
Dass man im Internet nicht unbeobachtet ist, hat sich längst rumgesprochen. Die Anonymisierungssoftware TOR ist nur eine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren. Dass man mit der Analyse von Texten ihre Autoren identifizieren kann, ist dagegen weniger bekannt.
Der Wissenschaftler Michael Brennan sprach auf dem 26C3 über "Stilometrie": Eine Form der Autorenerkennung, die mit der statistischen Analyse von sprachlichen Merkmalen arbeitet. Welche Wörter man benutzt, wie lang die Sätze sind - das alles wird in der Stilometrie untersucht.
Brennan unterscheidet zwei Formen der Stilometrie. Bei der einen hat man Textproben, deren Autoren bekannt sind. Weitere Texte, bei denen nicht klar ist, wer sie geschrieben hat, können so einem der Autoren zugeschrieben werden. Bei der anderen Form hat man Texte unbekannter Autorenschaft. Mittels Stilometrie kann festgestellt werden, welche dieser Texte von den gleichen Verfassern stammen.
Die Erfolgswahrscheinlichkeit der Analyseformen unterscheidet sich sichtbar. Allerdings sind beide enorm effektiv, wenn relativ lange Texte und wenige mögliche Autoren zur Verfügung stehen. In einer Untersuchung des zweiten Szenarios nahmen Wissenschaftler Texte von neun verschiedenen Autoren aus Foren, die zwischen 20 und 200 Wörtern lang waren. Die Genauigkeit der Zuordnung lag bei gerade einmal 35%.
Mit längeren Texten (500 bis 750 Wörter) von nur fünf Autoren dagegen gelang es, eine Genauigkeit von beinahe 90% zu erreichen. Auch für das andere Szenario steigt die Treffsicherheit, je weniger Autoren infrage kommen. Wenn es nur zwei mögliche Verfasser eines Dokumentes gibt, lässt sich der Autor mit nahezu 100% Genauigkeit feststellen. Allerdings gibt es bisher keine Aussagen über die Genauigkeit stilometrischer Methoden, wenn eine große Anzahl an Autoren in Frage kommt.
Brennan und seine Kollegen haben sich allerdings auch damit beschäftigt, wie man sich gegen stilometrische Analysen wehren kann. Der Wissenschaftler beschreibt zwei mögliche Angriffe: "Verschleierung" und "Imitation". Einmal geht es darum, seinen Schreibstil so zu verändern, dass man nicht mehr als Autor festzustellen ist. Bei dem anderen Angriff kopiert man den Stil eines anderen Autoren.
Die Ergebnisse sind aus Sicht des Datenschützers ausgesprochen positiv. Die Verschleierung ließ die Genauigkeit der stilometrischen Analysen auf ein Zufallsniveau fallen. Die Imitation eines anderen Stils führte sogar dazu, dass die Treffsicherheit auf nahezu null fiel.
Was kann man also tun, wenn man nicht als Autor eines Textes erkannt werden möchte? Jemanden anderen imitieren - und weniger schreiben, empfiehlt Brennan. Er warnt allerdings: Die bisherigen stilometrischen Methoden mögen daran gescheitert sein. In Zukunft könnte sich allerdings ein "Wettrüsten" zwischen anonymen Autoren und Stilometrie-Programmen entwickeln.
Der Wissenschaftler schlägt daher die Entwicklung einer Software vor, die bei der Anonymisierung von Texten helfen soll. Wer seine Forschung daran unterstützen will, kann das durch das Einschicken von Texten tun. Je mehr Texte zur Verfügung stehen, desto besser werden Brennans Stilometrie-Programme - und die möglichen Gegenmittel.
Simon Jonas Hadlich am Dienstag, 29.12.2009 14:44 Uhr
Du glaubst also das dieses Werk nicht aus ihrer Feder stammt? Wie tOmAtEl schon schrieb lassen sich damit nur Vermutungen anstellen. ...
Wäre es durch diese Methode möglich, den Urheber der Doktorarbeit von Familienministerin Kristina Köhler zu ermitteln? :) ...
Ich persönlich ändere sogar auf einigen Plattformen meinen Schreibstil, die Wortwahl, Grammatik und Rechtschreibung. Da versagt dann auch die Stilometrie. So siehts aus. Manchmal ändere ich sogar meine Meinung :D Selbst wenn ich mit meinem Zweit- oder Dritt-Acc ...
Seit wann schreibt man denn was anonym ins Internet? Das wird doch alles gespeichert, selbst wenn einem tausend Versprechungen über einen "neuen Datenschutz" bei Facebook, Twitter und Co. gemacht werden. ...
Na, dann addiere mal alle deine Beiträge deines Accounts und du wirst überrascht sein Großes Kino! Bei den Texten ist der Autor ohne Hokuspokus bzw. Statistik-Analyse bekannt. Dass die Wahrscheinlichkeit für die Aussage "ein und derselbe Verfasser" nicht Null ...
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