Der unabhängige IT- und Tech-Kanal!
internet.board.entertainment.games.hardware

3-Strikes: Frankreich kappt die Leitungen

Seit gestern ist es nun soweit. Das Three-Strikes-Gesetz ist in Frankreich in Kraft getreten. Wer dreimal Urheberrechte über das Internet verletzt, dem wird der Anschluss gesperrt.

Das neue Jahr wurde gerade erst eingeläutet. Für unsere französischen Nachbarn beinhaltet es jedoch einen besonderen Aspekt. Seit dem 1.1.2010 ist dort nämlich das Three-Strikes-Gesetz aktiv. HADOPI, so die Abkürzung der französischen Gesetzesentwicklung. Lange Zeit hatte man in Frankreich hart dafür gekämpft, dieses Gesetz nie Realität werden zu lassen.

Letzten Endes ist es doch gelungen. Wer dreimal eine Urheberrechtsverletzung über seinen Internetanschluss begeht, der verliert ihn. Alles zum Wohle der Contentindustrie, die den französischen Staatspräsidenten förmlich angefleht hatte, endlich etwas gegen die Raubkopierer zu unternehmen. Sarkozy hatte aufgehorcht. Das Gesetz wurde unermüdlich vorangepeitscht. Nicht mal ein Verfassungsgericht konnte es endgültig stoppen.

Beim ersten Verstoß gibt es eine verwarnende E-Mail, danach folgt ein Brief und letzten Endes geht es vor einen Richter. Dieser muss entscheiden, ob der Internetanschluss gesperrt wird. Von der zu erwartenden Geldstrafe einmal gänzlich abgesehen, hat sich hier auch ein unglaubliches System der "Sippenhaftung" etabliert. Wer die in Deutschland gängige "Störerhaftung" kritisiert, darf im direkten Vergleich zu unseren Nachbarn in Frankreich nur noch müde lächeln.

Die "Beweiserhebung" ist fehlerfrei. Wurde der Anschluss dreimal ermittelt, so ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Auch wenn es die Kinder waren. Ein Einbruch in das WLAN? Grenzwertig, aber auch hier hätte der Anschlussinhaber wohl mehr tun können. Durch die Ausrichtung des Gesetzes steht die "Schuld" in den meisten Fällen wohl von vornherein fest.

Nach einer Verhältnismäßigkeit wird nicht gefragt. Das französische Volk darf per Gesetz wieder in die kommunikationstechnische Steinzeit befördert werden. Online-Banking? Gestrichen. Online-Shopping? Gestrichen. Soziale Netzwerke? Gestrichen. Der französische Abgeordnete Michel Thiolliere erklärte jüngst, dass man das Gesetz den Leuten einfach erklären müsse. Dann würden sie es auch verstehen.

"Das Internet ist eine großartige Welt, aber es braucht Regeln, wenn wir auch zukünftig Filme, Musik und Videospiele haben wollen. Wir denken, dass [...] über zwei Drittel der Menschen ihre illegale Internetnutzung einstellen werden, sobald sie die erste Nachricht erhalten haben. Nach der zweiten Nachricht werden mehr als 95 Prozent mit dieser böswilligen Nutzung aufhören."

Werden sie das tatsächlich? Oder wird lediglich auf alternative Möglichkeiten ausgewichen? Man kann "befürchten", dass anonyme P2P-Netzwerke einen regen Zulauf erhalten werden. Wenn es diese nicht sind, dann zumindest die zahlreichen Anbieter von Virtuellen Privaten Netzwerken - kurz VPN.

Der zahlende Internetnutzer wird sich nämlich nicht einfach aussperren lassen. Er wird Auswege suchen und finden. Somit ist es nur eine Frage der Zeit, bis man nach Gesetzen verlangt, den normalen Endanwendern die verschlüsselte Kommunikation im Internet zu verbieten. Alles Wohle der Contentindustrie des Staates.

Die viel wichtigere Frage ist jedoch eine andere. Selbstredend sind statistische Werte immer schön anzusehen. Doch Frankreich wird den Erhebungen und Thesen der Contentindustrie im Jahr 2010 einen besonderen Anteil zukommen lassen. Wenn es nach den Unternehmen dieser Branche geht, so muss man jeden illegalen Download wie einen entgangenen Verkauf werten.

Denn jeder - so deren Ansicht - würde das Werk kaufen, könnte er es nicht illegal beziehen. In diesem Sinne gratulieren wir bereits jetzt zum größten Zuwachs an Einnahmen, die der französischen Contentindustrie je zuteil wurden. Denn schließlich werden ja 95 Prozent aller User ihre "illegalen Aktivitäten" einstellen und von heute auf morgen zu braven Käufern konvertieren.

(via bbc, thx!)
(Bild via flickr by believekevin unter CC-BY-SA, thx!)

Klaus Müller am Samstag, 02.01.2009 14:56 Uhr

tagsTags: three strikes gesetz frankreich

Bookmark and Share
vgwort
 
Weitere interessante News
30 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • da_kuna am 05.01.2010 13:52:31

    Wenn Robespierre das wüsste!! Ich sehe schon tausende franzsischer Jugendliche,mit Mp3-Playern und USB-Sticks werfend,den Präsidentenpalast stürmen. Dann wird Sarkozy in die Arme seines gekauften Models springen und sie wird ihn über die Massen in die Sicherheit bringen. Oder so ähnlich :p ...

  • Sempralon am 04.01.2010 11:15:50

    @world_hold_on, FUP ... das steht auch da drinn! Das ist wie mit einem TV-Kabelnetz, du hast nur eine bestimmte Bandbreite an Up-und Downstream zur Verfügung und diese muss verteilt werden, das ist aber ein technisches Ding (Loadbalancing) und hat mit Treestrikes nix am Hut ... ich streame immer mi ...

  • world_hold_on am 03.01.2010 13:30:36

    Ich sage nur Satellit ... Treestrikes -> No Way! Da gibbet genug Provider! Hier ein deutsches Beispiel ... ... und sooooo teuer isset ...

  • Metzelmaennchen am 03.01.2010 11:59:17

    Was ich noch für wissenwert halte, ist, wenn man denn nun aus dem Internet gekicked wurde, muss man dan weiterhin seine Provider-Gebühren zahlen? Natuerlich musst du das!! Das ja die eigentliche Schweinerei an dem Ganzen ;) Schliesslich wird ja nur 'gesperrt', abe ...

  • wirpo032 am 03.01.2010 11:57:33

    Ich sehs schon vor mir...Ein Nation, die nur über VPN verkehrt...dieses Gesetz könnte hiesigen VPN-Anbietern das Geschäft ihres Lebens verschaffen :p. Die Lösung dieses Problems ist, wie Sempralon bereits erwähnt hat, das Zurückgreifen auf Ausländischen Providern, die durch die Satelliten-Te ...

weitere Kommentare lesen     Nachricht kommentieren

 
Fotostrecke
News [Kurioses]

Apple filterte den Begriff "Jailbreak" im iTunes Store

Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr

befreit: ipad 3 & iphone 4s

Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.

mehr mehr lesen...

Browsergames
Gondal World

TOPTIPP: Gondal World

Kämpfe als Held in diesem einzigartigen Fantasy Game. Viele Gefahren und Abenteuer erwarten dich! Escaria spielen

Escaria

Escaria

Erschaffe deine eigene Insel und erobere die Welt. Krieg oder Wachstum - deine Strategie entscheidet! Escaria spielen

Artyria

Artyria

Werde Gladiator und kämpfe im antiken Zeitalter um Ruhm und Ehre. Gehe Bündnisse mit anderen Spielern ein und kämpft gemeinsam gegen die schrecklichen Barbaren. Artyria spielen

Gondal

Gondal

Ziehe als einsamer Waldläufer oder an der Seite von Kampfgefährten in einem Fantasy-Spiel von Abenteuer zu Abenteuer. Gondal spielen

Last Emperor

Last Emperor

Tritt gegen legendären Samurai aus Japan des 19. Jahrhundert an und werde der gefürchtetste aller Samurai. Last Emperor spielen

Nightcreeps

Nightcreeps

Tritt in eine epische Schlacht zwischen Werwölfen und Vampiren, in der nur die Stärksten überleben werden, ein. Nightcreeps spielen

gulli:picsArtikel empfehlengulli RSS News Feedsgulli RSS NewsPresso Feedsgulli:Newslettergulli twittertgulli bei facebookgulli:news im AppStoreSeitenanfang