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Mutter twittert Unfalltod ihres Kindes

Unter den US-amerikanischen Twitter-Anhängern ist es zu einer kontroversen Diskussion gekommen, nachdem der zwei Jahre alte Sohn einer Twitter-Userin in einem Pool ertrunken war. Zuerst informierte sie den Rettungsdienst. Kurz darauf ihre Twitter-Follower.

Wie viel "Instant Communication" kann die Netzwelt ertragen? Keine leicht zu beantwortende Frage. Zahlreiche Twitter-User aus den USA nehmen sich dieser Thematik jedoch aktuell an. Auslöser dafür ist eine Frau namens Shellie Ross. Diese betreibt das Weblog Blog4Mom sowie den Twitter-Account "Military_Mom". Letzterer kann über 5.300 Follower verzeichnen. Auch ihr Weblog ist regelmäßig gut besucht.

Nach dem tödlichen Unfall ihres Sohnes erntet sie jedoch aktuell in erster Linie eines: Verachtung. Was war passiert? Am vergangenen Montag, den 14. Dezember, twitterte sie wie üblich den ganzen Tag hindurch. Sie berichtete um 17:22, dass sich langsam der Nebel über Brevard County in Florida legen würde. Irgendwann zwischen 17:22 und 17:38 fiel ihr zwei Jahre alter Sohn in den Swimming-Pool. Sie fand ihn, am Grund des Pools liegend.

Laut den Aufzeichnungen des Rettungsdienstes kontaktierte sie diese um 17:38. Es vergingen gerade einmal 30 Minuten, als sie gegen 18:12 Uhr eine Twitter-Nachricht über ihren Account schickte. Sie schrieb: "Bitte betet wie noch nie zuvor, mein zwei Jahre alter Sohn ist in den Pool gefallen." Zwischenzeitlich wurde der Tweet entfernt. Nur wenige Minuten, nachdem die Nachricht gesendet wurde, erklärte ein Notarzt ihren Sohn für tot.

Um 23:08 folgte ein weiterer Tweet. "Erinnert euch an meinen wunderbaren Sohn". Der Tweet enthielt einen Link, der zu einem Foto ihres verstorbenen Sohnes führte. Besonders konfus wird die Situation, weil vollends unklar ist, was sie zwischen 17:22 Uhr und 17:38 Uhr getan hat. Am Dienstag erklärte Ross hierzu in einem Tweet, dass sie mit ihrem Sohn draußen war. Es hätte "nur einen Augenblick" gedauert, dann wäre er ihr entwischt. Die Polizei bestätigte bisher alle Äußerungen von Ross. Es handele sich eindeutig um einen Unfall.

Die Kernfrage, die sich einige ihrer Follower, also Beobachter ihres Twitter-Accounts, jetzt stellen, wird sehr konkret. Wenn das eigene Kind gerade in den Pool gefallen ist. Der Rettungsdienst mitsamt Notarzt sich im eigenen Haus befindet, um das Leben des Kindes zu retten. Darf es sein, dass eine Mutter dann über den Unfall twittert? Dass sie nur wenige Stunden nach dem Tod ein Bild ihres toten Sohnes veröffentlicht?

Keine einfach zu beantwortende Frage, zumal die Kritik aus dem Umfeld der Follower groß und vor allem kalt ist. Experten äußerten sich bereits dahingehend, dass Twitter für Ross nunmal der schnellste Weg wäre, zu kommunizieren. Man dürfe ihr hier keinen Vorwurf machen. Sie erreiche so am schnellsten ihre Freunde und Familie.

Es gibt aber auch andere Stimmen, wie die der Bloggerin Madison McGraw. Sie lebt im selben Ort. Persönlich kennt sie Shellie Ross nicht. In ihrem Blog findet sie jedoch deutliche Worte für den Unfall und steht mit ihren Ansichten nicht allein. "Vielleicht wäre Mrs. Ross Sohn noch am Leben, hätte sie weniger Zeit mit Twittern verbracht und stattdessen mehr mit ihm gespielt."

In der Zwischenzeit hat Shellie Ross ihre Twitter-Nachrichten für die Öffentlichkeit gesperrt. Die kritisierten Tweets sowie das Bild wurden ebenfalls gelöscht. Lediglich in ihrem Blog hat sie gestern einen Eintrag veröffentlicht, der grob erahnen lässt, was gegenwärtig vor sich geht. Sie bittet die Presse auf Abstand zu gehen, ihre Hofeinfahrt nicht zu blockieren und ihr Grundstück nicht zu betreten. Man habe den Medien nichts zu sagen und wolle auch keine Interviews geben. Verständlich, dass einige dies nach ihren Twitter-Nachrichten nicht ernst nehmen. Sie endet ihren Blogeintrag mit den Worten: "Lasst uns in Ruhe".

(via floridatoday, thx!)
(Bild via drweb, thx!)

Klaus Müller am Freitag, 18.12.2009 09:12 Uhr

tagsTags: twitterhawk

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56 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Karlsruher_SC am 22.12.2009 20:01:12

    Ich frage mich generell was einen dazu bringt sein ganzen Lebenslauf zu twittern. Für wichtige Nachrichten usw. sicher ganz nützlich (siehe Iran usw.) aber wen bockt es, ob in Brevard County Nebel ist oder nicht. Meiner Meinung nach bekommen diese Menschen im wahren Leben zu wenig Aufmerksamkeit ...

  • Schrenk am 22.12.2009 16:24:19

    Es gibt für den Fall dass man nicht will, das das Kind rausgeht, Treppenschutzgitter. Für so kleine Kinder wäre das nicht schlecht. Wenn man schon nicht dauernd beim Kind sein kann, einfach versperren was gefährlich ist. Hat sie eigentlich die Tür offen lassen? Ei ...

  • beeze am 21.12.2009 13:17:02

    Natürlich kann man ein Kind nicht 24h am Tag unter Kontrolle haben, aber solch offensichtliche Gefahrenquellen könnte man schon erkennen. (Wasser, Hund, unversperrte Fenster...) Ist sicher hilfreicher als zu Gott zu beten. Kann man nicht? Hm .... manche Leute s ...

  • Annika_Kremer am 20.12.2009 15:55:04

    Ich glaube, das dauert nicht so lange. Da anzunehmen ist, dass ein Kind in dem Alter noch nicht schwimmen kann und der Körper auch noch viel empfindlicher ist. Vermutlich nur ein paar Minuten. Wobei ich das natürlich auch nur schätzen kann - haben wir vielleicht irgendwelche Mediziner oder Rettun ...

  • TRON2 am 20.12.2009 15:10:45

    Mich würde mal interessieren, wielange es braucht bis ein 2 jähriges Kind versinkt. Vielleicht weiß das ja jemand. Noch nicht. Musst aber bis Frühjahr warten, immo sind die Pools ja noch vereist.:D ...

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