
Ivan Peregorodiev wurde am 3. Dezember unter dem Artikel 207 des russischen Strafgesetzbuches verhaftet, weil er "falsche Informationen mit Bezug auf einen terroristischen Akt" verbreitet habe.
Die Angelegenheit begann, als einen Tag zuvor russische Blogger über Gerüchte diskutierten, dass ein großer Teil der Bevölkerung der Stadt Saratov mit dem H1N1-Virus infiziert sei. Es hieß, die Behörden hätten viele von der Krankheit verursachte Todesfälle vertuscht. Nun gebe es Vorbereitungen, die gesamte Stadt unter Quarantäne zu stellen.
Später kamen Gerüchte auf, in Saratov habe es Fälle von Lungenpest gegeben. Schuld daran sei ein Forschungsinstitut in der Stadt, dass an den Erregern forschen soll. Die Diskussion kochte derart hoch, dass der Gouverneur der Region einen Besuch in Weißrussland abbrechen musste, um sich mit der öffentlichen Unruhe zu befassen.
Die staatlichen Stellen dementierten jede Möglichkeit, dass in Saratov Lungenpest ausgebrochen sein könnte. Peregorodiev hielt das offensichtlich für unglaubwürdig, denn in seinem Blog stellte der die Haltung der Behörden in Frage:
"Es sieht so aus als hätten wir eine Seuche. 'Die Ergebnisse der Autopsie von Personen die an der Schweinegrippe gestorben sind [...] verursachten Panik. Nach Angaben von Zeugen ähnelten die Lungenschäden den in der medizinischen Literatur beschriebenen Lungenpest-Fällen.' Sagen unsere Behörden die Wahrheit, wenn sie solche Informationen verwerfen? Heute planen sie, Desinfektionsmittel gegen Lungenpest von Helikoptern zu versprühen..."
Später legte Peregorodiev noch einen drauf und berichtete als "Neuigkeit von der Epidemie-Station", dass die Helikopter nun mit einer desinfizierenden Lösung beladen seien.
Die Behörden widersprachen dieser Schilderung allerdings ein weiteres Mal. Zwar habe es 17 Fälle gegeben, in denen die Schweinegrippe tödlich verlaufen sei. Zudem seien die Krankenhäuser überfüllt und im Budget von Saratov nicht ausreichend Geld vorhanden, um Impfmittel gegen H1N1 zu kaufen. Die Pest sei aber nicht ausgebrochen - gegen die Verbreiter dieses Gerüchtes werde man vorgehen.
Peregorodiev dürfte am 3. Dezember zum ersten Opfer dieser Zensurmaßnahme geworden sein. Inwiefern seine Äußerungen im Zusammenhang mit einem Terroranschlag stehen sollen, wollten die Verantwortlichen allerdings nicht herausrücken.
Die Gerüchte, die in Saratov verbreitet wurden, erinnern an Aussagen, die vor gut einem Monat in der Ukraine zur Ausbreitung der Schweinegrippe-Panik geführt hatten. Auch dort hatte es geheißen, Helikopter würden Desinfektionsmittel versprühen.
Die Behauptung, das die vermeintlichen Pestviren aus einem Forschungsinstitut stammten, entbehrt nicht jeglicher Grundlage. In der Tat wurde in der Sowjetunion intensiv an Krankheiterregern zum Einsatz als biologische Waffe gearbeitet. Ende der 1980er Jahre soll es so gelungen sein, die Pest in eine sprühbare Form zu bringen und gegen Antibiotika resistent zu machen. Heute befürchten Experten, dass die ehemals sowjetischen Biowaffen zum Teil nicht sachgemäß gelagert und schlecht gesichert sind.
Verhaftungen, Ermordungen und Bedrohungen von russischen Journalisten sind keine Seltenheit. Allein dieses Jahr wurden laut den Reportern ohne Grenzen mindestens drei russische Journalisten ermordet. Blogger allerdings waren bisher relativ sicher vor den Behörden. Die Angst, dass sich das ändern könnte, schwingt bei vielen trotzdem mit: "Im Moment sind wir sicher. Aber wir wissen nicht, was morgen sein wird", erklärte mir der Blogger Ilia Kabanov noch im September in Novosibirsk.
Quelle: Global Voices Advocacy
Simon Jonas Hadlich am Samstag, 05.12.2009 20:22 Uhr
Danke für den Link. Hab mich schon immer gefragt wie diese doch arg unterschiedlichen Zahlen der angeblichen an Grippe gestorbenen Menschen zustande kommt... Bevor ich an Zahlen -die durch die Presse geistern- glaube, sehe ich lieber selber noch mal nach. Meine bevor ...
@soricsoon Oha, da haben die Medien wohl mal wieder quatsch geredet. Wie immer. :T Hier und in anderen Diskussions-Foren wird dauernd über Dinge geredet, wobei niemand feste Quellen nachweisen kann. Ich denke nämlich, das kann man nur bei Dingen, die man selbst erlebt hat, bzw. gesehen, erf ...
... Quelle: Danke für den Link. Hab mich schon immer gefragt wie diese doch arg unterschiedlichen Zahlen der angeblichen an Grippe gestorbenen Menschen zustande k ...
@dealertomasheck Nach seriösen Schätzungen gibt es in Deutschland jedes Jahr bis zu 15.000 Grippetote. Ganz so seriös sind die von Dir genannten Schätzungen nicht, real dürfte die Zahl der "nur" Grippetoten bei rund 700 pro Jahr liegen. Der verlinkte Beitrag ist zwa ...
Scheitelpunkt der Schweinegrippewelle erreicht? Angesichts eines Rückganges von 33.000 auf 23.000 Fälle innerhalb der vergangenen zwei Wochen sprach der Direktor des Robert-Koch-Instituts (RKI), Jörg Hacker, bei einer Sitzung des Gesundheitssausschusses davon, dass möglicherweise ein Sc ...
Lars Sobiraj am 04.02.2012, 11:32 Uhr
Während Die Linke zur Teilnahme an einem europaweiten Aktionstag gegen ACTA aufruft und Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger die Kritik am internationalen Handelsabkommen zurückweist, führte der Jurist Jens Ferner eine ausführliche Analyse jedes einzelnen Artikels durch. Wir fragten ihn, wie gefährlich ACTA tatsächlich ist. In welchem Rahmen bedroht dieses Abkommen unser aller Freiheit?
Lars Sobiraj am 09.02.2012, 11:40 Uhr
In der südenglischen Grafschaft Sussex ereignete sich letzten Monat ein Fauxpas der besonderen Art. Statt einen Einbrecher zu fassen, jagte ein Polizist mit Hilfe von Kameras für etwa 20 Minuten sich selbst. Sein Kollege an den Monitoren hatte ihn nicht erkannt und fand sein Verhalten sehr auffällig. Der beobachtete Mann habe auf heißen Kohlen gesessen, weswegen er dringend tatverdächtig sei.
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