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EPS-Finale: eSport und mehr in Köln

Am gestrigen Sonntag fand der zweite Teil der Finalspiele der ESL Pro Series Season 15 statt. In Köln trafen sich Tausende von eSport-Fans, um den Spielern in den Games Counter-Strike:Source, Warcraft 3 und Counter-Strike 1.6 zuzuschauen und zuzujubeln.

Schon zum wiederholten Male fand das Finale auf dem Expo 21-Gelände statt. Dies wird sich womöglich im nächsten Jahr ändern - die Verhandlungen dazu laufen noch. Rund 5000 eSport-Fans wurden vorab zu dem zweitägigen Event erwartet (gulli:News berichtete) und Tobias Merklinghaus, PR-Manager von Veranstalter Turtle Entertainment, zeigte sich gegenüber gulli:News zuversichtlich, dass diese Zahl auch im Laufe des Sonntags erreicht werden würde.

Der Samstag hatte es bereits in sich: neben den Halbfinalspielen vieler Disziplinen und dem FIFA-Finale tat sich auch sonst so einiges rund um den eSport. So gab es sogar einen besonders romantischen Moment: die Siegerin eines der als Rahmenprogramm veranstalteten Gewinnspiele machte ihrem Freund von der Bühne aus einen Heiratsantrag. Liebe und eSport - auch das kann offenbar zusammengehen und zeigt, wie sehr im Laufe der letzten Jahre eine Community rund um den eSport entstanden ist.

Eine Community, die von den ESL-Verantwortlichen professionell betreut wird. Dazu gehört auch die aktuelle Versorgung mit Informationen über die Spiele. Kaum ein Fan reist zu allen Events, und doch wollen viele kein Spiel verpassen. Deswegen gibt es bereits seit Längerem den ESL-TV-Stream, auf dem alle wichtigen Partien live übertragen werden (kostenlos oder gegen eine monatliche Gebühr in höherer Qualität). Für die TV-Übertragung ist einiges an Infrastruktur notwendig. Im Backstage-Bereich stehen zahlreiche Computer, Monitore und Server, an denen eifrige Techniker ihrer Arbeit nachgehen: die Schaltzentrale des ESL-TV. Hier werden die Streams entsprechend gemischt und dann an die Clients verteilt. Merklinghaus erklärt, dass zur Verbesserung der Performance das P2P-Plugin Octoshape eingesetzt wird. Gerade angesichts der dicken Leitungen vieler Gamer kann so eine performante und zuverlässige Übertragung gewährleistet werden. Früher, so der PR-Manager, wäre der Stream gelegentlich aufgrund zu vieler Zugriffe abgestürzt. Mit Octoshape komme dies nicht mehr vor. 

Das alles verlangt natürlich so einiges an Infrastruktur. Die für ein ESL-Event benötigte Technik und sonstige Ausrüstung kann mittlerweile nur noch per Lastwagen zur jeweiligen Location transportiert werden - drei bis vier 40-Tonner sind es, die bei jedem Intel Friday Night Game (so bezeichnet die ESL die regelmäßig stattfindenden Offline-Events) und natürlich auch beim Finale benötigt werden. Dies, so Merklinghaus, illustriere das immense Wachstum der ESL und des eSports in den letzten Jahren - in den Anfangstagen wären lediglich einige Kombis benötigt worden. Mittlerweile aber ist die Organisation und Infrastruktur hochprofessionell. Die Verantwortlichen seien "nicht ein paar Freunde, die sich hier treffen," betont Merklinghaus, sondern Profis wie in "jedem anderen Unternehmen". 

Diese organisatorischen und technischen Leistungen blieben natürlich auch am Sonntag weitgehend im Hintergrund. Im Vordergrund standen die besten eSportler der vergangenen Season und ihr Kampf um Ruhm, Ehre, Medaillen und Preisgeld. Die erste Gelegenheit dazu bekamen die Counter-Strike:Source-Spieler. Der Seriensieger der letzten Jahre, mtw Mindfactory, hatte sich überraschend nicht für das Finalspiel qualifiziert (sie wurden letztendlich Dritte). Den Kampf um den Titel lieferten sich der Zweite der letzten Season, Team Alternate, und die in der Saison sehr stark spielenden und verdient zum Tabellenführer gewordenen Jungs von hoorai.Xilence. hoorai allerdings begann das Match gleich mit einem Paukenschlag: einem Teamkill in der ersten Runde. Trotzdem konnte das Team dem Gegner Alternate anfangs gut die Stirn bieten und sorgte für ein ausgewogenes und spannendes Match mit zahlreichen knappen Runden. Alternate wurde allerdings zunehmend stärker und letzendlich gingen sowohl die erste als auch die zweite der im "Best of Three"-Modus gespielten Maps an das Werksteam aus Linden. Nach zahlreichen zweiten Plätzen in der jüngeren Vergangenheit konnte Team Alternate also endlich einmal den Platz ganz oben auf dem Treppchen erobern. Die Spieler von hoorai.Xilence dürften es nach der ersten Enttäuschung mit Fassung getragen haben angesichts ihrer großen Steigerung gegenüber den letzten Seasons. Vielleicht reicht es ja in einem halben Jahr zum Sieg.

Nach dem Counter-Strike:Source-Finale und der dazugehörigen Siegerehrung fand eine Pause statt. Neben Free-Gaming und Gewinnspielen wurde den eSport-Fans auch musikalische Unterhaltung in Form der leicht nerdigen, aber mitreißenden Elektro-Popper von der Gruppe typ:t.u.r.b.o.

Nach der Pause folgte das Endspiel im Strategiespiel Warcraft 3. Das Interessante in diesem Jahr: zum ersten Mal seit Langem war ein Spieler jeder der vier im Spiel vorhandenen Rassen unter die besten vier gekommen. Die Sieger der Halbfinal-Begegnungen, der 19-jährige Marc "yAwS" Förster und der 18-jährige Tobias "Reign" Muth, lieferten mit Human gegen Nightelf eine schon lange nicht mehr in deutschen Finalspielen gesehene Paarung. Der wesentlich erfahrenere Förster, der bereits einmal Zweiter der EPS geworden war, wurde von den meisten Beobachtern als Favorit gehandelt, zumal er am Vortag den Seriensieger der letzten Seasons, Daniel "ixi" Spenst, überzeugend hatte schlagen können. Förster legte denn auch stark vor, musste aber die zweite Map (seiner Aussage nach eine Map, die er ohnehin nicht mag) abgeben. Es wurde nach dem Modus "Best of Five", also um drei Siege, gespielt. Zu fünf Maps allerdings sollte es nicht kommen, denn nach dem 1:1 konnte Förster souverän die nächsten beiden Maps für sich entscheiden. Die Freude und Erleichterung über den Sieg war dem Spieler von mtw.Mindfactory, der nach einer verpassten Finalteilnahme, Querelen mit dem Nationalteam und allgemeinem Frust bereits ans Aufhören gedacht hatte, deutlich anzumerken. Förster, der mit einem beachtlichen Trainingspensum zum Finale kam, bezeichnete seinen Sieg als "einfach geil" und berichtete, zuletzt unter anderem durch die WCG-Finals in Chengdu (gulli:News berichtete) einen großen Motivationsschub erhalten zu haben. Der zweitplatzierte Muth war deutlich enttäuscht, erklärte aber selbst, dass dies wohl nicht lange anhalten werde und bald wohl auch die Freude über die enorme Leistungssteigerung in den letzten Monaten einsetzen würde. Ganz und gar unzufrieden mit seinem Abschneiden war dagegen der Drittplatzierte, Daniel Spenst, der sich offensichtlich deutlich mehr erhofft hatte. Von Resignation allerdings keine Spur: Spenst kündigte an, in der nächsten Season erneut angreifen zu wollen und beweisen zu wollen, dass Comebacks auch in der eSport-Welt möglich sind. Dazu allerdings will er statt "ixi" wieder seinen alten Nick "XLord" führen - hatte ihm dieser doch in der Vergangenheit weit mehr Glück gebracht.

Als letzte Disziplin stand das beliebteste Spiel auf dem Programm: Counter-Strike. Hier gab es eine Neuauflage des ewigen Duells zwischen dem mit einem großen Fanclub angereisten Seriensieger mousesports und Dauerrivale Team Alternate zu sehen. Noch pikanter wurde die Sache dadurch, dass Leistungsträger Roman "roman" Ausserdorfer von Team Alternate in der nächsten Saison für mousesports spielen wird. Für genug Brisanz war also gesorgt. In der Saison hatte Team Alternate deutlich stärker gewirkt und souverän den ersten Tabellenplatz erobert. Mousesports hatte sich zudem mit mehrfachen Lineup-Wechseln in die Schlagzeilen gebracht und auch international zuletzt eher mäßige Erfolge erzielt. Allerdings hatte das Team schon mehrfach bewiesen, dass es auch nach eher verkorksten Monaten im Finale stets gefährlich ist. Wie gefährlich, dass sollten die Spieler von Team Alternate bald feststellen: Auf der ersten Map de_dust2 wurden sie von den "Mäusen" regelrecht abgeschlachtet und verloren mit 16:4. Teammanager Johannes "siGGe" Sick erklärte lapidar, man sei "mit der offensiven Spielweise [des Gegners] nicht klargekommen". Spannender wurde es auf der zweiten Map, de_nuke. Hier konnte Team Alternate dem Gegner eher paroli bieten und führte zwischenzeitlich sogar. Letzendlich allerdings musste man auch diese Map aus der Hand geben und verlor durch eine insgesamt enttäuschende Leistung wieder einmal das Finale gegen den Dauerrivalen mouz, der damit bereits den vierten Titel in Folge gewinnen konnte.

Nach den Finals steht zunächst einmal die Winterpause an. Und wie vertreiben sich eSportler und Fans diese? Eigentlich so wie andere Sportler auch: mit Erholung, Training und Wechselgerüchten. Denn eines ist klar: Die nächste Spielzeit kommt bestimmt.  

Annika Kremer am Montag, 14.12.2009 03:03 Uhr

tagsTags: esport esl

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2 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Sanchez_ am 14.12.2009 09:54:15

    die Siegerin eines der als Rahmenprogramm veranstalteten Gewinnspiele machte ihrem Freund von der Bühne aus einen Heiratsantrag ahahahaha megalol Aber schön, dass die Spiele trotz der aktuellen Deatten stattfinden konnten. ...

  • MonKei am 14.12.2009 08:15:09

    Wie schade, dass auch hier nur über die üblichen Verdächtigen unter den Spielen berichtet wird. :( Aber thx für die News. Auf fragster steht auch eine, sehr empfehlenswert da mal die Kommentare der weiblichen Begleitungen durchzulesen. :D ...

  • Annika_Kremer am 14.12.2009 03:03:23

    Am gestrigen Sonntag fand der zweite Teil der Finalspiele der ESL Pro Series Season 15 statt. In Köln trafen sich Tausende von eSport-Fans, um den Spielern in den Games Counter-Strike:Source, Warcraft 3 und Counter-Strike 1.6 zuzuschauen und zuzujubeln. [url=http://www.gulli.com/news/eps-finale-e ...

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