Derzeit herrscht im ganzen Land ein wenig Verwirrung. Denn kurze Zeit nach dem bundesweiten Bildungsstreik können sich die Studenten und Schüler kaum vor dem Lob zahlreicher Politiker retten. Von praktischem Nutzen war dies aber bislang nicht. Zwar konnten die Aktionen in mehr als 50 Städten für viel Aufmerksamkeit in den Medien sorgen. Zu Wort melden sich aber nicht selten fachfremde Sprecher, bei denen unklar ist, ob es ihnen um die Bedürfnisse der Menschen geht oder darum, sich selbst ins rechte Licht zu rücken.
Die Aussagen des niedersächsischen Wissenschaftsministers wurden beispielsweise mit den Worten kommentiert: "Ist ja schön, dass Herr Stratmann ankündigt, die Regelstudienzeit auszudehnen. Aber das fällt überhaupt nicht in seinen Kompetenzbereich." Dieser sei allerdings für die Finanzierung der Unis verantwortlich, darüber verlor er aber laut eines Berichts der taz kein Wort. Herr Stratmann selbst sieht die Schuld bei den Hochschulen und nicht bei sich. Das Bild ist in vielen Ländern vergleichbar. Man zeigt mit dem mahnenden Zeigefinger auf die Hochschulleitungen, die wiederum fordern höhere Etats für eine bessere Ausbildung. Das Verschieben des schwarzen Peters bringt niemandem etwas, außer etwas Verzögerung. Die Reform Bologna sollte eigentlich allen helfen. Das Studium sollte stärker verschult, in kleinere Blöcke aufgeteilt und durch kleinere Prüfungen statt durch eine alles entscheidende Abschlussprüfung strukturiert werden. Die Zeit glaubt, mehr Geld aber vor allem Gespräche auf Augenhöhe könnten für Besserung sorgen. Die Politiker und Hochschulrektoren müssen die Studenten zu einer Säule der gemeinsamen Reform machen. Die Finanzierung von Tutoren, Mentoren oder Lehrprofessoren soll den Betroffenen direkt zugutekommen. Die beste Reform muss aber scheitern, wenn man ihr keine ausreichenden Geldmittel zur Seite stellt. Im Anbetracht der stark gestiegenen Studentenzahlen ist eine bessere Ausbildung ohne höheren Etat unmöglich.
Demos gab und gibt es aber nicht nur auf dem Campus. Auf die Straße gingen und gehen auch Schülerinnen und Schüler. In Essen waren es alleine 3500 junger Menschen, die die Innenstadt bevölkerten. Sie fordern unter anderem einen gleichen und kostenfreien Zugang zur Bildung. Geld allein soll nicht die Qualität der schulischen Ausbildung definieren, weswegen sie eine zunehmende Privatisierung und Dinge wie Büchergeld ablehnen. Für Samstag ist zum Abschluss der Bildungsstreikwoche eine landesweite Demonstration in Düsseldorf geplant. Die Organisatoren rechnen mit einer regen Teilname. Gestern demonstrierten alleine in 20 Städten NRWs zirka 50.000 SchülerInnen, Schüler und Studierende. Es geht um mehr Mitbestimmung an den Inhalten und ein Nein zur Zentralisierung der Prüfungen.
ghandy von gulli meint:
Wird die Global Week of Action wirklich so viel bringen? Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) räumte zwar kürzlich handwerkliche Fehler bei der Einführung der neuen Studiengänge ein. Mehr als das Versprechen, das Bund und Länder gemeinsam für Verbesserungen sorgen würden, hat sich unterm Strich aber noch nicht getan. Das Magazin "Die Zeit" riet Politikern und Rektoren in ihrem Beitrag, den jungen Menschen etwas zu bieten. Ohne die Unterstützung der Studis könne die Umsetzung der Universitätsreform nicht gelingen.
Leider gilt aber auch: Für Lehrer wie auch Professoren sind solche Aktionen nicht selten eine willkommene Auszeit. Schon bei den Studentenprotesten der frühen 90er haben sich viele Profs schlichtweg in ihre Büros zurückgezogen, um sich ihrer Altlasten zu entledigen. Anstatt Interesse an den Demos zu zeigen, blieben viele Lehrkörper dem Gelände ganz fern, nachdem sie ihre Unterlagen und Aktenschränke auf Vordermann gebracht hatten. Das zeigt leider recht deutlich das Grundproblem solcher Demonstrationen. Streiken die Bahnfahrer, kommt niemand mehr zur Arbeit. Gehen Müllmänner oder Reinigungskräfte auf die Straße, versinken wir auf Dauer in Dreck und Chaos. Streiken die Studenten oder Schüler, so fällt für Ottonormalverbraucher absolut nichts aus. Vielen Bürgerinnen und Bürgern wird es eher egal sein, ob jemand die Bänke der Hörsäle benutzt oder gar besetzt. Tragisch aber wahr: Auf lange Sicht könnten die Demonstranten die Einzigen sein, die von den Demonstrationen einen Schaden davontragen. Einerseits lehnen sie sich zu recht gegen die aktuellen Verhältnisse auf. Aber je nachdem wie lange die Aktionswochen anhalten, könnte dies den Ablauf des jetzigen Semesters ruinieren, den Ablauf behindern oder sogar die Studienzeit verlängern.
Wie dem auch sei. Es bleibt kritisch abzuwarten, ob den Lippenbekenntnissen der Entscheidungsträger auch Taten folgen werden.
Bilder: Fotos von den Demonstrationen vom 17.11. in Essen. Quelle: Essener SchülerInnenbündnis, thx!
Lars Sobiraj (g+) am Donnerstag, 19.11.2009 13:08 Uhr
Ob man das Studium an der FH oder an der Uni macht ist nach der Umstellung auf Bachelor fast völlig egal. Ich selber studiere an der FH-Flensburg und muss sagen das es da mit der Praxisnähe nicht weiter her ist als an den Unis. Das Problem des Bachelor-Studiums ist ja auch nicht die Praxisnähe od ...
Natürlich muss ich das lernen, was ich in meinem Studiengang habe, aber wenn ich einen schlanken, geradlinigen und praxisnahen Abschluss haben will, dann wär ich zur FH gegangen. Da gibts nämlich genau das. Ich stimme Dir komplett zu, aber zu dem Zitat muss ich dich ...
Ich bin Student einer der besetzten Universitäten und selbst aktiv in einigen AGs. Seid zwei Wochen halten wir den Audimax besetzt, haben uns Versorgungsstrukturen, Unterhaltung, mehrmals täglich Alternative Veranstaltungen und Gruppen die an Vernetzung und Forderungen arbeiten. Ich finde es teils ...
Langsam aber sicher solltest du dich entscheiden ob ich nun ein Nazi oder ein Kommunist bin beides ist einfach nicht drinnen... (Übrigens trete ich für Anarchosyndikalismus ein google nach wenn dich der Begriff interessiert) Kommunismus und Nationalsozialismus ziele ...
Es ist doch irgendwie beruhigend zu wisssen, daß Antifascist, Dradka, gewgrom und die Organistoren des Bildungsstreiks eine Gesellschaftsverfassung anstreben, die bis zum Ende aller Tage - wenn sich die Sonne in 3 Millionen Jahren auf das tausenfache ihrer jetzigen Größ ...
Heutzutage ist die Internettelefonie neben Fest- und Mobilnetztelefonie immer gefragter. Per Internet zu kommunizieren ist nicht nur komfortabler und billiger, man ist zudem unabhängig von Tarifen, welche nur eine bestimmte Gesprächszeit günstig ermöglichen. Also wieso nicht auch Internet-Telefonie nutzen?
Lars Sobiraj am 12.05.2013, 12:51 Uhr
Wie ein 73-jährige Japaner beweist, kann man das am häufigsten benutzte Tabellenkalkulationsprogramm Microsoft Excel nicht nur für reguläre Berechnungen einsetzen. Tatsuo Horiuchi erstellt ausnahmslos seine traditionellen Gemälde mit Hilfe dieses Programms. Er arbeitet bereits seit 10 Jahren mit der Software und stellt seine Bilder in diversen Ausstellungen vor.