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Die Wellenmacher: das DACH-Branchenforum der GVU.

Am Dienstag trafen sich in Berlin rund 140 Personen zum Stelldichein. Die illustre Gesellschaft bestand aus Abmahnern, Staatsanwälten, Polizisten, Rechteinhabern, ISPs, Marktforschern, IT-Dienstleistern, Piratenjägern, Rechtsanwälten und IP-Loggingfirmen.

Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e. V. (GVU) und ihre Österreichischen und Schweizer Schwesterorganisationen (VAP bzw. SAFE) hatten das Fachpublikum in die bundesdeutsche Hauptstadt geladen.

Zahlreiche Entscheidungsträger aus Filmwirtschaft und Spieleindustrie waren dem Aufruf gefolgt, um sich in Berlin aus erster Hand zu informieren, und sich die neuesten Techniken zur Verfolgung und Bekämpfung von Raubkopierern vorstellen zu lassen. Zunächst erläuterte der GVU-Vorstandsvorsitzende Christian Sommer die neuesten Trends des illegalen Marktes. Filesharing via P2P würde demnach in Deutschland weiterhin fast ungebremst stattfinden, andere Alternativen nehmen aber im Gegensatz dazu sprunghaft zu. Während die Teilnehmer der Tauschbörsen befürchten müssen abgemahnt zu werden, wähnen sich viele Benutzer von Filehostern auf der sicheren Seite. Generell setzten die Anbieter vermehrt auf Dezentralisierung, auch "die Kino.tos dieser Republik" verlassen sich immer mehr auf kleinere Hostanbieter anstatt auf einen der großen. Insbesondere besteht aus Sicht der Filesharer Interesse an TV-Inhalten, so die Einschätzung der GVU. So schaut man sich gerne zeitnah US-amerikanische Serien in der Originalversion an, statt drauf zu warten, bis einer der deutschen Fernsehsender die Rechte daran erwirbt. Christian Sommer wies auch darauf hin, dass in Schweden seit Einführung von IPRED der Traffic im Internet um zirka 30 Prozent abgenommen hat. Das ist zwar eine ganze Menge. Gelöst hat man das Problem dadurch aber nicht nachhaltig.

Im Anschluss versuchte Hergen Wöbken vom Institut IFSE den überaus kritischen Zuhörern deren neueste Studie vorzutragen. Das Institut für Strategieentwicklung (IFSE) führte erneut nach fünf Jahren eine Studie zum Thema "Digitale Mentalität" durch. Es geht dabei um Urheberrecht, verschiedene Geschäftsmodelle sowie Fragen nach einer Gratiskultur und dem Rechtsbewusstsein der Teilnehmer im Web. Neben 50 Interviews mit Experten und Branchenkennern wurde auch eine Online-Umfrage mit mehr als 1050 Teilnehmern durchgeführt. Die meisten der befragten Personen bezeichneten sich dabei selbst als netaffin. Es blieb leider beim Versuch von Herrn Wöbken das Thema vorzutragen, weil er häufiger von einigen Teilnehmern durch Zwischenrufe und Rückfragen unterbrochen wurde. Während er versuchte seine Untersuchungsergebnisse sachlich und ohne Wertung zu präsentieren, wurde von den Zuhörern nicht selten eine Wertung hineininterpretiert, die ihnen so ganz und gar nicht gefiel. Verständlich war die Reaktion schon: Wer lässt sich schon gerne sagen, dass die derzeitigen Vertriebsmodelle oftmals an den Bedürfnissen der Konsumenten vorbei geplant wurden? Im Anschluss daran begann die eigentliche Diskussionsrunde.

Absoluter Lichtblick des Panels war Moderator Gunnar Lott. Der Fachjournalist für Gaming verstand es, charmant und eloquent zwischen den teils sehr aufgebrachten Fronten zu vermitteln. Bei acht Diskutanten und den vielen Fragen und Anmerkungen aus dem Publikum war es schwer bis unmöglich, das Thema wirklich tiefgehend zu behandeln. Als leitender Redakteur einer Computerzeitschrift verstand Lott die ganze Aufregung nicht. Kaum eine Branche hat seit vielen Jahren derartig große Absatzprobleme wie die Printmedien. Besonders hart angegangen wurde aber der Vertreter des Branchenverbandes eco, Oliver Süme. Er sprach für die Summe der Internetanbieter in Deutschland. Von ihm wurde verlangt, den Kino.to's und auch der restlichen "Download-Plage" Herr zu werden. Die Internet-Anbieter sah man als die Torsteher für illegale Anbieter im Netz an. Sie können nach Aussage mancher Personen nur Geld verdienen, solange sie den Bürgern indirekt die illegalen Transfers ermöglichen. Die Internet Service Provider (ISPs) sollen endlich ihre Verantwortung übernehmen und reagieren, so hieß es. Es wurde viel geschimpft und der schwarze Peter herumgereicht. Dr. Matthias Leonardy von der GVU sprach passenderweise von der heißen Kartoffel, die keiner allzu lange in Händen halten wollte. Vorratsdatenspeicherung, Netzsperren und die schriftliche Verwarnung von Filesharern waren ebenfalls Forderungen, die an diesem Vormittag gefallen sind. Es wäre ja auch in unserer Gesellschaft akzeptabel, dass unsere Fahrzeuge Kennzeichen tragen, um uns bei Verstößen identifizieren zu können. Dass unsere Autokennzeichen bei einer Übertragung dieser Analogie ständig erfasst werden, was ein Bewegungsprofil ermöglicht - davon wollte scheinbar niemand etwas hören. Auch die Tatsache, dass die Vorratsdatenspeicherung (VDS) so viel mehr umfasst als nur das Surfverhalten zu protokollieren, erschien manchen Teilnehmern eher nebensächlich. Sprachlosigkeit bei meiner Frage, warum ich einem Staat vertrauen soll, der seinen Bürgern nicht vertraut. Die VDS soll nach der Idee mancher Rechteinhaber genau für das eingesetzt werden, was wir als Bedenkenträger schon immer prognostiziert haben: nämlich zur Verfolgung minderschwerer Straftaten. Leider verlief die Diskussion insgesamt eher problem- und weniger lösungsorientiert.

Die Verwertungskette soll momentan nicht aufgebrochen, die Filme nicht zeitgleich zum Kinostart als Download angeboten werden. Auch daran, dass es in Deutschland kein DRM-freies Video-on-Demand-Portal gibt, will man momentan nicht rütteln. Leider haben es viele Gäste noch immer nicht verstanden, dass die Daten bei fehlender Flexibilität der Anbieter dann halt illegal zu ihren Konsumenten gelangen. Mancher Familienvater wäre froh, könnte er sich die Spritkosten, Parkplatzgebühren, Eintritt für 3-4 Personen, Gelder für Cola, Popcorn, Käse-Nachos & Co. sparen und statt des nicht selten verwackelten Cam-Rips für 20 Euro einen neuen Kinofilm herunterladen, der über eine ausreichend gute Bild- und Tonqualität verfügt. Nein, es soll vorerst alles beim Alten bleiben. Die Hoffnungen liegen auf der neuen Schwarz-Gelben Regierung. Und das, obwohl diese kurz nach dem Startschuss die Vorschläge zum Thema 3-Strikes abgelehnt und bis auf Weiteres sämtliche Netzsperren vertagt haben. Wer nichts verkehrt macht, muss sich auch für keine Datensparsamkeit einsetzen, könnte man glauben. Die Weigerung der ISPs, von der Netzneutralität abzuweichen, und mein Plädoyer für Datensparsamkeit wurde von den wenigsten Teilnehmern geteilt. Bevor alle geworfenen Nebelkerzen verloschen waren und man auf dem Podium der vielen Polemik müde wurde, musste Frau Ehlers das Panel abbrechen. Wir hatten schon überzogen, das Mittagessen wartete bereits auf die meist hungrigen Zuhörer. Von Einigkeit vorne und auch in den Reihen der Zuschauer leider keine Spur. Sei es drum. Der GVU ging es bei der Diskussionsveranstaltung sowieso vor allem darum, ein möglichst breites Spektrum der Problematik darzustellen. Das angestrebte Ziel wurde zweifellos in vollem Umfang erreicht. Viel mehr sollte man bei einer solchen Gelegenheit vielleicht auch nicht erwarten.

Nach dem Mittagessen bekamen zahlreiche Jäger von Urheberrechtsverletzern, IP-Loggingfirmen und Copyright-Schützer gegen einen vierstelligen Betrag die Möglichkeit, in wenigen Minuten ihr Konzept vorzustellen. Es ist offensichtlich, dass die Veranstaltung die GVU einiges gekostet hat. Und deswegen ist eine solche Vergütung nachvollziehbar, mag sie zunächst auch erst mal befremdlich klingen. Die vorgestellten Konzepte, wie man das Filesharing, die Transfers zum Filehoster und vieles mehr einschränken kann, klangen im Vergleich zueinander oft sehr ähnlich. Herr Schneider stellte seine "Logical(Steps)" vor, wie die Unternehmen ihre entgangenen Lizenzeinnahmen durch die Schadensersatzzahlungen der Raubmordkopierer kompensieren können. Sein Kollege von Logistep, Herr Oginski, soll beim Treffen mit den Staatsanwälten sehr emotional geworden sein. Manche Strategien der Firmen klangen insgesamt recht überholt. Fakefiles, vorgetäuschte (also eigene BitTorrent-Tracker) und andere Verzögerungstaktiken und weitere Ablenkungsmanöver fanden schon vor vielen Jahren Anwendung. Ein Unternehmenssprecher berichtete gar über deren Maßnahmen bei der Bekämpfung von nicht verschlüsselten Transfers von und zu ftp-Servern. Die meisten Entscheidungsträger hörten wort- und kommentarlos zu. Kenner der Szene wissen aber, dass kein noch so dummer Admin eines ftp-Servers auch nur einen einzigen unverschlüsselten Transfer zulassen würde! Auch die Rolle der Usenet-Provider wurde stark unterschätzt. Oder aber es lag daran, dass es wegen der Dezentralisierung der vielen Server noch kein rechtes Mittel dagegen gibt. Anonymes Filesharing via I2P, Freenet oder bald per Anomos blieb völlig unerwähnt. Wieder andere Anbieter stellten ihr Verfahren für digitale Wasserzeichen im Bild und allen digitalen Medien vor. So würden die Wasserzeichen sogar erhalten bleiben, sollte jemand den Streifen vom Monitor abfilmen. Interessant ist ein solcher Einsatz vor allem, um Pre-Releases zu verhindern und damit Journalisten oder Juroren von Filmfestspielen nicht in Versuchung geraten können.

Die besten Diskussionen fanden wie üblich im Anschluss an die eigentliche Veranstaltung statt. Tacheles wird leider erst dann geredet, wenn es kein Publikum mehr gibt, vor dem man sich produzieren könnte. Rechtsanwalt Björn Frommer von der für Abmahnungen bekannten Kanzlei Waldorf findet den Schutz von Medien durch Wasserzeichen für unzureichend. Die Privatkopie würde es den juristischen Vertretern der Rechteinhaber schwer machen, solche Personen zu verfolgen, die ihre Medien trotz Wasserzeichen weitergegeben haben. Dass sich die Menschen keine Handschellen in Form von DRM-Maßnahmen verkaufen lassen, konnte RA Frommer zwar verstehen. Dennoch sprach er sich dafür aus, den Schutz der Urheberrechte durch ein Digital Rights Management und auch Abmahnungen durchzusetzen, solange sich die juristischen Grundlagen nicht geändert hätten. Die Menschen seien eben im Regelfall keine Engel. Deswegen sei es nötig, Druck aufzubauen. Immerhin bestand Einigkeit in dem Punkt, dass nicht selten völlig harmlose Kinder und Jugendliche und nicht die Poweruser abgemahnt werden. Es trifft also leider meist die Falschen, die dann zur Kasse gebeten werden. Schon zuvor wussten wir alle nicht, wie wir es der jetzigen Generation beibringen sollen, in digitalen Medien einen Wert zu sehen und bereit zu sein, Geld dafür auszugeben. 99 Cent sind meiner Meinung nach nicht zu viel für den Download eines Musikstücks in einem Online-Shop. Das habe ich Herrn Frommer auf seinen Wunsch hin gerne mehrfach bestätigt.

Auch wenn die meisten Gäste schon ausgeflogen waren, bis kurz nach Mitternacht ging die frohe Runde von Piratenjägern und Piratenverteidigern munter lustig weiter. Der ehemalige Berliner gulli:News-Redakteur fraencko und ein privater Freund von mir durften sich unserem Kreis spontan anschließen. Mein Bekannter, der seinen Namen lieber unerwähnt lassen möchte, diskutierte dann auch recht ausführlich mit dem GVU-Juristen Jan Scharringhausen. Mein Begleiter kommentierte die Veranstaltung auf unserem Rückweg mit den Worten, dass sich seit Aufkommen der ersten Heimcomputer aufseiten der Industrie nichts, aber auch überhaupt nichts an der Einstellung der Industrie geändert habe. Sie sei damals wie heute höchst unwillig, sich den Bedürfnissen der Menschen anzupassen. Und anstatt ihre Taktik zu ändern, um die Ursachen zu bekämpfen, werden die bösen Raubkopierer gejagt. Organisationen wie die GVU können als Auftragnehmer der Firmen nichts anderes tun als deren starre Meinung nach außen hin zu vertreten. Fraglich, was passieren würde, würde es das Problem der Internet-Piraten überhaupt nicht mehr geben. Hätte die GVU keine Straftäter und Releaser mehr zu jagen, so würden sie sich und zahlreiche andere Dienstleister selbst überflüssig und arbeitslos machen. Wir schüttelten beide einhellig mit dem Kopf. Nein, das wird sowieso nie passieren. Solange das Katz- und Mausspiel weiter geht und man die Symptome anstatt der Ursachen bekämpft - so lange können Organisationen wie Logistep, Digiprotect, die GVU und viele andere weiterhin existieren. Traurig aber wahr.

Im Anhang findet sich das überaus interessante und durchdachte Statement des Filmproduzenten Max Wiedemann, der auch beim Panel teilgenommen hat. Herr Wiedemann veröffentlichte diese Aussage im News-Forum von heise online. Er versucht damit u. a. auf einige der Kritikpunkte einzugehen, die die User des dortigen Forums und Dr. Stefan Krempl im Rahmen seines Artikels aufgeworfen haben.

Liebe Internet-User,

nach meiner Forderung, die Access Provider zur Sperrung illegaler Inhalte in die Pflicht zu nehmen war ich erschrocken über Eure Kommentare, die ich mir alle sehr genau durchgelesen habe und möchte Euch einmal meine Sicht der Dinge darlegen, da das Thema in den teilweise nicht ganz unparteiischen Foren allzu oft verkürzt dargestellt wird.

Am häufigsten wird das Argument verwendet, es würde sich bei einer solchen Forderung um "Zensur" handeln, die die "Freiheit der Internetuser einschränkt".

Doch von was für einer Freiheit wird hier gesprochen? Der Freiheit, andere Menschen zu berauben. Der Freiheit, Straftaten ungesühnt zu begehen. Der Freiheit, die Werte, die wir uns in unserem Rechtsstaat erarbeitet haben auf einmal über Bord zu werfen?

Versteht mich nicht falsch, ich selber halte die Meinungsfreiheit für ein hohes und beschützenswertes Gut. Aber es spricht ja auch niemand davon, diese auch nur im Geringsten einzuschränken. Es geht nicht darum, schlechte Filmkritiken zu verbieten sondern einzig und allein darum, die hohen Werte, die wir uns in einem Rechtsstaat geschaffen haben, und die wir in der realen Welt akzeptieren und schätzen, auch in der virtuellen Welt aufrechtzuerhalten.

Niemand würde in der realen Welt von Zensur sprechen, wenn ein Kiosk geschlossen wird, der Kinderpornos verkauft. Niemand würde in der realen Welt von Einschränkung der Meinungsfreiheit sprechen, wenn eine Zeitung, die Verfolgung von Juden propagiert, verboten wird und niemand würde in der realen Welt die Freiheit des Einzelnen in Gefahr sehen, wenn ein Hehler verhaftet wird, der gestohlene Waren verkauft. Um nichts anderes geht es in meiner Forderung.

Ich frage mich, warum sich gesellschaftlich im Internet eine so andere Rechtsauffassung etabliert hat als in der realen Welt. Ich halte diese Entwicklung für äußerst gefährlich, denn es geht um weit mehr, als den Erhalt von Arbeitsplätzen einer kleinen aber wie ich finde kulturell durchaus wichtigen Branche. Es geht um die Frage, ob wir unsere Werte des Rechtsstaates, die wir uns geschaffen haben und die wir alle schätzen, durch die Digitalisierung verlieren.

Machen wir uns nichts vor. Wir stehen erst am Anfang einer Entwicklung. Jetzt entscheiden wir darüber, ob wir auch virtuell weiter in einem Rechtsstaat leben wollen oder nicht. Ich finde es traurig, dass sich ein gesellschaftlicher Trend herausgebildet hat, der diese Grundwerte anscheinend nicht mehr achtet. Dass es schick ist, ein Pirat zu sein und andere Menschen zu bestehlen. Und dass diese Haltung mit einer Pseudo-Freiheits-Argumentation auch noch verteidigt wird. Es hat nichts mit Zensur zu tun, einen Kiosk zu schließen, der Kinderpornos verkauft. Und es hat nichts mit Zensur zu tun, Internetseiten wie kino.to zu sperren, die einzig und allein dafür geschaffen wurden, andere Menschen zu berauben und damit ihr Geld verdienen. Und es ist auch kein Abgrenzungsproblem wenn man einen einfachen Maßstab anlegt: Was in der realen Welt eine Straftat ist, soll auch in der virtuellen eine sein. 

Und wenn man dies anerkennt, muss man auch wirksame Mittel finden, diese Straftaten zu verhindern. Es ist meines Erachtens nicht wirksam vor einem Kiosk zu stehen und jeden Kunden anzuzeigen, der dort einen Kinderporno kauft, wenn auch einfach man den Kiosk schließen kann. Und genauso wenig sinnvoll ist es, unser Justizsystem mit Strafanzeigen zu überfluten, vielmehr sollten die Quellen ausgeschaltet werden, so wie man das im realen Leben auch machen würde. Nun gibt es aber einen Unterschied zum realen Leben, die Hehler sitzen oft im Ausland und es gibt keine Möglichkeit, die Server stillzulegen. Die EINZIGE Möglichkeit ist es, den Zugang zur Quelle zu blockieren und hier sehe ich die Provider in der Pflicht. 

Niemand will die Provider haftbar machen für ihre Inhalte aber wenn ein staatliches Organ feststellt, dass eine Internetseite illegale Inhalte anbietet, muss es die Verpflichtung der Provider sein, den Zugang zu dieser zu versperren. Ich verstehe nicht, warum die Access-Provider sich diesem Punkt ihrer Verantwortung entziehen und dies mit 2 Hauptpunkten argumentieren.

1. Es gäbe doch schon wirksame Mittel. Wenn diese Mittel wirksam wären gäbe es kein kino.to, die ihr Geld ganz unverhohlen damit verdienen, andere Menschen zu berauben. As simple as that.

2. Die Maßnahme wäre Zensur und gesellschaftlich nicht durchsetzbar: Wie oben erläutert wird der Begriff hier meines Erachtens missbraucht, um die wirtschaftlichen Interessen der Provider zu sichern. Natürlich verkauft man höhere Bandbreiten, wenn traffic-intensive illegale Downloads überall verfügbar sind. Ich denke ein jüngeres Beispiel führt die Zensur-Argumentation der Provider ganz gut ad absurdum. Als das Internet-Telefon-Programm Skype technisch in der Lage war, auf Mobiltelefonen mit Daten-Flatrates zu laufen fürchteten die Mobilfunkanbieter um ihre Geschäftsgrundlage. Dieses Programm wurde natürlich sofort gesperrt und funktioniert nicht mehr über 3G/UMTS-Flatrates. Eine Sperrung illegaler Internetseiten ist hingegen Zensur und gesellschaftlich nicht vertretbar?

Indessen versucht man der Filmbranche vorzuwerfen, dass sie selber an der Entwicklung die Schuld trage. Es kursieren Argumente wie:

1. Es gibt kein vernünftiges Gegenangebot: Während der Auswertungsphase im Kino, korrekt. Einen Kinofilm muss man während der Videosperre auch im Kino sehen. Wenn es diese Auswertungsstufe nicht gäbe, wären Kinofilme in der jetzigen Form nicht refinanzierbar. Es gibt Filme, deren Erlöse sich aus einer Auswertung ohne Kino generieren, die nennt man direct-to-video-Produktionen. Soll so wirklich die Zukunft des Films aussehen? Während der Videoauswertung gibt es konkurrenzfähige Angebote, von Maxdome bis zu Videoload. Qualitativ top nur in einem Punkt können sie nicht mithalten, es gibt die Filme eben nicht umsonst.

2. Kino/Video ist überteuert: Ohne die jetzigen Preise, die sich wie bei allen Gütern durch die Gesetze des Marktes, Angebot und Nachfrage ergeben haben, wäre Filme in der jetzigen Form nicht refinanzierbar, sprich es würde sie nicht geben. Man kann einem Autobauer auch nicht vorwerfen: Tut mir leid, ihre Fahrzeuge sind zu teuer, deshalb werden so viele Autos geklaut.

3. Die Filmbranche würde nichts unternehmen, dem Problem Herr zu werden. Dieses Argument kann ich gar nicht nachvollziehen. Die Filmbranche tut alles in ihrer Macht stehende, um illegale Raubkopien zu verhindern. Aber es fehlen die rechtlichen und technischen Möglichkeiten, dem Problem Herr zu werden. Was bitte soll die Filmbranche gegen Internetseiten wie kino.to unternehmen?

4. Die Filmbranche verdient doch sowieso zuviel Geld. Ich halte dieses Argument, bitte entschuldigt diese klare Ausdrucksweise, für absoluten Schwachsinn. Erstens ist es nicht so. Nur weil ab und zu irgendwelche Traumgagen von Hollywood-Darstellern durch die Presse geistern soll das nicht darüber hinweg täuschen, dass es wirtschaftlich um die Filmindustrie nicht wirklich gut bestellt ist. Viele Produktionsfirmen in Deutschland kämpfen schon jetzt Tag um Tag ums Überleben und die Bedrohung durch illegale Raubkopien wird deren Existenz und Arbeitsplätze gefährden. Wenn Ihr wirklich einen Industriezweig sucht in dem viel Geld verdient wird, würden sich die Internet-Provider bsp. wesentlich besser anbieten. Und zweitens ist das auch völlig irrelevant. Wo führt so eine Argumentation denn hin. Hey, es ist OK Banken zu überfallen, denn die verdienen viel Geld??

Und dann gibt es da noch das Lieblingsargument der Raubkopierer. Die Leute, die Filme illegal herunterladen, würden diese ja auch nie bezahlen. Vielleicht mag das für einen Teil der Raubkopierer zutreffen aber dass es einen Zusammenhang zwischen illegalen Downloads und Umsatzzahlen gibt, ist doch nicht von der Hand zu weisen. Habt Ihr eine Ahnung, wie viele Mitarbeiter in der Musikbranche Ihren Job wegen Napster und Co. verloren haben? Ich finde es extrem unmenschlich, kein Verständnis dafür zu haben. Was würdet Ihr sagen, wenn man Euer Gehalt im Internet runter laden könnte?

Mir ist bewusst, dass meine Forderung nach Internetsperren für illegale Inhalte derzeit eine unpopuläre Meinung ist. Und ich finde es bedenklich, dass es gesellschaftlich unpopulär ist, sich für die Prinzipien unseres Rechtsstaates einzusetzen und gerade die Freibeuter des Internets letztlich den fadenscheinigen Argumenten der Milliardenindustrie der Internetprovider auf den Leim gehen, ohne zu erkennen, wie weit reichend die Folgen sind, wenn wir diesen Weg weiter gehen. Ich denke wir alle haben hier eine Verantwortung und würde mir wünschen, dass sich mutige User und Politiker finden, die bereit sind, gegen den gesellschaftlichen Trend für das Recht einzutreten und die Werte unseres Staates auch in der virtuellen Welt zu schützen. Die neue Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag den Schutz des Urheberrechts im Internet auf die Fahne geschrieben. Ich bin gespannt, mit wie viel Mut es der neuen Regierung gelingt, das Problem wirklich in den Griff zu bekommen und ob sie stark genug sind, für die Werte unseres Rechtsstaates einzutreten, auch wenn sie damit ein paar Stimmen an die Piratenpartei verlieren werden.

Bitte entschuldigt, dass ich hier etwas weiter ausholen musste aber ich denke es ist wichtig, auf das Problem etwas detaillierter einzugehen, weil es verkürzt formuliert oft falsch verstanden wird und gerade das machen sich die Gegner solcher Maßnahmen zu nutzen. Ich bin über jeden konstruktiven Beitrag dankbar, wie man Eurer Ansicht illegale Raubkopien verhindern und Portale wie kino.to stillegen kann aber vielleicht könnt Ihr meine Forderungen nun auch ein Stück besser nachvollziehen.

Beste Grüße, Max Wiedemann.

Lars Sobiraj am Freitag, 06.11.2009 14:57 Uhr

tagsTags: gesellschaft zur verfolgung von urheberrechtsverletzungen

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39 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • ironkung am 22.12.2009 10:44:13

    Wollte mal meine Meinung und meine Ansicht los werden. Wenn ich für eine Download DVD 12.99 zahlen soll, die es aber bei Saturn schon für 3,90€ gibt komme ich mir verascht vor. Wenn ich mir so manche Online Preise ansehe, ein Film on Demand kostet bis zu 4,99.(alle aktuellen DVDs können 24h an ...

  • Ghandy am 22.12.2009 10:13:12

    So lange ein Filehoster den eingehenden Löschaufforderungen nachkommt, ist da im Moment recht wenig zu machen als Rechteinhaber. Da gibt auch afaik der DMCA nicht viel her. Sie könnten versuchen sie dazu zu verpflichten, dass die Leute sich wie bei eBay inklusive Klarname und Adresse anmelden. ...

  • Tyl3r_Durden am 13.11.2009 22:05:21

    Hehe, da hättest du vielleicht etwas nachbohren müssen (wenn man schon persönlich vor Ort ist). Aber Danke für die Rückmeldung! Vielleicht ist diesbezüglich ja irgendwann mal eine Gulli-News fällig, wenn die "privaten Websheriffs" dann wirklich "konkrete Maßnahmen" ergreifen. ...

  • Ghandy am 12.11.2009 13:04:12

    Die meisten Rechteinhaber haben diesbezüglich Sperrmaßnahmen vor Augen. Was die Anbieter jetzt genau gegen Filehoster tun wollen wurde so detailliert nicht erklärt, das hätte mich auch interessiert! ;-) ...

  • Tyl3r_Durden am 11.11.2009 09:45:10

    Die vorgestellten Konzepte, wie man das Filesharing, die Transfers zum Filehoster und vieles mehr einschränken kann, klangen im Vergleich zueinander oft sehr ähnlich. Was ist eigentlich mit dieser Bemerkung gemeint Ghandy? Bei Filehostern kann man, im Gegensatz zu P2P, sch ...

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