
Schon im Impulsreferat vor der Diskussion sagte Hergen Wöbken: "Wir sind alle Raubkopierer" - denn nur zwei Prozent der Urheberrechtsverletzer hätten dabei kriminelle Absichten.
Rudolf W. Strohmeier ist Kabinettchef der EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien, Viviane Reding. Er sagte, Raubkopieren als Diebstahl zu bezeichnen sei juristisch nachvollziehbar, aus politischer Sicht aber "Unsinn". Dieses Verhalten sei Ausdruck bestimmter Geschäftsmodelle: "Ein wesentlicher Teil dieses Phänomens liegt darin begründet, dass ein Großteil der Geschäftsmodelle im Medienbereich heute veraltet sind."
Das belegt auch ein Beispiel, das Peter von Ondarza einbrachte. Er ist Managing Director bei CLA, einer "Content Lizenz Agentur", die Services rund um die Lizenzierung von Filmen für Video-on-Demand anbietet. "Die Geschädigten der Raubkopien im Filmbereich sind die Mitverursacher", warf er der Contentindustrie vor. Denn nach seiner Erfahrung kommen Anbieter von Video-on-Demand gar nicht erst an Inhalte. Für die Nutzer heißt das, dass es überhaupt kein legales Angebot an Filmen gibt.
Das liege erst einmal gar nicht an der Angst vor Raubkopien. Vielmehr habe die Contentindustrie sich das "gute alte Geschäft mit der DVD" nicht kaputt machen wollen. Dabei sei die DVD das unsicherste Medium aller Zeiten.
Strohmeier sieht keinen Grund, warum die Politik diese aus eigener Schuld in Schwierigkeiten geratenen Unternehmen unterstützen soll. Wenn bestimmte Geschäftsmodelle veraltet sind, müsse man die Frage stellen, ob bisherige rechtliche Rahmen noch angemessen seien, sagte er. Und meinte damit nicht, dass neue Gesetze wie die französische "Three Strikes"-Regelung der Contentindustrie unter die Arme greifen sollen.
Die nötigen Reformen könnten allerdings "die Dimension eines kleinen Kulturkampfes" annehmen, "weil die Contentindustrie sich an ihre alten Geschäftsmodelle klammert". Bisher würde die Diskussion von den "Beharrungskräften" dieser Unternehmen dominiert. Man müsse allerdings "alle anhören und nicht bloß die, die am lautesten schreien!"
Zu diesen "Schreihälsen" gehört auch der Medienkonzern Warner Bros., dessen Vertreter Christian Sommer meinte, wenn man von neuen Geschäftsmodellen wie Video-on-Demand rede, müsse man auch auf das Thema Netzneutralität zu sprechen kommen. Er gab eine weit verbreitete Argumentation wieder*: Die Netzkapazität sei beschränkt, deshalb bräuchten solche Angebote eine "Diamond Lane". Gemeint ist damit, dass sie im Internetverkehr bevorzugt behandelt werden sollen.
Diese unverhohlene Forderung, die Netzneutralität abzuschaffen, Frage, hinter der auf keinen Fall das Ansinnen steckt, die Netzneutralität abzuschaffen, wurde allerdings von den Diskutanten abgeschmettert. Die Diskutanten stellten sich allerdings strikt gegen jegliche Eingriffe in die Netzneutralität.* Johnny Haeusler verwies darauf, dass sich Anfang der '90er Anbieter wie AOL und Compuserve öffnen mussten. Er warnte davor, jetzt wieder in Zeiten beschränkten Zugangs zurückzuverfallen: "Wenn wir anfangen, Internet für Arme und für Reiche anzubieten, kriegen wir richtige Probleme."
Update: Die mit * gekennzeichneten Sätzen wurden auf Wunsch von Christian Sommer nachträglich eingefügt.
Simon Jonas Hadlich am Freitag, 13.11.2009 18:20 Uhr
eco polITalk: "Wir sind alle Raubkopierer" Die Netzkapazität sei beschränkt, deshalb bräuchten solche Angebote eine "Diamond Lane". Gemeint ist damit, dass sie im Internetverkehr bevorzugt behandelt werden sollen. Achja, und Youtube Stream jeden Tag Unmeng ...
@Redaktion / Autoren der gulli:news ... an sich eine interessante news, wie ich persönlich zumindest finde! Dennoch bin ich etwas verwirrt! Die mit * gekennzeichneten Sätzen wurden auf Wunsch von Christian Sommer nachträglich eingefügt 1. Seit wann lasst ihr euch v ...
und es nochmal jahre dauern wird bis taten folgen. Einführung eines Three-Strikes-Systems in Deutschland? ;) ...
irgendwie kotzt es mich an das ottonormaluser, der genau diese argumente seit jahren bringt, nicht ernst genommen wurde und wird. das es jahre dauert bis endlich "offiziellere" stellen die argumente übernehmen und es nochmal jahre dauern wird bis taten folgen. ...
es gibt bei den verantwortlichen doch noch welche die ihr gehirn benutzen *respekt wieviel wird die contentindustrie wohl daraus lernen ? ;) ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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