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Eltern starten Klagereihe wegen Sexting-Nachrichten

In den USA könnte es bald zu einem wichtigen Prozess kommen. Auf der Klägerseite stehen die Eltern der verstorbenen Jessica Logan. Diese hatte im Alter von 18 Jahren Selbstmord begangen. Die Eltern geben ihren Mitschülern und Lehrern die Schuld.

Der scheinbare Auslöser für den Suizid wird in einem Verhalten gesehen, das immer häufiger unter Jugendlichen anzutreffen ist. Man hat das Phänomen auf den Namen "Sexting" getauft. Der vielleicht harmlos klingende Begriff ist inzwischen Sinnbild für ein Problem der heutigen Jugend, welches in direktem Zusammenhang mit modernen Kommunikationsformen steht. Die Handlung ist simpel, lautlos und vor allem schnell.

Mithilfe des Handys oder einer Digicam wird der aktuelle Partner in freizügigen Posen fotografiert. Die Beteiligten sind dabei selten älter als 18 Jahre. Irgendwann scheitert die junge Beziehung oder eine der beiden Seiten versucht sich zu profilieren. Die Bilder wandern per MMS oder als E-Mail Anhang zu weiteren Schulkameraden. Immer weiter, bis fast jeder sie kennt. Die öffentliche Demütigung ist perfekt, denn einmal in die Welt gesetzt, lassen sich solche Bilder nur schwer oder gar nicht wieder beseitigen.

Der High-School Schülerin Jessica Logan erging es ähnlich, wie die Klageschrift ihrer Eltern erklärt. Sie stand kurz vor dem Schulabschluss, als sie ein Foto von sich an ihren festen Freund Ryan Salyers schickte. Sie hatte es mit einer Digitalkamera aufgenommen. Es zeigte sich stehend, den Rücken zur Kamera gewandt. Nackt. Kurze Zeit später trennte sich das Paar. Ihr Ex-Freund sah sich daraufhin scheinbar veranlasst, das Bild seinen Freunden zu zeigen. Von diesen aus wanderte das Bild immer weiter. Quer durch die Sycamore sowie die Loveland High School.

Am 5. Mai 2008 suchte Jessica den Kontakt mit der Schulleitung. Sie hoffte darauf, dass diese eine weitere Verbreitung des Bildes unterbinden könnten. Vielleicht wäre sogar die Löschung von den Handys einiger Schüler möglich gewesen. Die Schule verwies die Hilfesuchende jedoch lediglich an einen Polizeibeamten, der als Ansprechpartner der Schule zugeteilt war. Der Polizeibeamte Paul Payne erklärte ihr, dass er die Schüler zwar zu einer Löschung auffordern könne. Mehr wäre jedoch nicht möglich, da sie auf dem Bild bereits 18 Jahre alt sei.

Bereits zuvor war an der Schule ein ähnlicher Fall aufgetreten. Das abgebildete Mädchen war jedoch noch minderjährig. Payne eröffnete daraufhin ein Strafverfahren und konsultierte die Eltern aller Kinder, die das Bild auf dem Handy hatten. Wirklich helfen konnte er Jessica Logan jedoch nicht. Stattdessen schlug er ihr vor, in einem lokalen Fernsehsender aufzutreten. Anonymisiert. Dort sollte sie über die Gefahren von "Sexting" sprechen. Sie hielt dies scheinbar für sinnvoll und folgte der Bitte. Obwohl man ihr Gesicht nicht sah und die Stimme verändert wurde, wussten alle Schüler der High School, wer dort auftrat.

Ab diesem Zeitpunkt war auch klar, dass Jessica Logan einige von ihnen "verraten" haben musste. Es folgten massive Mobbing-Attacken. Die Schüler beschimpften sie als Hure oder Schlampe. Es folgten Telefonanrufe und Kurznachrichten mit herabwürdigendem Inhalt. Jessica fehlte immer häufiger in der Schule. Ihre Lehrer versuchten ihr davon abzuraten, an den Abschlussprüfungen teilzunehmen.

Ihre Eltern ahnten lange Zeit nichts, bis Briefe von der Schule kamen. Sie versuchten die Schule zu verklagen, weil diese die Mobbing-Attacken nicht unterbinden konnte. Ihrer Tochter werde die Bildung verwehrt. Dies sollte jedoch ihre geringste Sorge sein. Jessica Logan schaffte ihre Abschlussprüfungen. Selbst während der Abschlussballs sowie der anschließenden Feier wurde sie bedrängt. Auch die Telefonanrufe sowie Kurznachrichten nahmen kein Ende.

Am 3. Juli 2008 erwies sie einer guten Freundin von ihr die letzte Ehre. Diese hatte wenige Tage zuvor Selbstmord begangen. Jessica Logan sah sich scheinbar in derselben, ausweglosen Situation. Am Abend desselben Tages erhängte sie sich in ihrem Schlafzimmer.

Was ihre Eltern nun mit der Klage suchen, mag wie Vergeltung wirken. Dies lässt sich vermutlich nicht gänzlich abstreiten. Ob es jedoch letzten Endes zu einer Verurteilung aller Personen kommen wird, die beschuldigt werden, ist fraglich. Es stellt sich auch die Frage, wieso die Eltern so lange Zeit im Dunkeln waren. Hatte ihre Tochter nicht genug Vertrauen, um mit ihnen darüber zu sprechen? Vermutlich wird der Prozess - sofern die Klage zugelassen wird - nur Detailfragen klären können. Die Klageschrift kann hier eingesehen werden. 

(via wired, thx!)
(Bild via wired, thx!)

Klaus Müller am Dienstag, 08.12.2009 19:32 Uhr

Tags: jugendliche sexting

vgwort
 
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45 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • ctvirus am 14.12.2009 16:08:34

    tja, we live a fucked up life in a fucked up world... ...

  • MeisterEckhard am 14.12.2009 11:46:28

    Tja es sind eben nicht alle mit Anstand und Hirn gesegnet worden bei der Geburt... Mitunter auch nicht dieser Junge da... Und das wirklich schlimme ist das er ja zumindest in der schule mal mit sowas wie Moral oder Anstand in Berührung gekommen sein müsste. Ich mein ...

  • spanther am 11.12.2009 23:27:52

    Den Typen würde ich... Nein, so möchte ich mich hier nicht äußern. Selbst wenn eine Beziehung beendet wurde (warum auch immer) gibt das keinem das Recht den anderen derart zu diffamieren. Tja es sind eben nicht alle mit Anstand und Hirn gesegnet worden bei der Geburt. ...

  • Der_W am 11.12.2009 23:25:26

    Den Typen würde ich... Nein, so möchte ich mich hier nicht äußern. Selbst wenn eine Beziehung beendet wurde (warum auch immer) gibt das keinem das Recht den anderen derart zu diffamieren. ...

  • Scorp1o am 11.12.2009 08:04:13

    wasn a******** solche Bilder weiterzuverschicken wir können hier, denke ich, die dinge beim Namen nennen und keine beschämten Sternchen posten, wo eh jeder weis was gemeint ist. Und das Wort Arschloch kennt wohl jeder über 8 Jahre. Nur dass das kein Arschloch w ...

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