
Das neue Jahr wurde gerade erst eingeläutet. Für unsere französischen Nachbarn beinhaltet es jedoch einen besonderen Aspekt. Seit dem 1.1.2010 ist dort nämlich das Three-Strikes-Gesetz aktiv. HADOPI, so die Abkürzung der französischen Gesetzesentwicklung. Lange Zeit hatte man in Frankreich hart dafür gekämpft, dieses Gesetz nie Realität werden zu lassen.
Letzten Endes ist es doch gelungen. Wer dreimal eine Urheberrechtsverletzung über seinen Internetanschluss begeht, der verliert ihn. Alles zum Wohle der Contentindustrie, die den französischen Staatspräsidenten förmlich angefleht hatte, endlich etwas gegen die Raubkopierer zu unternehmen. Sarkozy hatte aufgehorcht. Das Gesetz wurde unermüdlich vorangepeitscht. Nicht mal ein Verfassungsgericht konnte es endgültig stoppen.
Beim ersten Verstoß gibt es eine verwarnende E-Mail, danach folgt ein Brief und letzten Endes geht es vor einen Richter. Dieser muss entscheiden, ob der Internetanschluss gesperrt wird. Von der zu erwartenden Geldstrafe einmal gänzlich abgesehen, hat sich hier auch ein unglaubliches System der "Sippenhaftung" etabliert. Wer die in Deutschland gängige "Störerhaftung" kritisiert, darf im direkten Vergleich zu unseren Nachbarn in Frankreich nur noch müde lächeln.
Die "Beweiserhebung" ist fehlerfrei. Wurde der Anschluss dreimal ermittelt, so ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Auch wenn es die Kinder waren. Ein Einbruch in das WLAN? Grenzwertig, aber auch hier hätte der Anschlussinhaber wohl mehr tun können. Durch die Ausrichtung des Gesetzes steht die "Schuld" in den meisten Fällen wohl von vornherein fest.
Nach einer Verhältnismäßigkeit wird nicht gefragt. Das französische Volk darf per Gesetz wieder in die kommunikationstechnische Steinzeit befördert werden. Online-Banking? Gestrichen. Online-Shopping? Gestrichen. Soziale Netzwerke? Gestrichen. Der französische Abgeordnete Michel Thiolliere erklärte jüngst, dass man das Gesetz den Leuten einfach erklären müsse. Dann würden sie es auch verstehen.
"Das Internet ist eine großartige Welt, aber es braucht Regeln, wenn wir auch zukünftig Filme, Musik und Videospiele haben wollen. Wir denken, dass [...] über zwei Drittel der Menschen ihre illegale Internetnutzung einstellen werden, sobald sie die erste Nachricht erhalten haben. Nach der zweiten Nachricht werden mehr als 95 Prozent mit dieser böswilligen Nutzung aufhören."
Werden sie das tatsächlich? Oder wird lediglich auf alternative Möglichkeiten ausgewichen? Man kann "befürchten", dass anonyme P2P-Netzwerke einen regen Zulauf erhalten werden. Wenn es diese nicht sind, dann zumindest die zahlreichen Anbieter von Virtuellen Privaten Netzwerken - kurz VPN.
Der zahlende Internetnutzer wird sich nämlich nicht einfach aussperren lassen. Er wird Auswege suchen und finden. Somit ist es nur eine Frage der Zeit, bis man nach Gesetzen verlangt, den normalen Endanwendern die verschlüsselte Kommunikation im Internet zu verbieten. Alles Wohle der Contentindustrie des Staates.
Die viel wichtigere Frage ist jedoch eine andere. Selbstredend sind statistische Werte immer schön anzusehen. Doch Frankreich wird den Erhebungen und Thesen der Contentindustrie im Jahr 2010 einen besonderen Anteil zukommen lassen. Wenn es nach den Unternehmen dieser Branche geht, so muss man jeden illegalen Download wie einen entgangenen Verkauf werten.
Denn jeder - so deren Ansicht - würde das Werk kaufen, könnte er es nicht illegal beziehen. In diesem Sinne gratulieren wir bereits jetzt zum größten Zuwachs an Einnahmen, die der französischen Contentindustrie je zuteil wurden. Denn schließlich werden ja 95 Prozent aller User ihre "illegalen Aktivitäten" einstellen und von heute auf morgen zu braven Käufern konvertieren.
(via bbc, thx!)
(Bild via flickr by believekevin unter CC-BY-SA, thx!)
Klaus Müller am Samstag, 02.01.2009 14:56 Uhr
Wenn Robespierre das wüsste!! Ich sehe schon tausende franzsischer Jugendliche,mit Mp3-Playern und USB-Sticks werfend,den Präsidentenpalast stürmen. Dann wird Sarkozy in die Arme seines gekauften Models springen und sie wird ihn über die Massen in die Sicherheit bringen. Oder so ähnlich :p ...
@world_hold_on, FUP ... das steht auch da drinn! Das ist wie mit einem TV-Kabelnetz, du hast nur eine bestimmte Bandbreite an Up-und Downstream zur Verfügung und diese muss verteilt werden, das ist aber ein technisches Ding (Loadbalancing) und hat mit Treestrikes nix am Hut ... ich streame immer mi ...
Ich sage nur Satellit ... Treestrikes -> No Way! Da gibbet genug Provider! Hier ein deutsches Beispiel ... ... und sooooo teuer isset ...
Was ich noch für wissenwert halte, ist, wenn man denn nun aus dem Internet gekicked wurde, muss man dan weiterhin seine Provider-Gebühren zahlen? Natuerlich musst du das!! Das ja die eigentliche Schweinerei an dem Ganzen ;) Schliesslich wird ja nur 'gesperrt', abe ...
Ich sehs schon vor mir...Ein Nation, die nur über VPN verkehrt...dieses Gesetz könnte hiesigen VPN-Anbietern das Geschäft ihres Lebens verschaffen :p. Die Lösung dieses Problems ist, wie Sempralon bereits erwähnt hat, das Zurückgreifen auf Ausländischen Providern, die durch die Satelliten-Te ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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