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Die Mandriva-Community im Interview

Der Administrator von MandrivaUser.de ermöglicht uns einen ausführlichen Einblick in die Welt der Pinguine. Er wagt aber auch einen kleinen Ausblick in die Zukunft der Handytechnologie. Wie viel wird vom Open Source-OS Android übrig sein, wenn Google damit fertig ist?

Auf der FrOSCon kamen sowohl die langen Tentakeln von Datenkrake Google, als auch das leidige Thema der fehlenden Treiberunterstützung für so manch exotische Hardwarekomponente zur Sprache. Mandriva gilt als leichter zu installieren, als so mancher Mitstreiter. In Fachkreisen wird es gerne als Umstiegs-OS für langjährige Windows-Anwender angepriesen. Das grafische Erscheinungsbild weiß zu gefallen. Schon vor rund zwei Jahren war Mandriva zudem der erste Anbieter, der Beryl- und Compiz-3D-Effekte per Mausklick an- und abschalten ließ. Warum der Wechsel von einem prorietären Betriebssystem lohnt, soll uns wobo aber am besten selbst erklären.

Lars Sobiraj: Hallo Wolfgang! Verrat' uns zu Beginn bitte ein paar Eckdaten über dich.

Wolfgang Bornath: Mein Name ist Wolfgang Bornath, ich bin in Mandriva-Kreisen besser als wobo bekannt. Ich bin Gründer und Admin der deutschsprachigen Usercommunity MandrivaUser.de. Beruflich hatte ich viel mit dem Thema Kommunikation, dem Umgang mit Menschen und Organisation zu tun. IT war nie Teil meines Berufslebens, das war immer nur nebenberuflich oder als Hobby.

Lars Sobiraj: Warum sollte man genau diese Distribution auswählen, was unterscheidet sie von anderen Alternativen?

Wolfgang Bornath: Ein Neueinsteiger kann damit sein System installieren, indem er einfach nur die Standardvorgaben akzeptiert. Er bekommt dann ein fertiges und auch ansprechendes System mit einer schönen grafischen KDE-Oberfläche, die auch Windows-Umsteigern nicht allzu fremd sein dürfte. Daher können Einsteiger bequem die Unterschiede zwischen den Betriebssystemen erlernen. Gleichzeitig ist das System auch geeignet für erfahrene Nutzer. Die akzeptieren nicht die Voreinstellungen sondern gehen im Expertenmodus tief hinein in die Konfiguration, damit am Ende ein auf seine Bedürfnisse angepasstes System herauskommt. Mandriva lässt sich genauso gut über die Kommandozeile administrieren wie mit der Maus. Im Mandriva Kontrollzentrum wurden alle wichtigen Tools zusammengefasst, die auch separat ausgeführt werden können. Es kommt selten vor aber es passiert in jeder Linux-Distribution, dass man auf die Kommandozeile angewiesen ist und alleine mit der Maus nicht weiter kommt. Selbst bei Xandros, wo man sehr viel auf die Maus setzt, kann das passieren.
Diese Vielseitigkeit, die sich den Bedürfnissen der Anwender anpasst, das ist einer der großen Vorzüge.

Lars Sobiraj: Google hat Open Source für sich entdeckt. Bald könnten sehr viele neue Netbooks oder Smartphones mit dem Google Android bestückt werden. Jetzt sind deren Produkte nicht gerade dafür bekannt, quelloffen oder datenschutzrechtlich unbedenklich zu sein. Freut man sich in der Community über die Werbung für den Open Source-Gedanken? Oder wird das vielmehr als Gefahr oder sogar Missbrauch angesehen?

Wolfgang Bornath:
Das ist ein sehr interessantes Thema. Dazu gibt es keine einheitliche Community-Meinung, sondern nur einzelne Aussagen. Ich persönlich sehe die Problematik mit dem Missbrauch der Daten bei Google überhaupt nicht. Google ist ein Unternehmen, das zu groß geworden ist, um irgendwelche Unsauberkeiten zu riskieren. Das ist natürlich ein kommerzielles Unternehmen. Man sammelt alle Daten im Bereich des Möglichen, um kommerziellen Gewinn zu erzielen. Das ist so und das wird auch so bleiben.
 
Lars Sobiraj: Aber findest du es in Ordnung, wenn Google alle Daten ihres eigenen Browsers automatisch an ihre Konzernzentrale übertragen läßt? Die sehen ganz genau, wohin ich surfe. Geht die das denn etwas an?

Wolfgang Bornath:
Das läßt sich abstellen. Das ist von Google auch sehr umfangreich dokumentiert und publiziert worden, als Chrome entstand. Installiert man Google Chrome das erste Mal, so gibt es eine Startseite mit einem Link zum Thema Privacy. Dort wurde eine Anleitung angezeigt, wie man das abstellt. Auch unbedarfte User haben diesen Button mit Namen Privacy auf der Startseite. Wenn er da draufgeklickt hat, weil er an seiner Privatsphäre interessiert ist, wurde ihm angezeigt, was übertragen wird und wie das deaktiviert werden kann, damit nichts mehr übermittelt wird. Mir ist vollkommen klar, das ist ein Thema, wo man geteilter Meinung sein kann.

Um auf deine Anfangsfrage zu kommen inwieweit Google Linux missbraucht. Ich denke das wird wohl der Fall sein. Wenn ich in einen Handyladen gehe und nach einem Handy mit einem Linux-Betriebssystem frage, wird mir der Händler erzählen: "Nein, das gibt es nicht." Und dann frage ich: Haben Sie denn eins mit Android da? Dann wird er wahrscheinlich antworten: "Ja, davon kommen morgen zwei Modelle rein." Und so ähnlich wird das mit dem Chrome OS auch sein. Ich habe mir sehr genau angesehen, was Google an Informationen zum Chrome OS publiziert hat. Das war ja bisher nicht viel. Dort wird angegeben, dass man zu gegebener Zeit sehr eng mit der Open Source-Entwicklercommunity zusammenarbeiten will. Das glaube ich gerne, denn beim Google Summer of Code gibt es hunderte von Projekten, die betreut und gefördert werden.

Man darf also nicht so naiv sein, und glauben, dass Google alle Erkenntnisse und Informationen vergessen sollte, die im Verlauf des Summer of Code entstanden sind.

Die haben in ihren Publikationen sehr selten das Wort Linux in den Mund genommen. Wenn Chrome OS kommt und ich in einen Massenmarkt wie Saturn, Hansa oder Media Markt gehe und einen Verkäufer nach einem Netbook mit Linux frage, wird er mir sagen: "Nein, tut mir leid, haben wir nicht." Nach neuen Produkten befragt wird er mich auf Netbooks mit dem neuen Betriebssystem von Google hinweisen. Google hat die Angewohnheit etwas als etwas völlig Neues herauszubringen, was es aber vorher schon gab. Nun ja, da sind sie in guter Gesellschaft. Ich kenne da noch ein Unternehmen aus Redmond, die das auch sehr gerne machen. (er lacht)

Video: Präsentation von Mandriva 2009 KDE 4.

Lars Sobiraj: Ich könnte einen Tipp abgeben, das Unternehmen fängt mit dem Buchstaben M an. 

Wolfgang Bornath: Ja, aber andererseits: Wenn das Ganze die kritische Masse erreicht, dann dürfte es sich 'rumsprechen, dass da Linux drin steckt. Dann kriegt es die Masse der Konsumenten mit. Wir haben bei den Computerusern zwei Klassen. Die einen, die nicht wissen, was ein Betriebssystem ist. Wenn bei denen die Maus hängt, ist direkt der ganze Computer kaputt. Und die andere Klasse (mit etwas mehr Wissen) die sagt, ich benutze Windows. Die nicht mal wissen was ein OS ist werden später vermutlich sagen, ich benutze einen Google Computer.

Lars Sobiraj: Wie erfolgreich wird Chrome OS denn sein?

Wolfgang Bornath: Das hat logischerweise alleine durch die Marktmacht von Google hohe Erfolgsaussichten. Die scheuen sich nicht, richtig viel Geld dafür in die Hand zu nehmen. Die generieren genug Einkommen, was sie wieder investieren können. Das ist derselbe Fall wie bei Microsoft. Bill Gates hat für Investitionen nie eigenes Geld in die Hand nehmen müssen. Microsoft generiert im laufenden Betrieb genug Gewinn, sodass auch längerfristige Projekte, die über 3 bis 5 Jahre laufen und Summen im dreistelligen Millionenbetrag verschlingen, von den laufenden Einnahmen gedeckt werden können. Dieser Marktmacht ist natürlich nichts entgegen zu setzen. Ich denke, dass zumindest bei Netbooks eine ernst zu nehmende Konkurrenz für Windows entsteht, weil Windows einfach nicht für Netbooks geeignet ist. Das sieht man am Angebot, welches heute auf dem Markt ist. Netbooks mit Windows müssen eine mechanische Festplatte haben. SSDs sind in der Größe einfach noch zu teuer, die sie haben müssen, um Windows darauf laufen zu lassen. Ich habe in meinem Netbook eine SSD mit 4 GB, davon sind 1.7 GB für das Betriebssystem mit allem möglichen Drum und Dran. Und 2.3 GB habe ich für meine Daten. Für ein mobiles Gerät ist das absolut ausreichend. Wenn ich mir noch eine kleine handliche externe Festplatte oder SD-Karte reinstecke, dann ist das durchaus ein ernst zu nehmendes Gerät. Das Problem ist, dass ich bei Windows eine mechanische Festplatte im Gerät haben muss, was dem eigentlichen Charakter eines Netbooks widerspricht. Deswegen räume ich dem Chrome OS, wenn es denn so realisiert wird wie es angekündigt wurde, durchaus einen sehr sehr hohen Marktanteil ein. Das sind natürlich alles nur persönliche Gedanken. Die Leute bei uns im Forum haben bei einigen Aspekten komplett andere Ansichten. Bis etwas Greifbares kommt, ist das eh alles nur Spekulation.

Lars Sobiraj: Die Herstellung von Computern in Masse bringt ja auch seine Vorteile mit sich. Die Treiberunterstützung für etwas exotischere Hardwarekomponenten habe ich in meiner Leidensgeschichte mit Linux als eines der größten Mankos erlebt. Das wird bei Google sicher nicht passieren.

Wolfgang Bornath:
Das ist natürlich etwas anderes bei Hardware, wo der Hersteller und der Distributor des Betriebssystems direkt zusammenarbeiten, so wie beim eCafé. (Hercules eCafe EC-900). Den ersten Eee PC von Asus gab es mit einem angepassten Xandros. Google hat mit namhaften Herstellern Partnerschaften angedeutet oder diese schon im Vorfeld besprochen. Wenn der Produzent der Software und der Hardware kooperieren, so wird alles zu 100% funktionieren. Wenn ich das OS 'runter schmeiße und etwas anderes installiere, das muss dann nicht unbedingt funktionieren.

Dieses System beschneidet meine Freiheit als User. Wenn ich ein bestimmtes Hardwaremodell kaufe, werde ich gezwungen, um es leicht zu haben, das Betriebssystem zu benutzen, was schon drauf ist. Die Benutzung eines anderen Betriebssystems bekomme ich erschwert. Dem Grundgedanken von Linux mit der Freiheit der Wahl ist das gegenläufig. 

Es ist durchaus möglich, dass die Geräte, die bei dieser Partnerschaft 'rauskommen, fest verdrahtet sind. Das heißt, man verbindet das ganze Betriebssystem inklusive aller Anwendungen, die Google darauf haben wollen, untrennbar mit dem Netbook. Das wird nicht wie ein normales Betriebssystem auf der Festplatte gespeichert. Sondern es existiert lediglich im ROM. Daneben gibt es eine kleine SSD mit 4 GB  oder 10 GB oder mehr, die nur dazu da ist eigene Dateien zu speichern. Das Betriebssystem wäre dann gar nicht mehr austauschbar oder erweiterbar. Das Problem haben wir ja jetzt schon bei manchen Netbookmodellen, dass dort eine feste Oberfläche drauf ist. Gerade erst ging bei uns eine Anfrage wegen einem eCafé ein. Der Betroffene hat zwar ein zusätzliches Programm installieren können. Er weiß aber nicht wie er das Starticon auf dieser speziellen Oberfläche unterbringen kann.

Lars Sobiraj: Mit Freiheit hat DAS ja nun nicht mehr viel gemeinsam, oder?

Wolfgang Bornath: Richtig! Das liegt aber in der Natur der Sache, weil Netbooks genauso wie manche Mobiltelefone (Smartphones) noch nicht so ausgereift sind, dass man da die User noch nicht mit allen Freiheiten drauf loslassen kann.  

Lars Sobiraj: Auch die Firma Apple ist sehr gut darin, die Menschen ihrer Freiheit zu berauben. Gibt es überhaupt ein Interesse, den Leuten ihre Freiheit zu geben?

Wolfgang Bornath:
(grinst!) Ich glaube da gibt es bei den Produzenten von Hardware genauso viele unterschiedliche Ansichten, wie es diese bei den Verbrauchern gibt. Ich habe ein Lenovo-Netbook, da war ein Suse Linux Enterprise Desktop vorinstalliert. Ein System, was ich persönlich gar nicht mag. Ich habe das innerhalb einer Stunde 'runtergeschmissen und Mandriva darauf installiert. Webcam, Soundkarte und Mikro, alles funktionierte wunderbar. Auf dem LinuxTag habe ich wegen der schöneren Oberfläche Ubuntu mit dem Ubuntu netbook remix installiert. Und da kommt die Freiheit ins Spiel, von der ich eben gesprochen habe. Dieses Ubuntu selber gefällt mir nicht so gut. Aber die Oberfläche gefiel mir gut. Also habe ich das unserer Mandria-Paketpackerin berichtet. Die hat sich des Problems angenommen und zwei Tage später hat sie exakt diese Oberfläche an Mandriva angepasst. Jetzt kann ich dieses Netbook mit meinem OS aber mit der speziellen Netbook-Oberfläche von Ubuntu nutzen. In der nächsten Version kann man das während des laufenden Betriebs mit einem Button an- und ausschalten. Das ist die Freiheit, die ich meine. Ein Hersteller wie Lenovo gibt einem die Freiheit. Andere wiederum beschneiden sie durch bestimmte Konstrukte. Das hat Windows schon im Fall dieser unsäglichen GDI-Drucker getan. Die laufen nur unter Windows, weil ein Teil der Elektronik aus Kostengründen eingespart wurde. Stattdessen verwendete man Windowstreiber. Das funktionierte natürlich unter keinem anderen Betriebssystem. Waren die z. B. für Windows 95 gedacht, so taten die es auch nicht unter Windows NT, weil es dafür keine Treiber gab. Das ist dann natürlich das andere Extrembeispiel.

Lars Sobiraj: Ihr betreibt auch ein eigenes Forum. Was genau tut sich dort?

Wolfgang Bornath: Dort tauschen sich unsere Benutzer über alle möglichen Dinge aus. 90% der Gesprächsthemen bei uns sind natürlich Mandriva, Linux, dazu passende Fachfragen und Probleme. Es kommen aber auch gesellschaftliche Fragen zur Sprache, so auch die ganze Überwachungsproblematik. Wir haben, ähnlich wie das gulli:board, auch einige Moderatoren. Die wurden ursprünglich eingesetzt, um mich legal gegen Abmahnungen abzusichern, falls ein übereifriger Rechtsanwalt aus einer Beleidigung einen kostenpflichtigen Schriftwechsel konstruieren möchte. Die Moderatoren schützen mich, indem sie illegale Inhalte sofort wieder löschen. Mir sagte heute noch einer meiner langjährigen Moderatoren, dass er kaum noch etwas zu tun hätte. Glücklicherweise haben wir bei uns eine sehr gepflegte Atmosphäre und kaum Flamewars. Ich musste in den fünf Jahren des Bestehens unseres Forums insgesamt vielleicht nur drei oder vier User bannen. Wir gehen alle sehr nett miteinander um. (er lacht)

Lars Sobiraj: Ich wünschte, wir könnten im gulli:board solche Zahlen auch vorweisen. Welche Ziele hat denn speziell die deutsche Community?

Wolfgang Bornath: Support ist uns wichtig: Neulinge werden nicht mit irgendwelchen Abkürzungen oder Links abgespeist, falls sie Fragen haben. Wir nehmen uns auch bei der zehntausendsten Frage zum gleichen Thema die Zeit, das zu erläutern. Wir arbeiten ständig an der Ausarbeitung unseres Wikis, auch die Übersetzungen der englischsprachigen Teile von Mandriva werden immer mehr. Die Unterstützung entstand aufgrund der Tatsache, weil der Mutterkonzern Mandriva uns deutschsprachigen Usern kaum Unterstützung anbot. Weder für die Dokumentation noch für etwas anderes.

Lars Sobiraj: Dabei ist diese Distribution doch schon vergleichsweise alt, oder?

Wolfgang Bornath: Mandriva wurde gegründet im Juni 1998, zirka vier bis fünf Monate später bin ich dazugestoßen. Es hat bei mir mit der Handbuchübersetzung ins Deutsche begonnen. Ich hatte bis vor zwei Jahren auch einen gültigen Vertrag mit der Betreibergesellschaft. Quasi als Hobby habe ich das Forum gegründet. Das hat sich ausgeweitet und mittlerweile bauen unsere Leute Pakete, die es im offiziellen Repository nicht gibt. Wir sind auch regelmäßig auf Veranstaltungen wie der FrOSCon, dem Linux-Tag etc. präsent.  

Video: Präsentation von Mandriva 2009 Gnome 2.2.

Lars Sobiraj: Was kann man tun, um Linux bekannter zu machen?

Wolfgang Bornath: Ah ja, das ist eine Frage die ist so alt wie Linux selber. Meiner Meinung nach gibt es verschiedene Antworten darauf. Die einfachste Antwort ist Visibility, Visibility, Visibility. Also Präsenz, Präsenz, Präsenz. Überall das Wort so oft in den Mund nehmen wie möglich. Dazu dienen auch solche Veranstaltungen wie z. B. der Linux-Tag in Berlin, die Linux-Tage in Chemnitz, die FrOSCon hier. In den letzten fünf Jahren haben sich diese Veranstaltungen vermehrt wie die Karnickel und das ist gut so. Das ist eine Schiene. Da kommen nämlich auch Leute hin, die bisher nur von Linux gelesen haben. Man hat dann die Gelegenheit auf diese Interessenten einzugehen und ihnen das alles in ihren Worten, ihren Begriffen zu erklären.

Auch die Medien beschäftigen sich im zunehmenden Maße damit. Die BBC hatte diesbezüglich eine abendfüllende Dokumentation über Open Source aufgenommen, die auch im deutschen Fernsehen gezeigt wurde. Die BBC hat große Teile ihrer Software als Open Source freigegeben. Auch über Linus Torwalds gab es mal ein Feature im TV. Aber eben auf diesen Kulturkanälen wie 3SAT, Arte etc., die von der "Vera am Mittag"-Klientel nicht so oft angesehen werden, was aber dann wiederum die Massenanwender von Windows darstellen.

Eine meiner Lieblingsideen wäre, dass die Hersteller, egal ob von Software oder Hardware, ihre Vertriebskanäle, also Massenmärkte, dazu animieren, mehr Modelle mit Linux anzubieten.

Lars Sobiraj: Haben die Hardwarehersteller keine finanziellen Vorteile, dass sie ihre Geräte mit einem proprietären OS von Microsoft vertreiben? Wie schwer ist es dagegen zu konkurrieren?

Wolfgang Bornath: Nein, eigentlich ist das nicht schwer. Denn das Hauptgeschäft wird nach wie vor mit Microsoft-Produkten gemacht. Aber gerade Hersteller wie Dell zeigen, dass es geht. Die haben ihre Palette um Produkte mit einem vorinstallierten Linux erweitert. Wie man hört, läuft das auch ganz gut. Dell ist Direktvertreiber an die Kunden, der nicht an andere Einzelhandelsketten liefert. Leider hat Microsoft ihre Marktmacht bei ASUS eingesetzt, um die davon zu überzeugen, dass es keine gute Idee war, Linux für ihre Eee PCs zu benutzen. Das war eins der dunklen Kapitel in den letzten Monaten. Andere Hersteller wie Lenovo wären auch in der Lage, dem Beispiel von Dell zu folgen. Und den Märkten (wie Saturn, Mediamarkt etc.) auch klar sagt: "Leute, bietet das an!" Was ich in Frankfurt sah, war Folgendes: Wenn es dann endlich mal ein Gerät mit installiertem Linux gab, war es meist ausgeschaltet. Das ist natürlich alles eine Kostenfrage und es kommt sehr auf den Verkäufer an ... 

Lars Sobiraj: Ja. Aber da haben wir doch eigentlich den entscheidenden Vorteil. Denn gerade bei einem Netbook könnte man so rund 50 Euro für das Betriebssystem abziehen. Demnach wäre das Netbook inklusive Linux ja deutlich günstiger. 

Wolfgang Bornath: Der kleine Händler kann das, der große Anbieter nicht. Die großen Verkaufsketten zahlen ja (paradoxerweise) dann mehr, wenn sie eben kein Windows mitliefern. Laut EULA (der Lizenz von Windows) ist es tatsächlich so, dass wenn Windows vorinstalliert ist und ich sage dem Händler: 'Nein, ich will das nicht'. Dann kriege ich als Antwort, dass er das entfernen kann, was einen für die Arbeit aber 50 Euro extra kostet. Andererseits ist man bereits mit Erfolg vor Gericht gegen diese EULA vorgegangen. Dann musste der Händler einem die Differenz für das Betriebssystem vom Preis abziehen. Das wird aber oftmals mit dem Arbeitsaufwand verrechnet, um das Windows 'runter zu werfen. Tja, so sieht die Praxis aus. Ein kleiner Händler aber, der Einzelteile kauft oder Notebooks oder Netbooks ohne OS in geringer Stückzahl, der kann dem Kunden die Wahl offen lassen.

Lars Sobiraj: Wir lassen dich jetzt weiter deinen Job hier auf der Ausstellung machen. Vielen Dank in jedem Fall für das überaus ausführliche Gespräch! Vielleicht konnten wir ein paar Leser zum Nachdenken anregen.

Quelle der Mandriva-Screenshots: CreatedThoughts, Ponchikas, domingusBGkithplana von deviantart.com, danke!

Lars Sobiraj am Donnerstag, 26.11.2009 09:44 Uhr

tagsTags: google linux mandriva android bornath

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18 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • St3inY am 30.11.2009 19:32:00

    Freut mich zu sehen, dass sich gulli in letzter Zeit stärker für Open Source bzw Linux interessiert! Mandriva ist klasse, aber auch ich bleibe bei arch :) die rc.conf ist einfach der HAMMER, mehr braucht man nicht! :T ...

  • wolf-b am 27.11.2009 20:10:23

    Das klingt nach Vernunft, Toleranz und Offenheit. Sowas mag ich. Das muss im Open Source-Umfeld Selbstverständlichkeit sein. Wer keine Toleranz und Offenheit besitzt und zeigt, der passt nicht in dieses Umfeld (und privat gesagt: nicht in meine Welt). Er würde sich ...

  • Ghandy am 27.11.2009 14:54:57

    Das klingt nach Vernunft, Toleranz und Offenheit. Sowas mag ich. ...

  • wolf-b am 27.11.2009 04:53:12

    Ich hätte jetzt gedacht du würdest Mandriva entschiedener verteidigen.Gegen wen oder was? Widarr hatte ja nichts gegen Mandriva Linux vorgebracht. wenn etwas sachlich Falsches über Mandriva Linux gesagt wird, kannst Du sicher sein, dass ich mich räuspere. :) Ich w ...

  • Ghandy am 26.11.2009 23:50:46

    @wolf-b: Wolfgang, du bist echt super ehrlich, das muss man dir lassen! Ich hätte jetzt gedacht du würdest Mandriva entschiedener verteidigen. ...

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