Der unabhängige IT- und Tech-Kanal!
internet.board.entertainment.games.hardware

Cop15: Eine Stunde der Schande

Der Weltuntergang kann weitergehen: In Kopenhagen ist der Klimagipfel ergebnislos zuende gegangen. Die Unterhändler konnten sich auf keinen Konsens einigen. Ein Kommentar.

Am Ende ist das einzig vorzeigbare Ergebnis die "Vereinbarung von Kopenhagen". Das Papier hat Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen mit 25 anderen Regierungschefs ausgehandelt. Die zentrale Forderung der deutschen Regierung ist darin enthalten, die Beschränkung der Klimaerwärmung auf nicht mehr als 2 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit. Doch wie dieses Ziel erreicht werden soll, wird nicht festgelegt. Zehn Milliarden US-Dollar, die den Entwicklungsländern als jährliche Hilfe für Klimaschutzmaßnahmen zugesagt werden, sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Der Spiegel titelt über die Vereinbarung von Kopenhagen: "Kläglicher Kompromiss verhindert totales Scheitern". Eine lächerliche Einschätzung, denn das totale Scheitern ist alles, was herausgekommen ist in Kopenhagen. Das Papier wird lediglich "zur Kenntnis genommen". Unterzeichnen werden es nur eine handvoll Industrie- und Schwellenländer, die es selbst ausgehandelt haben.

Das Ziel dieser Verhandlungen zwischen Merkel, Wen Jiabao und anderen war nicht die Bekämpfung des Klimawandels. Es ging den Regierungschefs darum, am Ende etwas in der Hand zu haben, ohne irgendwelche Versprechen zu machen. Vor allem, ohne dass es zu einer Einigung kommt, die der mächtigen Wirtschaftslobby missfallen könnte.

Einen wichtigen Anteil an dem Scheitern von Cop15 hatte auch die Verweigerungshaltung der Amerikaner. Präsident Barack Obama war mit einem Angebot angereist, dass man gut und gerne eine Beleidigung nennen darf. Gerade einmal um vier Prozent wollten die USA ihre CO2-Emissionen bis 2020 gegenüber 1990 senken. Schuld daran war auch die Opposition, die Obama im eigenen Land entgegenschlug.

Immer noch leugnen viele konservative Abgeordnete schlichtweg den Klimawandel oder die menschliche Verantwortung dafür. Angefeuert von hunderten Millionen Dollars aus der Industrie spinnen PR-Spezialisten Märchen, um den Klimawandel zu verharmlosen und Zweifel daran zu schüren. Und viele Menschen folgen den Sirenengesängen von Fox News und Co, um nicht an die Gefahren glauben zu müssen, die ihr Konsum auslöst.

Aus Kopenhagen kommt Merkel zurück mit einem Kompromiss. Aber das Papier, dass sie dank der Klüngeleien der Mächtigen vorzeigen kann, ist, mit Verlaub, nicht mehr als ein Haufen Scheiße. Es stinkt nach Verrat an der Welt zugunsten der neoliberalen Agenda. Einer Agenda, die für kurzfristige Gewinne weniger Reicher bereit ist, den Weltuntergang zu riskieren.

Dabei wären in diesem Moment starke Entscheidungen wichtig gewesen. "Macht die richtige Politik und die Technologie wird folgen", forderte der maledivische Präsident Mohammed Nasheed die Unterhändler auf. Die richtige Politik: Das wäre eine Verpflichtung zu nicht mehr als 1,5 Grad Klimaerwärmung. Denn sonst wird Nasheeds Heimat im Meer versinken.

Genauso geht es den Unterhändlern von Tuvalu, die sich zu Rädelsführern des Boykotts gegen die Verhandlungen aufschwangen, um dieses Ziel durchzusetzen. Venezuelas Regierungschef Hugo Chávez forderte, der Westen müsse seine "Klimaschuld" gegenüber den Ländern des Südens begleichen und seine Kollege Evo Morales aus Bolivien sprach von einer "Kultur des Todes", die globale Ressourcen auf Kosten der Bevölkerungsmehrheit verschwendet. Der Unterhändler des Sudan warnte vor der "Auslöschung von Afrika".

Es ist ein seltener Moment, in dem man einem Politiker des diktatorischen Krisenstaats Sudan recht geben muss. Aber die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Studien prognostizieren fast eine Milliarde Klimaflüchtlinge bis zur Mitte dieses Jahrhunderts. Durch den Klimawandel ausgelöste Dürren, Überschwemmungen und Stürme werden Millionen Menschen das Leben kosten. Schuld daran ist die Weigerung der Regierenden, das Problem anzugehen.

Angela Merkel sagt, sie hätte gern mehr erreicht. Aber "die Verhandlungen waren extrem schwierig". Das ist Zynismus pur. Und es ist eine verdammt schwache Entschuldigung, wenn deshalb Menschen sterben müssen.

(Bild: CC BY von ItzaFineDay, thx!)

Simon Jonas Hadlich am Samstag, 19.12.2009 18:00 Uhr

tagsTags: klima klimagipfel klimaschutz klimawandel klimaerwärmung

Bookmark and Share
vgwort
 
Weitere interessante News
55 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Mordechai am 17.01.2010 20:33:11

    @CokeZ: Extreme Wetterschwankungen sollen ja auch eine Folge des Klimawandels sein, bei den immer schlimmeren Unwettern neige ich sogar dazu, das zu glauben. Oh, bin grad erstmal über den Climate Gate gestolpert, schon interessante Mails die da getauscht wurden. Wei ...

  • FloFX am 22.12.2009 11:50:59

    Abschliessend: Was diese ganze Diskusion angeht gibt es nur Theorien, und keine der Seiten hat tatsächlich eindeutige Beweise, man hat Indizien... Sag ich doch: Keiner hat ne Ahnung wie sich der menschliche Eingriff auswirkt, da ist Vorischt geboten, oder ni ...

  • Yagharek am 21.12.2009 11:25:44

    Co² ist in der Athmosphäre zu 0,038% vorhanden, für 3% davon ist der Mensch verantwortlich oder: Der Mensch ist für 0,00114% des in der Athmosphähre befindlichen Co²'s verantwortlich. Wie schreibt doch einer,[URL="http://board.gulli.com/thread/1487360 ...

  • Diablokiller999 am 21.12.2009 10:53:12

    Was FloFX sagen wollte, sollte aber eigentlich schon recht plausibel sein. Wir wissen nunmal nicht genau ob wir mit diesem Verhalten alles kaputt machen und haben die Alternativen schon zur Hand, sollten wir das Risiko dann trotzdem eingehen? Wäre schon schade wenn wir Enden wie der Raucher der ers ...

  • Deadman_Walking am 21.12.2009 09:40:45

    Ihr kennt doch die Metapher mit dem Fass und dem Überlaufen? Keiner kann genau sagen wie sich der menschliche Anteil am CO2-Ausstoß auswirkt - also blasen wir besser mehr in die Atmosphäre, kann ja sein es passiert nichts? Dumm nur das der Anteil des vom Menschen pr ...

weitere Kommentare lesen     Nachricht kommentieren

 
Fotostrecke
News [Kurioses]

Apple filterte den Begriff "Jailbreak" im iTunes Store

Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr

befreit: ipad 3 & iphone 4s

Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.

mehr mehr lesen...

Browsergames
Gondal World

TOPTIPP: Gondal World

Kämpfe als Held in diesem einzigartigen Fantasy Game. Viele Gefahren und Abenteuer erwarten dich! Escaria spielen

Escaria

Escaria

Erschaffe deine eigene Insel und erobere die Welt. Krieg oder Wachstum - deine Strategie entscheidet! Escaria spielen

Artyria

Artyria

Werde Gladiator und kämpfe im antiken Zeitalter um Ruhm und Ehre. Gehe Bündnisse mit anderen Spielern ein und kämpft gemeinsam gegen die schrecklichen Barbaren. Artyria spielen

Gondal

Gondal

Ziehe als einsamer Waldläufer oder an der Seite von Kampfgefährten in einem Fantasy-Spiel von Abenteuer zu Abenteuer. Gondal spielen

Last Emperor

Last Emperor

Tritt gegen legendären Samurai aus Japan des 19. Jahrhundert an und werde der gefürchtetste aller Samurai. Last Emperor spielen

Nightcreeps

Nightcreeps

Tritt in eine epische Schlacht zwischen Werwölfen und Vampiren, in der nur die Stärksten überleben werden, ein. Nightcreeps spielen

gulli:picsArtikel empfehlengulli RSS News Feedsgulli RSS NewsPresso Feedsgulli:Newslettergulli twittertgulli bei facebookgulli:news im AppStoreSeitenanfang