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CC-Aktivistin verdiente 55.000 Dollar

Zwei Beispiele geben derzeit ein Zeugnis davon ab, wie man auch mit freien Inhalten, nennenswerte Beträge erwirtschaften kann. Der Film "Sita Sings the Blues" hat bereits 55.000 Dollar eingenommen.

Vor einigen Tagen hat das News-Blog vom Wall Street Journal genaue Zahlen über das Werk "Sita Sings the Blues" der New Yorker Künstlerin Nina Paley veröffentlicht. Allein über Spenden hat Paley 23.000 Dollar erhalten. Über einen Online-Store hat sich durch Verkauf von Merchandise und DVD zusätzliche 19.000 Dollar erwirtschaften können. Die restlichen Einnahmen kämen aus Quellen, wie öffentlichen Aufführungen ihres Films in Kinos oder im Fernsehen. Der animierte Trickfilm ist unter einer Creative Commons Share Alike Lizenz veröffentlicht, sodass Remixe und Aneignung des Contents absolut kein Problem darstellen.

Nina Paley hat den Film selbst produziert. Es handelt sich um ein "Hindu-Epos" in Zeichentrickform, in welchem sie auch persönliche Motive verarbeitet hat. Laut eigenen Angaben hätte Paley nicht einen einzigen Cent für Marketing oder Promotion bezahlt, da der "frei verfügbare Film an sich eine Form der Promotion" sei. Paley ist der Auffassung, dass Information frei sein sollte, jedoch man für "Container" wie DVDs durchaus Geld bezahlen sollte. Den Vertrieb ihres Werke übernimmt die Frau in Eigenregie, zum größten Teil über die Webseite zum Film. Sie sagt, sie hätte durch den Film inzwischen ein "süßes kleines Leben".

Interessant sind nicht nur die Umsatzzahlen, sondern ebenfalls auch die Kommentare, die sich in dem Blogartikel im Wall Street Journal finden. Da wird nämlich hitzig diskutiert, ob das nun ein Geschäftsmodell sei, oder nicht. Interessanterweise brachen dort die meisten Leser eine Lanze für dieses Geschäftsmodell. Einige der Argumente: "Wenn es für große Indie-Bands wie Radiohead oder Nine-Inch-Nails funktioniert, warum nicht auch für andere?", "DRM-Geschäftsmodelle sind kontraproduktiv, man sollte sich mit freiem Kopieren beschäftigen. Denn: es wird auch in Zukunft niemals schwerer werden, Kopien zu erstellen.". Ein Leser schilderte seinen Eindruck sehr eindringlich: "Ich kann nicht glauben, dass einige sich nicht vorstellen können, dass dieses kein vernünftiges Geschäftsmodell sein soll. Entschuldigung? Investitionskosten von fast gleich null bringen einen Profit von 55.000 Dollar im Jahr... während einer Rezession. Hallo."

Einige der in dem Film verwendeten Musikstücke sind rechtlich nicht ganz geklärt, so schreibt Nina Paley auf ihrer Webseite. Auf eine erste Anfrage hin, sollte sie Nutzungsrechte für 220.000 Dollar erwerben. Nach harten Verhandlungen hätte sie 50.000 Dollar bezahlt, um den Film zu "dekriminalisieren", nur um es "ein wenig sicherer zu machen, um den Film zu verschenken". Inzwischen versteht sie sich als "Free Culture" Aktivistin, einfach aufgrund ihrer Kämpfe mit dem "maroden Copyright-System". Sie hat auch ältere Arbeiten von sich frei veröffentlicht, weil sich nicht will, dass ihrem Film dasselbe Schicksal blüht wie einige der Musikstücke, die sie verwendet hat: weggesperrt, sodass sie keiner sehen (bzw. hören) kann. Ihr ginge es in erster Linie um Kunst. Und "Kunst hätte kein Leben, wenn Leute sie nicht teilen können."

Vielleicht bricht die Zeit der "Community-funded" Projekte gerade erst an. Denn ähnlich erfolgreich war ein Vertreter der amerikanischen  Demoszene: Jason Scott, der vor allem durch sein computerhistorisches Textarchiv Textfiles.com bekannt geworden ist. Der Computerhistoriker bat auf dem noch recht jungen Portal "Kickstarter" um ein Sabbatjahr. 25.000 Dollar wollte er zusammenbekommen, um sich in aller Seelenruhe einem Dokumentationsfilmprojekt zu widmen, ohne sich um das tägliche Geld verdienen kümmern zu müssen. Er schreibt, dass es zwar als IT-Spezialist gutes Geld verdient hätte, diese Jobs seiner Gesundheit aber nicht zuträglich waren. Für sein geplantes Filmprojekt sind nun insgesamt 26.658 Dollar zusammen gekommen, sodass sich der Filmemacher nun 1-2 Jahre Zeit für seinen Film nehmen kann. Die Sponsoren werden unter anderem im Abspann des Filmes genannt. Leute, die mehr als 625 Dollar gespendet haben, bekommen sogar zusätzlich einen persönlichen Filmabend mit Jason Scott geschenkt.

(Bilder: Screenshot von Sita Sings the Blues, Doku-Projekt Jason Scott)

Martin Wisniowski am Dienstag, 01.12.2009 22:07 Uhr

tagsTags: creative commons drm

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5 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • wahla am 02.12.2009 11:58:05

    schön zu lesen das es also doch funktionieren kann!:T ...

  • ANTARCTICA am 02.12.2009 09:07:41

    55k Einnahmen, aber alleine 50k für Musikrechte ausgegeben. Gibt es da eine vollständige Bilanz? ...

  • Affenart am 01.12.2009 23:20:04

    Mann, Alter, und ick hab schon CCC-Aktivistin gelesen :D Aber trozdem korrekt! Und wegweisend für die Zukunft! ...

  • epiphora am 01.12.2009 22:52:01

    Und das bei einem so schäbigen Film. :D Aber es freut mich und wenn die Tatsache, dass sich auch unter CC-Verbeitung Geld verdienen lässt, publik wird, ist das ein großartiger Schritt in die richtige Richtung. ...

  • am 01.12.2009 22:49:41

    Wahrscheinlich wird dieses "Geschäftsmodell" nur so lange funktionieren, bis viel zu viele auf den Zug aufspringen. Aber trotzdem eine interessante Idee und mögliche Inspiration für zukunftige Wege aus der Sackgasse der Kunstkrise. :T ...

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