INDECT, Intelligentes Informationssystem zur Unterstützung von Überwachung, Suche und Erkennung für die Sicherheit der Bürger im städtischen Raum, ist ein EU-Projekt mit dem Ziel von 2007 bis 2013 neue technische Lösungen für den Umgang Europas mit dem internationalen Terrorismus und weiteren Bedrohungen zu entwickeln. Dabei handelt es sich um eine Zusammenarbeit von europäischen Polizeien, Hochschulen und Unternehmen. Die meisten beteiligten Unternehmen der 10 kooperierenden Länder sind in Deutschland und Österreich ansässig. Jedoch stellt INDECT nur eines von 45 Projekten des "Europäischen Sicherheitsforschungsprogramms" dar.
Das innerhalb dieses EU-Programms beabsichtigte Relationship mining umfasst dabei Registrierung und Austausch von Daten, die Ansammlung von Multimedia-Inhalten, die intelligente Verarbeitung all dieser Informationen sowie die automatisierte Erkennung von Bedrohungen und das Aufspüren von "verdächtigem Verhalten" unter anderem im Internet. Auf diese Weise soll Polizeiarbeit einem "erkenntnisgestützten", "proaktiven" Ansatz folgen wie er bisher nur bei Geheimdiensten vorhanden und erlaubt war. Damit sollen Straftaten vorhergesehen und so verhindert werden. Dieser Art von Straftatverhinderung leisten auch die Ethik-Richtlinien des Projektes Vorschub, die maximalen Datenzugriff erlauben. Im Auszug aus der Ethik-Richtlinie heißt es deshalb: "INDECT will provide EU Member States with the technology to ensure that decisions around public safety are based on the maximum amount of relevant information available."
Die Zielgruppe des Systems, das Soft- und Hardware gleichzeitig sein soll, bilden Dienststellen mit Aufgaben des Landesschutzes (sogenannte "Homeland Security Services") und Polizeibehörden. Doch auch Gemeinden, Wirtschaftspartner in der Industrie und Forschungseinrichtungen sollen von diesem System profitieren, letztlich aber auch der EU-Bürger selbst. Doch auch die Kooperation mit außereuropäischen Ländern, vor allem den USA, soll langfristig erweitert werden.
Das System enthält eine Definition für atypisches, also auffälliges Verhalten. Um diese Definition zu entwickeln, wurden hunderte polnischer Polizisten befragt. Diese sehen es als potentiell verdächtig bzw. auffällig an, wenn Personen sich länger in Türbereichen aufhalten, sich umsehen oder "herumlungern". Diesen Angaben folgend sollen Test-Installationen an unterschiedlichen Orten angesetzt werden, die sogenannte "Ereignisfälle" darstellen. Was genau ein solcher Ereignisfall sein soll, ist noch nicht klar.
Die Mittel zu dieser Datenerhebung klingen wie aus der utopischen Literatur der Mitte des 20. Jahrhunderts, gehören aber schon lange zur technologischen Realität: ein dezentrales Computersystem zur intelligenten Verarbeitung der Daten, witterungsbeständige Mini-Computer mit Kameras, Mikrofonen, biometrischen Sensoren, Handyidentifizierung, Übertragungsscanner, Überwachungsgeräte, GPS, Mikro-Sender, RFID-Tags. Laut Patrick Hasenfuß vom deutschen Industriepartner PSI Transcom ist der Einsatz dieser Mittel jedoch noch nicht absehbar, da die Technik dazu noch nicht ausreichend entwickelt sei.
Leitende Institution des mit knapp 15 Millionen Euro budgetierten Projekts ist die AGH University of Science and Technology Krakau (Polen). Die exakte Anzahl der Projektpartner liegt bislang im Dunkeln, wahrscheinlich arbeiten 18 Einrichtungen am Projekt mit - unter anderem auch der Lehrstuhl für Automatisierungstechnik/Regelungstechnik der Bergischen Universität Wuppertal und das Bundeskriminalamt. Neben PSI Transcom, der Bergischen Universität Wuppertal und der undurchsichtigen Beteiligung des BKA, das nicht in jeder Veröffentlichung der Entwicklungspartner genannt wird, arbeitet auch InnoTec DATA an dem Vorhaben mit. Üblicherweise stellt dieses Unternehmen Ausrüstung für die audiovisuelle Mitarbeiterüberwachung von Kaufhäusern und Supermärkten zur Verfügung.
Vor allem der Wuppertaler Lehrstuhl ist in die Kritik geraten. Studierendeninitiativen fordern den Ausstieg des Fachbereichs aus dem mit 706.000 Euro dotierten Drittmittelprojekt, an dem ein "Assistant Professor", sechs Doktoranden, 20 Bachelor- und Master-Studenten sowie drei Angestellte mitarbeiten sollen. Die Universität selbst sieht die Mitwirkung bei INDECT als Prestigegewinn an und verspricht lapidar, ab sofort diesen Bereich der Forschung transparenter zu gestalten. Weitere Gespräche zwischen Universitätsrektorat und Studierendenvertretungen, die den Ausstieg aus dem Projekt sowie Ethikrichtlinien für die Einwerbung von Drittmitteln fordern, werden seitens des Rektorats verweigert.
DieJulia von gulli meint:
Wo Volk und Individuum staatlich überwacht und analysiert werden unter dem Deckmantel der Ethik geht es nicht mehr um die moralische Vertretbarkeit solcher Handlungen, sondern um eine dramatische Änderung, einen Paradigmenwechsel in der westlichen Vorstellung von Moral. Bislang wurde zumindest offiziell postuliert, dass die Würde, Freiheit und Persönlichkeitsentfaltung des Individuums Güter seien, die als unantastbar gelten. Diese Norm wird ad absurdum geführt, indem unter dem Begriff der "Ethik-Richtlinie" Handlungen erlaubt werden, die dem traditionellen Moralbegriff der abendländisch geprägten Kultur zuwiderlaufen. Darüberhinaus wird durch den Glauben an die Vorhersehbarkeit von Delikten ein Determinismus angenommen, den es ausschließlich in der Mathematik unter der Voraussetzung einer unendlichen Datenmenge sowie unendlicher Analysekapazitäten geben kann.
Gerade die Beteiligung einer wissenschaftlichen Einrichtung, die zu verantwortungsvoller Forschung verpflichtet ist, treibt diesen kritischen Paradigmenwechsel von der Ethik der Menschenwürde hin zur Ethik des technologischen Determinismus in einer Weise voran, die auf Kritik stoßen muss. Das zusammengefasste Postulat dieser neuen Ethik hieße somit nicht mehr, dass das Individuum in seiner Einzigartigkeit schützenswert ist, sondern die angestrebte, jedoch nur vermutete Vorhersehbarkeit der Zukunft durch technische Mittel jede Form der Einschränkung von Lebewesen rechtfertigt.
Inwiefern der EU-Bürger davon profitiert, vollkommen überwacht zu werden und bei der geringsten möglicherweise nur definitorisch verschuldeten Auffälligkeit unter den Verdacht der Planung einer Straftat zu geraten, ist unklar. Die Implikationen einer solchen Überwachung sind in ihrer Tragweite nicht mehr abzusehen.
(Via heise.de, thx! Bild: thiemadotcom@flickr.com unter CC - some rights reserved - thx!)
Julia Klein am Montag, 04.01.2010 12:13 Uhr
Tut mir leid den alten Thread zu pushen aber was lange Zeit als wilde Verschwörungstheorie galt wurde bei der Fuball EM geprobt und nächstes Jahr soll es dann ab 2013 ganz normal auf den Straßen benutzt werden. Ist zwar nun schon ne Weile bekannt, aber egal :) Sogar die Mainstream System-Presse h ...
http://www.youtube.com/watch?v=WBNW6fSTsOc:mad: ...
@Phase-zwo, AL Popél find ich gut! :T ...
Wie konnte Hitler an die Macht kommen und seine Schreckensherrschaft ausüben? So z.B.: Von Beginn der Machtergreifung an beginnen die Nationalsozialisten mit der Ausschaltung der Demokratie und der Gleichschaltung des Reiches. Durch die [ ...
2007 starben 78 bürger der usa durch terroranschläge. im selben jahr gab es mehr als 480 tote durch erdnüsse. was für eine relation!! ich bin dafür erdnussbutter zu verbieten!!! in der westlichen gesellschaft wird die angst vor terroristen unötig geschürt und instrumentalisiert um freiheitsrechte a ...
Heutzutage ist die Internettelefonie neben Fest- und Mobilnetztelefonie immer gefragter. Per Internet zu kommunizieren ist nicht nur komfortabler und billiger, man ist zudem unabhängig von Tarifen, welche nur eine bestimmte Gesprächszeit günstig ermöglichen. Also wieso nicht auch Internet-Telefonie nutzen?
Lars Sobiraj am 14.05.2013, 13:52 Uhr
Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags steht seit vielen Jahren den Bürgern und Gruppen für ihre Anliegen offen. Wir haben uns kürzlich mit einem der 80 Mitarbeiter des Hauses unterhalten. Da seit der Gründung nur sehr wenige Gesetzesänderungen durch Petitionen entstanden sind, wollen wir den Sinn dieser Institution hinterfragen. Dies ist vorerst der letzte Teil unserer Interview-Serie.
Lars Sobiraj am 12.05.2013, 12:51 Uhr
Wie ein 73-jährige Japaner beweist, kann man das am häufigsten benutzte Tabellenkalkulationsprogramm Microsoft Excel nicht nur für reguläre Berechnungen einsetzen. Tatsuo Horiuchi erstellt ausnahmslos seine traditionellen Gemälde mit Hilfe dieses Programms. Er arbeitet bereits seit 10 Jahren mit der Software und stellt seine Bilder in diversen Ausstellungen vor.