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UK: "Krieg gegen die Photographie" geht weiter

Immer wieder werden in Großbritannien Photographen von der Polizei schikaniert. Eine deutliche Mahnung an die Polizeichefs des Landes sollte dem ein Ende bereiten. Doch bereits wenige Tage später gibt es wieder einen Aufsehen erregenden Fall.

Paul Lewis arbeitet für den "Guardian". Beim Photographieren eine Büroturms in Londoner Finanzviertel wurde er von Polizisten angehalten und schikaniert. Der Grund ist, wie so häufig, der vermeintliche "Kampf gegen den Terrorismus".

Lewis beschreibt das Erlebnis in einem Beitrag für seine Zeitung. "Es fühlte sich an wie ein kleiner Terroralarm. Vier Wachmänner bewachten mich, in die Mikrofone an ihren Krägen flüsternd. Ein Polizeibeamter in Zivil hatte gerade meine Kameralinse bedeckt, die Worte 'feindliche Erkundung' erwähnt und mir gesagt, dass ich durch die Stadt verfolgt würde, wenn ich mich bewegte.

Zwei uniformierte Beamte seien unterwegs, um mich unter Abschnitt 44 des Terrorismus-Gesetzes festzuhalten und zu durchsagen, sagte er. Special Branch, die mit den Geheimdiensten verbundene Anti-Terror-Einheit der Polizei, sei informiert worden."

Der Photograph hatte die Aufmerksamkeit des Sicherheitsdienstes des Büroturms erregt, weil er sich auf das Privatgelände um das Gebäude begeben hatte. Nachdem er den privaten Wachleuten keinen Einblick in die geschossenen Photos gewähren wollte, riefen sie die Polizei. Weil Lewis auch dem "Sekunden später" erscheinenden Polizisten in Zivil weder die Bilder zeigen noch sagen wollte, wer er ist und was er tat, rief dieser die Anti-Terror-Polizei.

Auch diese Beamten waren laut Lewis darauf konzentriert, seine Photos einzusehen. Dabei haben sie darauf auch laut dem ausgesprochen weitgreifenden "Terrorism Act" kein Recht, wenn keine "außerordentlichen Umstände" vorliegen. Um von Journalisten gemachte Bilder einzusehen, ist sogar ausdrücklich ein Gerichtsbeschluss nötig (Lewis hatte die Beamten allerdings nicht darüber informiert, dass er im Auftrag des Guardian unterwegs war).

Darauf, dass sie keine harmlosen Photographen schikanieren sollen, wurden die britischen Polizisten erst Anfang der Woche hingewiesen. In einem Schreiben an die Polizeichefs des Landes heißt es: "Polizeibeamte [...] seien daran erinnert, dass wir keine Personen dafür anhalten und durchsuchen sollten, dass sie Photos schießen."

Man könnte nun meinen, in Lewis' Fall handele es sich um das Fehlverhalten einiger einzelner Beamter. Doch die Anti-Terror-Polizisten riefen gleich zweimal ihre Zentrale an, um sich nach den Regeln zu erkundigen. Sie drohten dem Photographen, ihn wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt festzunehmen, würde er ihnen nicht Folge leisten.

Und selbst in dieser Woche ist es nicht der erste Fall. Der Architektur-Photograph Grant Smith wurde nur wenige Tage zuvor festgenommen, als er die "Christ Church" aufnahm. Die Kirche liegt nur eine kurze Strecke von dem Ort entfernt, an dem Lewis mit der Polizei aneinander geriet.

Smith' Fall ist sogar noch auffällig als der von Lewis: Er trug ein Anstecker mit der Aufschrift "Ich bin ein Photograph, kein Terrorist". Mit diesem Slogan protestieren britische Photographen gegen die Behandlung, die Smith und Lewis erfuhren. Ein Fernsehteam des Senders ITN, dass an den Ort eilte, um über den Fall zu berichten, wurde von den Beamten ebenfalls angehalten und durchsucht.

Ähnlich erging es einem Kollegen von Lewis. Als der Photograph den Polizisten schließlich die Bilder zeigte, hatten sie noch einen zweiten Journalisten angehalten. Lewis' Kollege Martin Godwin hatte die Szene von der anderen Straßenseite beobachtet und photographiert. Auch er wurde nach Abschnitt 44 des Terrorismus-Gesetzes angehalten und gezwungen, die Bilder vorzuzeigen.

Obwohl es offensichtlich rechtswidrig ist, hat die Londoner Polizei das Verhalten ihrer Beamten öffentlich verteidigt: "Öffentliche Sicherheit ist unsere oberste Priorität. Wir haben auf berechtigte Sorgen aus unserer Gemeinschaft über das Verhalten einer Person in der Nähe eines bedeutenden Gebäudes reagiert und angemessen gehandelt. Laut Gesetz können digitale Bilder als Teil einer Durchsuchung nach Abschnitt des Terrorismus-Gesetzes von 2000 eingesehen werden, wenn die Einsicht dazu dient festzustellen, ob die Bilder dergestalt sind, dass sie im Zusammenhang mit Terrorismus verwendet werden könnten. [...] In diesem Fall weigerte die Person sich zu erklären, was sie tat, daher musste die Beamten weitere Ermittlungen auf der Straße ausführen."

Damit setzt die Londoner Polizei ihren "Krieg gegen die Photographie" ungeachtet aller Kritik weiter fort. Offensichtlich besteht intern ein beträchtliches Interesse an der Einschüchterung von Bürgern und Journalisten. Anders kann das kontinuierlich rechtswidrige Verhalten der vermeintlichen Ordnungshüter kaum erklärt werden.

Quelle: Guardian

Bild: CC BY-SA fabbio

Simon Jonas Hadlich am Samstag, 12.12.2009 23:59 Uhr

tagsTags: großbritannien

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24 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • vga am 19.12.2009 16:28:55

    @Shadowrunner200 du tust mir leid. du glaubst tatsächlich beide seitend er medalie zu beleuchten? das tust du eben nicht. 1. ein Haus einer Familie mit einem Bürogebäude zu vergleichen ist unsinnig, da in einem bürogebäude das öffentliche leben im sinner von arbeit statt findet wärend eine E ...

  • TRON2 am 14.12.2009 17:42:26

    Dummheit ist kein Virus, aber sie verbreitet sich wie einer! Das passt zu deinem Meisterwerk.:T ...

  • Shadowrunner200 am 14.12.2009 16:17:21

    Grundsätzlich hättest du recht insofern das Privatgelände als solches gekennzeichnet ist. Ein Privatgelände muss nicht als solches gekennzeichnet sein. Natürlich ist es einfacher wenn man sein gelände befriedet (einzäunt) aber erstens geht das nicht überall und ...

  • TRON2 am 14.12.2009 15:52:54

    Wenn also nicht jeder auf mein Privatgelände darf ist das Volk in der Entwicklung gehindert??? Vielleicht solltest du doch nochmal den Unterschied zwischen privatem und öffentlichen Gelände nachschauen... Park Sanssouci ist in dem Sinne auch Privatgelände, stell ...

  • BudFudlecker am 14.12.2009 10:08:40

    Tja wer sich abertausende potentielle Terroristen ins Land geholt hat kann halt nur noch an den Symtomen rumdoktorn. Wenn die Planstellen für die Anti-Terror-Polizei dann schon mal da sind muss man ja auch arbeiten. Dort stellt sich dann die Frage versuche ich unter vollverschleierten Burkas zu ko ...

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