der Universität Harvard ein Paper zum Thema Verschwörungstheorien. Darunter fasst er unter anderem Theorien wie die, dass die Anschläge des 11. September 2001 in Wirklichkeit von den USA oder Israel durchgeführt oder in Auftrag gegeben wurden. Laut Sunstein ist der Grund dafür, dass so viele Menschen derartigen Theorien anhängen, mangelnde Information und das Beziehen von Wissen aus einer stark eingeschränkten Zahl von Quellen.

Die Anhänger dieser Theorien, so Sunstein, "könnten eine ernsthafte Gefahr darstellen". Er hält es für möglich, dass diese Theorien zu Gewalttätigkeit führen könnten, und hält sie für ein "echtes Risiko für die Antiterror-Politik der Regierung". Außerdem, so Sunstein, bedeuteten diese Verschwörungstheorien "bedeutende Herausforderungen für Gesetzgeber und Gerichte". 

Neben allgemeinen Beobachtungen zur Entstehung und Verbreitung von Verschwörungstheorien stellt Sunstein in seinem Paper auch Theorien darüber auf, wie diesem Phänomen begegnet werden kann. Er schreibt, Verschwörungstheoretiker seien "kaum durch einen Versuch, ihre Theorien zu widerlegen, zu überzeugen". Zudem könne ein Versuch der Regierung, diese Theorien zu entkräften, diesen aus Sicht ihrer Anhänger auch zusätzliche Legitimation verleihen.

 Die beste Strategie aus Sicht des Rechtsexperten: die "kognitive Infiltration extremistischer Gruppen". Darunter versteht er das, offene oder versteckte, Einschleusen von Personen in die Gruppen, aus denen solche Theorien kommen - mit "extremistischen Gruppen" ist in diesem Fall der harte Kern der Verschwörungstheoretiker gemeint. Dort sollen die "Debunker" für breitere Informationen sorgen und versuchen, "unhaltbare Theorien als solche aufzudecken". In den den Gruppenmitgliedern sollen Zweifel an den kursierenden Informationen und deren Interpretation gesät werden.

 "Regierungsmitglieder (und ihre Verbündeten) könnten Chatrooms, Sozialen Netzwerken oder sogar Gruppen in der physischen Welt beitreten und versuchen, die dort vertretenen Verschwörungstheorien zu unterminieren, indem sie Zweifel an ihren faktischen Hintergründen, ihrer kausalen Logik oder ihrer Bedeutung für politisches Handeln wecken," schreibt Sunstein über die von ihm favorisierte Methode. Dies könnte entweder ganz offen geschehen, indem sich die "Außenseiter" beispielsweise als Regierungsbeamte zu erkennen geben oder ihre Identität zumindest nicht verheimlichen, oder verdeckt durch eine anonyme oder gar unter falscher Identität stattfindende Teilnahme an Diskussionen. Beide Methoden, so Sunstein, hätten ihre spezifischen Chancen und Risiken.

Ein Thema, mit dem sich Sunstein ebenfalls befasst, ist die Bedeutung des Rechtssystems in der Frage von Verschwörungstheorien. Eine zentrale Rolle spielt seiner Ansicht nach hierbei der Freedom of Information Act (FOIA). Dieser besagt, dass Regierungsdokumente (außer in bestimmten Ausnahmefällen) auf Antrag öffentlich zugänglich gemacht werden müssen. Einen Zusammenhang zu Verschwörungstheorien sieht Sunstein dann, wenn die Regierung Informationen besitzt, die diese Theorien entkräften könnten - und sich weigert, diese zu veröffentlichen. In diesen Fällen, so Sunstein, müsse sorgfältig zwischen dem Wunsch der Regierung, Verschwörungstheorien zu entkräften, und dem eventuellen Nutzen einer weiteren Geheimhaltung abgewogen werden.

Insgesamt stellt Sunstein in seinem Paper einige sehr interessante und logisch erscheinende Theorien auf. Die Schlussfolgerungen allerdings dürften bei einigen Lesern auch Stirnrunzeln hervorrufen. Die Vorstellung, dass die Regierung so direkt versucht, Meinung und Ansichten der Menschen online wie offline zu beeinflussen, dürfte den Einen oder Anderen skeptisch stimmen - und das nicht nur unter den Verschwörungstheoretikern. Immerhin könnten diese Taktiken leicht missbraucht werden und auch gegen legitime politische Kritik eingesetzt werden. Zudem, das gab nach Angaben von Slashdot selbst Sunstein zu, stellten sich einige Behauptungen, die zunächst als Verschwörungstheorien galten, im Nachhinein als wahr heraus. 

(Bild: CC-BY via Wikimedia Commons, thx!)

Annika Kremer am Freitag, 15.01.2010 03:38 Uhr

tagsTags: verschwörung

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297 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • TRON2 am 24.02.2010 20:22:26

    Und kennen keine Hemmnisse, diese Informationen zu verbreiten. Erst recht keine geldlichen oder ähnlich gelagerten Anti-Informationsverbreitungs-Restriktionen. Aber definitiv auch Medien. Sie sehnen sich aber, wie jeder Sender auch, nach Aufmerksamkeit. Dieses ...

  • Dieter85 am 24.02.2010 19:34:28

    @Bull: Stell dich nicht dümmer als du bist. Nenn es Superneutrale Blogger gegen Politikbeeinflusste Massenmedien oder dumme VT-bratzen gegen Seriösen Journalismus oder wie auch immer dein Standpunkt aussieht. Die Intention ist klar. Die Realität ist leider heute ande ...

  • Sitting-Bull am 24.02.2010 19:16:33

    @Dieter85: Deine Liste ist extrem tendenziös, dazu ist die Unterscheidung "Medien" vs. "Blogger" doch eine Schein-Chimäre. Ein Medium ist per Definition Medium als Übermittler von Informationen: Ausgehend von der stofflich vermittel ...

  • Annika_Kremer am 24.02.2010 15:54:55

    Könnten einige Leute hier bitte mal mit dem Getrolle aufhören? Damit meine ich primär diejenigen, die völlig schwachsinnige Theorien heranziehen und so tun, als würden sie diese ernst nehmen. Ihr wisst schon, wen ich meine. Das nervt und senkt das Diskussionsniveau. ...

  • Prom_Killer am 24.02.2010 14:22:37

    Irgendwie habt ihr Area 51 vergessen, in der Alientechnologie getestet wird. jeder, der den film district 9 (was auf deutsch soviel bedeutet wie "distrikt 9", quelle: http://dict.leo.org/ende?lp=ende&p=GI6fAA&search=Distrikt) gesehen hat, sollte genau w ...

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