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Musiklizenzgebühren: Über 4.000 Prozent Anstieg in Australien?

Die Phonographic Performance Company of Australia (PPCA) plant eine Erhöhung der Lizenzgebühren von Musik um mehr als 4.000 Prozent für Fitnessstudios, Restaurants und andere gewerbliche Einrichtungen.

In australischen Fitnessstudios wird es wohl bald sehr still werden, wenn sich die Phonographic Performance Company of Australia (PPCA) mit ihren Forderungen durchsetzen kann.

Wie auch in Deutschland müssen Gewerbebetriebe Lizenzgebühren abführen, wenn sie in ihrem Ladenlokal Musik spielen wollen. Bis zu einem gewissen Punkt kann man dies auch akzeptieren, vorausgesetzt die Gebühren liegen nicht jenseits von Gut und Böse. Eine Anhebung fern abseits dieser Grenzen soll nun jedoch in Australien durchgeführt werden, wie es die PPCA verlangt und in einer Pressemitteilung auch rechtfertigt. Es scheint jedoch ganz so, als wolle man wirklich das Allerletzte aus den Unternehmen herausholen - finanziell betrachtet.

Der Verband, welcher 750 Labels in Australien repräsentiert, stellt nämlich keine kleinen Forderungen. Man packt den Stier wahrlich bei den Hörnern und fordert eine Anhebung der Lizenzgebühren um mehr als 4.000 Prozent. Man mag es zuerst für einen Scherz halten, der von irgendeinem Nachrichtenportal gestreut wurde. Doch es ist weder der 1. April, noch würde der Verband dann selbst eine entsprechende Pressemitteilung herausgeben. Zum besseren Verständnis wie sich 2.000 Prozent auswirken, einige Zahlen. Die Beträge sind jährlich fällig: (1 AUD entspricht dabei ca. 0,58 Euro)

- Mittleres Restaurant (120 Sitzplätze): Anhebung von 125 Australische Dollar (AUD) auf 19.344 AUD (Anstieg:15475 Prozent)

- Kleine Restaurants (50 Sitzplätze): Anhebung von 84 AUD auf 16.016 AUD (Anstieg: 19066 Prozent)

- Cafe (50 Sitzplätze): Anhebung von 62 AUD auf 10.010 AUD (Anstieg: 16.145 Prozent)

- Kleines Cafe (30 Sitzplätze): Anhebung von 124 AUD auf 5.864 AUD (Anstieg: 4729 Prozent)

- Fitnessstudios: Anhebung von 96 Cent pro Gruppe bis zum Maximum von 2.600 AUD/Jahr auf 4.54 AUD pro Mitglied und Monat.

Zugegebenermaßen wirken die Zahlungen auf den ersten Blick tatsächlich sehr gering. Ein mittleres Restaurant zahlt für eine dauerhafte musikalische Untermalung lediglich rund 72 Euro pro Jahr. Eine kleine Anhebung wäre also vermutlich gar nicht weiter aufgefallen und hätte auch keinen Widerstand hervorgerufen. Wenn man jedoch statt diesen 72 Euro plötzlich knappe 11.200 Euro fordert, wäre es nicht verwunderlich, wenn in manchen Lokalitäten bald Stille einkehrt.

"Die Gebühren die wir bisher verlangt haben waren kaum nennenswert, weshalb wir nun versuchen, faire Einnahmen zu etablieren. Der Café-Besitzer muss sich nur fragen, ob es ihm die Musik wert ist, und falls nicht, muss er sie auch nicht spielen", so Stephen Peach, der Chief Executive der PPCA. Faire Einnahmen? Zugegebenermaßen waren die bisherigen Forderungen wirklich in einem akzeptablen Rahmen, aber die jetzige Forderung übersteigt jedwede Moral. Der Direktor für nationale Angelegenheiten bei der Australian Hotel Association, Bill Healey, ist verständlicherweise verärgert über diese Forderungen. Es sei unfair seitens der Labels, dass sie versuchen, sich auf Kosten des Gewerbes zu retten, insbesondere in Zeiten der Wirtschaftskrise. "Die internationalen Plattenlabels versuchen offensichtlich den Wert von Musik neu zu definieren, aber sie verstehen nicht die wirtschaftlichen Belange der Unternehmen, auf die sie abzielen. Die Geschäfte werden einfach keine Musik mehr spielen oder sie spielen einfach Musik, die keine PPCA-Gebühr notwendig macht, wie klassische Musik."

Wer denkt, dass die Anhebungen für Restaurants schon wahnwitzig sind, darf sein Augenmerk in Richtung der Fitnessstudios schwenken. Von bisherigen 96,8 Cent pro Kurs und Jahr soll dieser Wert nun auf 4,54 AUD pro Person (!) erhöht werden. Die Fitness-Kurse umfassen zumeist 20 bis 40 Personen, was eine bisherige Gebühr von 2 - 4 Cent pro Person ergibt. Jeder kann sich die Erhöhung selbst ausrechnen. "Seit Jahrzehnten bezahlt der hochprofitable Fitnesssektor nur eine erbärmliche Summe an die Künstler und Labels für die Musik, die so wichtig für deren Geschäft ist. Man stelle sich Menschen vor, die sich in einer stillen Workout-Gruppe verausgaben, dann kann man damit anfangen den Wert zu erkennen, den Musik zu der Fitness-Industrie beiträgt", so Peach. Dabei zieht man einen Vergleich mit der Leihgebühr von Handtüchern in Fitnessstudios, der zu dem Schluss führen soll, dass die Preiserhöhung gar kein so großes Problem darstellt. "Die Künstler haben es verdient, einen fairen Lohn für ihre Bemühungen zu erhalten. Sie sollten keine profitable Industrie unterstützen müssen", erklärte ein Mitglied des PPCA-Vorstands.  "Wo Musik einen Wert hinzufügt und dies ist im Fitness-Bereich sicher der Fall, sollte es auch erfasst werden und Künstler einen angemessenen Anteil daran erhalten. Musik sollte nicht als etwas betrachtet werden, dass umsonst überreicht wird oder für nichts", so das Vorstandsmitglied der PPCA, Lindy Morrison.

Was man dabei aber vergisst, ist die Tatsache, dass viele Besucher eines Fitness-Studios oft genug ihren eigenen MP3-Player dabei haben, und sich nicht sonderlich um die dortige musikalische Untermalung kümmern. Denn schlussendlich wird es wohl - sei es nun Restaurant oder Fitnessstudio - darauf hinauslaufen, dass wie auch sonst üblich die Gebühren auf die Konsumenten abgewälzt werden. Unterm Strich läuft es also darauf hinaus, dass der Kunde zahlt. Er zahlt Lizenzgebühren für Radio. Er zahlt für die CD. Er zahlt für Merchandising, Konzerte - kurz: er zahlt. Jetzt aber auch noch für Aktivitäten, bei denen Musik eher nebenher läuft. Es wird also ständig für Musik bezahlt, was doch sicherlich die Frage gestattet, wieso Downloads von Musik dann nicht langsam legal werden. Denn wenn man sich so ansieht, wie viel Geld von einer Einzelperson über ein Gewerbe an die Musikindustrie wandert, darf man sich schon fragen, ob der böse illegale Download damit nicht schon längst abbezahlt ist.

Das Urheberrechtstribunal muss nun über den Antrag der PPCA entscheiden und wird danach prüfen, ob die Kosten in Bezug auf ihre  Höhe wirklich angemessen sind. Man darf also gespannt sein. (Firebird77)

(via zeropaid, thx!)

(Bild via sydneykaraokeevents, thx!)

News Redaktion am Sonntag, 21.06.2009 17:37 Uhr

tagsTags: musik lizenzgebühren anstieg fitnessstudios phonographic performance company ppca restaurants australien

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24 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • blitzz am 22.06.2009 13:47:49

    Das mutet an wie die Vorbereitung auf eine Zeit, in der ein Laib Brot wieder 2 Milliarden Mark kosten wird. :eek: :D :D an seine jugend denkt, schwelg. http://img29.imageshack.us/i/pulver1.jpg mfg blitzz ...

  • Quineloe am 22.06.2009 13:31:18

    Für die uncoolen Leute, von mir aus. ...

  • unimatrix01 am 22.06.2009 13:27:55

    ^du meinst mp3 player ja? ...

  • Quineloe am 22.06.2009 09:01:41

    wer hört denn bitte schon Musik aus den Lautsprechern im Zeitalter des iPod? ...

  • Wulk am 22.06.2009 08:28:30

    Das mutet an wie die Vorbereitung auf eine Zeit, in der ein Laib Brot wieder 2 Milliarden Mark kosten wird. :eek: ...

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