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Guardian vs. Parlament: Internetexperiment ein voller Erfolg

Der Guardian hat in Großbritannien ein äußerst interessantes Experiment auf die Beine gestellt, um die Ausgaben der Volksvertreter genauer zu durchleuchten.

Wie verstecken Politiker absolut fehlplatzierte Steuerausgaben vor dem ungeschulten Auge des Bürgers? Wie werden "kritische" Gesetze durch die Legislative geboxt, so dass zumindest das einfache Volk nichts davon bemerkt?

Richtig, man wendet eine Verschleierungstaktik an. Deutschland hat mit dem "Zugangserschwernisgesetz" jüngst bewiesen, dass man wirklich Potenzial in diesem Bereich hat. Schließlich könnte sich hinter diesem Begriff (fast) alles verstecken, er bewirkt jedoch vor allem eins. Der Unwissende findet nichts Schlimmes an dieser Begrifflichkeit und denkt sich womöglich, dass alles OK ist. Was wäre wohl passiert, wenn es anders geheißen hätte? "Kinderpornos blockieren statt die Täter, die zum Großteil im greifbaren europäischen Ausland sitzen, zu fassen, anzuklagen und zu verurteilen und das Material zu löschen"-Gesetz, wäre mein persönlicher Favorit gewesen. Ich sitze aber nicht unter der gläsernen Kuppel.

Die Jungs vom britischen Guardian haben sich gedacht, man könnte doch mal herausfinden, wofür die britischen Politiker die wertvollen Steuergelder ausgeben. Gesagt - Getan - Gescheitert. Wieso? Auch die britische Regierung weiß, bestimmte Details dezent zu verstecken. Wenn es um die Ausgaben von Steuergeldern bei Politikern geht, so muss man diese erst einmal aus dem 457.153 Seiten (!) umfassenden Dokument heraussuchen. Dabei ist jedoch ein katastrophaler Fehler unterlaufen, den der Guardian in einem Experiment mit seinen Lesern gnadenlos ausnutzt. Das Material liegt nämlich online in digitalisierter Form vor. Jeder kann somit vom heimischen PC aus loslegen und mitschnüffeln. Wofür zehn Journalisten wohl mehrere Jahre gebraucht hätten, dafür haben tausende freiwillige Helfer nur wenige Tage gebraucht. Nun gut, zugegebenermaßen sind die Analysen noch nicht abgeschlossen, doch die 21.249 Helfer konnten bereits 179.152 Seiten durchforsten. Bleiben 278.001, die noch durchleuchtet werden wollen, um die Ausrutscher der Politiker zu entlarven.

Dazu hat der Guardian eine nette kleine Homepage aufgebaut. Freiwillige können dort einige Seiten des gigantischen Werkes durchforsten und mithilfe diverser Buttons beurteilen. Von "langweiliger Tabelle" über "berichtenswerte Ausgabe-Belege" ist alles mit dabei. Von einer bis zu hundert Seiten, jeder kann beitragen, soviel er möchte. Einige der bisher aufgetauchten Highlights:

  • Wieso gibt ein Abgeordneter mehrere tausend Britische Pfund für eine Studie aus, die feststellen soll, wie seine Wählerschaft zu einer Supermarkt-Kette sowie einem Fußball-Club steht?
  • Wieso wurde eine Rechnung von Caroline Flint im Bericht komplett geschwärzt, mit Ausnahme des Datums sowie der Teilbeträge, die insgesamt zu einem Betrag von 1.410 Britischen Pfund führen?
  • Wieso hat ein männlicher Abgeordneter Anspruch auf eine Damenhandtasche?

Dies sind nur einige der bisherigen Entdeckungen, doch man ist noch lange nicht am Ende angelangt. Wie der Guardian erklärt, suche man primär nach Restaurant-Rechnungen, Forderungen bis zu einem Betrag von 250 Britischen Pfund sowie abgelehnten Forderungen. Wer sich über den Betrag von 250 Britischen Pfund wundert, dem sei an dieser Stelle mitgeteilt, dass erst ab diesem die Vorlage einer Quittung notwendig wird. Man hat mit diesem Experiment bewiesen, dass auf die Leserschaft Verlass ist, insbesondere wenn diese auf so simple Weise dazu beitragen kann, die Verschwendung von Steuergeldern aufzudecken. Wir gratulieren zu diesem Experiment und möchten den Artikel mit einer sehr treffenden Feststellung von Steven Morris und Simon Rogers vom Guardian beenden: Die Abgeordneten werden bis zum Ende dieser "Transparenz-Aktion" keine ruhige Nacht mehr haben. (Firebird77)

(via guardian, thx!)

News Redaktion am Dienstag, 23.06.2009 19:37 Uhr

Tags: großbritannien guardian parlament uk experiment forderungen abgeordnete ausgabe

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14 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • .drunken am 24.06.2009 12:23:04

    Warum existieren die Doks eigentlich noch? Ich blättere die gerade mal durch und muß sagen, ne geschwärte Vodafonerechnung... ?!? Wer will was damit? Ich meine, teilweise sind die die Doks so geschwärzt das man diese nicht mehr benutzen, identifizieren oder sonst was kann... Warum sind diese Dokume ...

  • vao82 am 24.06.2009 10:29:12

    Was erwarten die Engländer denn? Ich versteh nicht was die Aktion bringen soll. Verschwendung findet überall statt. Will man dem jetzt halt bieten oder wie soll ich das verstehen? Ich denk mal nicht, das ein Politiker zurücktreten wird, weil er sich eine Handtasche gekauft hat. ...

  • Metal_Warrior am 24.06.2009 08:43:40

    Schönes Ding! Jetzt braucht man nur noch einen Namen für diese Art des "Angriffs auf ein Regierungsdokument" DDoS passt wohl weniger - aber distributed analyzing wäre doch eine nette Bezeichnung :D :T ...

  • am 24.06.2009 07:06:04

    Ich denk mal nicht, das ein Politiker zurücktreten wird, weil er sich eine Handtasche gekauft hat. Eigentlich müsste er dazu gezwungen werden. Denn wer auf dem Arbeitsplatz klaut, sei es alleine oder in einer Gruppe fliegt raus. In dem Fall kann man fast von Organisierter Kri ...

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